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Der erste Winter-Weitwanderweg in Tirol Auf der dritten Etappe zur Wettersteinhütte in der Leutasch

Im Sommer sind Weitwanderwege sehr beliebt, egal ob Frankenweg, Lechweg, Karwendeltour oder eine der vielen anderen Routen über die Alpen. Aber Weitwandern auch im Winter? Das ist wunderschön, doch meist sind die Wege nicht geräumt und die Hütten geschlossen. Anders sieht das in der Region um Seefeld und Leutasch aus.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 31.01.2020

Wettersteinhütte Leutasch: Albrecht-Dürer-Blick ins obere Inntal | Bild: BR/Ulrike Nikola

Hier gibt es seit letztem Jahr einen Winterweitwanderweg mit rund 60 Kilometern in vier Etappen. Jeden Abend übernachtet man in einem anderen Ort, die Wanderwege durch die verschneiten Wälder, entlang von Seen und hoch ins Gebirge werden regelmäßig geräumt. Sehr lohnend ist zum Beispiel die dritte Etappe von Mösern zur Wettersteinhütte.

In Mösern gibt es den berühmten „Alberecht-Dürer-Blick“, denn auf einem Selbstbildnis von Dürer ist im Hintergrund genau dieser Inntalblick zu sehen, den man von hier hat. In Mösern steigt der Winterwanderweg kurz an und gibt den Blick frei auf das obere Inntal und die dahinterliegenden Zillertaler, Pitztaler und Ötztaler Gipfel. Der Weg ist bestens präpariert, alle Bänke sind freigelegt, damit die Wanderer in der Sonne sitzen können. Die Stille beim Wandern im Winter ist noch größer als im Sommer, denn der Schnee dämpft alle Geräusche. Zu hören ist nur das Knirschen der eigenen Schritte. Die Wanderer schwärmen, dass gerade das Weitwandern unglaublich entschleunigt.

Hans Neuner vor dem Bergbauernmuseum

Von Mösern führt der Winterwanderweg immer mal wieder etwas nach oben und wieder hinab bis zum kleinen sehenswerten Tiroler Bergbauernmuseum im Ropferhof auf 1200 Meter Höhe. Wanderführer Hansi Neuner zeigt die alten Gerätschaften wie eine Grummel, mit der Flachs hergestellt wurde. Auch Skier von anno dazumal sind zu sehen - ohne Stahlkanten und aus heimischen Eschenholz angefertigt. Die Esche wächst hier und gilt als heiliger Baum. Wenn man ein Haus gebaut hat, wurde auch eine Esche gepflanzt. Sie hatte die Aufgabe, das Haus zu beschützen und war mit ihrer Pfahlwurzel und der ausladenden Baumkrone ein natürlicher Blitzableiter.

In der Ropferstube spielt jemand Harfe. Die ehemalige Schmugglerhütte hat eine fünfhundertjährige Geschichte und lag an der nicht immer legalen Handelsroute zwischen Inntal und Bayern. Noch immer beliebt ist das typische Reindlessen, das Georg Kowacz in der Küche auf einer großen Platte anrichtet: Kässpatzn, Serviettenknödel, Spinatknödel und Schweinebraten mit Sauce, danach gibt es Blaubeer-Schmarrn und Kaiser-Schmarrn.

Gut gestärkt führt die Wanderung nun unter Fichten hindurch zum sogenannten Katzenloch. Es bildet den niedrigsten Übergang vom Inntal in die Leutasch, ist ziemlich eng und war somit ein Zwangspass für Luchs, Wildkatze, Wolf und Bär. Immer wieder bietet sich ein herrlicher Blick auf die Hohe Munde. Der 2662 Meter hohe, markante Berg wurde durch die eiszeitlichen Gletscher auf allen Seiten rund abgeschmirgelt, erklärt Wanderführer Hans Neuner. Der Name „Munde“ wird vom romanischen „Monte“ abgeleitet.

Leutascher Ache im Gaistal

Schon bald ist das Hochtal der Leutasch in Sicht. Durch die Ansiedlungen Moos, Obern und Klamm geht es ins schöne Gaistal. Eingerahmt von Eis fließt die Leutascher Ache in Richtung Isar. Von hier geht es nun 400 Höhenmeter bergauf zur Wettersteinhütte. Die Anstrengung lohnt sich, denn von der Hütte hat man einen fantastischen Ausblick in die Tuxer und Stubaier Alpen, in die Sellrainer Berge, ins Karwendel und Wetterstein. Hüttenwirt Hans Schütz genießt das Panorama jeden Tag aufs Neue trotz der vielen Arbeit und begrüßt die Gäste mit einem Enzianschnaps. Mit köstlichen Speckknödeln und Kaiserschmarrn klingt die dritte Etappe auf dem wunderschönen Winterweitwanderweg rund um Leutasch und Seefeld aus.

Karte: Leutasch

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Karte: Leutasch


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