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Auf die Berchtoldshöhe im Bregenzerwald Winterwandern mit Sagen, Sauerkaut und Schwabenkindern

Schnee, Tauwetter, Regen, Sturm – dieser Winter weiß irgendwie nicht so recht was er eigentlich will. Im Allgäu und auch in Vorarlberg gab es allerdings gute Gelegenheiten zum Winterwandern im Bregenzerwald, zum Beispiel über den Lorenapass zur Berchtoldshöhe und zum Bödele. Ausgangspunkt ist das 700 Meter hoch gelegene Schwarzenberg.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 15.03.2019

Auf die Berchtoldshöhe im Bregenzerwald | Bild: BR; Andrea Zinnecker

Ach ja, die Achen - sie sind typisch für den Bregenzerwald und prägen mit ihren steilen schattigen Tobeln die Landschaft: Bregenzerach, Bolgenach, Subersach und wie sie alle heißen. Viele kleine namenlose Bäche rauschen den Achen zu und müssen überquert werden, auch auf dem Weg von Schwarzenberg hinauf zur Berchtoldshöhe. Sonn- und südseitig geht es durch kleine Weiler und die zauberhafte Kulturlandschaft des Bregenzerwalds mit großartigem Blick auf Niedere, Tristenkopf, Hochkünzelspitze, Kanisfluh und Hochälpele.

Bregenzerwälder Häuser

Wer für die rund 450 Höhenmeter hinauf zur Berchtoldshöhe noch eine Brotzeit braucht, der wird im Hofladen von Rainer Held fündig. Der Biobergbauernhof bietet Produkte vom Tiroler Grauvieh und der Toggenburger Ziege an, am Sonntag auch selbstgebackenes Brot und Hefezopf und setzt dabei auf Selbstbedienung im schmucken Lädele und auf die Ehrlichkeit der Wanderer – bisher funktioniert das gut. Eine Einkehr der anderen Art bietet dann die geschindelte Theresienkapelle.

Blick aus der Theresienkapelle zur Niedere

Ein Stück hinter der Theresienkapelle geht es dann weg vom schmalen Bergsträßchen, hinein in den dichten Bergwald und hinauf zur Ilga-Quelle. Einst sollen sich hier die drei seligen Geschwister Ilga, Diedo und Merbod auf ihrem Weg von Bregenz nach Andelsbuch getrennt haben. Zum Abschied entsprang eine Quelle aus dem Boden, die bis heute munter plätschert und als heilkräftiges Augenwasser gilt. Von der Ilga-Quelle ist es nicht mehr weit zum knapp 1200 Meter hohen Lorena-Pass. Der älteste Übergang vom Bregenzerwald ins Rheintal wurde schon von den Kelten und Römern benutzt und später von den Bregenzerwälder Käsehändlern, die ihre Produkte über die Lorena hinaus ins Rheintal und bis nach Italien transportieren ließen. Der Lorena-Pass war aber auch der zentrale Übergang für die Schwabenkinder aus dem Bregenzerwald hinaus zu den Kindermärkten in Oberschwaben, wo sich dann den Sommer über bei den Bauern verdingten, damit zuhause ein Esser weniger am Tisch war. Auf der Passhöhe erinnert eine Steintafel an die Schwabenkinder - ans Babele, Lisele, Seppele und viele mehr.

Erinnerung an die Schwabenkinder auf dem Lorenapass

Am Lorena-Pass findet sich auch der erste Wanderhinweis zur Berchtoldshöhe. Die schlichte urige Hütte ist nur auf wenigen Karten namentlich eingezeichnet und noch ein wirklicher Geheimtipp. Der Name kommt von der Parzelle „Höhe“ und vom Familiennamen Berchtold, erklärt Elfriede, die Wirtin, die hier schon seit vielen Jahrzehnten mit Leidenschaft die Gäste bewirtet. Viele Stammgäste kommen von Schwarzenberg oder auch von Alberschwende aus herauf und viele wegen des Sauerkrauts von Elfriede Berchtold. Es wird sehr lange gekocht, auch mit etwas Knoblauch verfeinert und mit einer Hauswurst oder Bratwurst serviert.

Gemütliche Stube

Man könnte in der gemütlichen Stube stundenlang verhocken, aber noch ist die Wanderung nicht zu Ende. Von der Berchtoldshöhe geht es wieder zurück zum Lorena-Pass und über den Geißkopf zum Bödele, dem Pass zwischen Schwarzenberg und Dornbirn. Das steile Wegstück durch die schattige Nordostseite des Geißkopfs ist allerdings unerwartet tückisch, und so mancher dreht in Anbetracht der bockhart vereisten Weges lieber um. Ohne Grödel ist der Weg hier eine gefährliche Rutschpartie, bei frischem Schnee dagegen eine feine Tour, auch mit Schneeschuhen. Vom Geißkopf aus ist es dann zu sehen - das Nebelmeer über dem Bodensee. Manchmal schwappt die weiße Suppe auch herüber in den Bregenzerwald. Winterwolkennebelmagie!

Zurück nach Schwarzenberg geht es vom Bödele zu Fuß in gut zwei Stunden über den Untergeißkopf und den Beientobel. Man kann aber auch ganz bequem und knieschonend mit dem Skibus oder Landbus zurück nach Schwarzenberg fahren. Die Jausenstation Berchtoldshöhe hat übrigens bis Ende März täglich geöffnet.

Karte: Die Berchtoldshöhe

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Die Berchtoldshöhe


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