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„Indian Summer“ entlang der sächsisch-böhmischen Grenze Wildnistrekking in der Sächsischen Schweiz

Zelt, Plumpsklo, Campingkocher, ein Rucksack und dann raus in die Natur. Davon träumen viele Outdoor-Fans und reisen dafür nach Patagonien, nach Skandinavien oder ins australische Outback. Dabei gibt es solche Wildnis-Abenteuer auch fast vor der Haustüre, zum Beispiel in der Sächsischen Schweiz.

Von: Folkert Lenz

Stand: 05.10.2019

„Indian Summer“ entlang der sächsisch-böhmischen Grenze | Bild: BR; Folkert Lenz

Seit 2018 kann man sich hier auf dem „Forststeig“ durch das Elbsandsteingebirge und im wahrsten Sinne des Wortes in die Büsche schlagen. Geschlafen wird in Selbstversorgerhütten oder im eigenen Zelt auf Biwakplätzen mitten im Wald. Wer jetzt unterwegs ist, erlebt den Laubfall, den „Indian Summer“ in Sachsen.

Biwakplätze bieten Unterschlupf für die Nacht.

Da ist aber einer aufgeregt – ein Eichelhäher. Kein Wunder, denn so häufig kommen hier, tief im Wald des Gelobtbachtals, auch keine Wanderer vorbei. Da darf der Eichelhäher ob der Ruhestörung schon mal schimpfen. Auf dem Forststeig geht es beim Wildnis-Trekking rund 100 Kilometer durch die Wälder Sachsens – mit einem Abstecher auf den Hohen Schneeberg in Böhmen hinter der tschechischen Grenze. Fünf bis sieben Tage ein Marsch durch die Einsamkeit - nur die Landkarte verrät, dass die Zivilisation gar nicht so weit weg ist. Doch Dörfer und Straßen bleiben hier meist außer Sichtweite.

Bisweilen ist unklar, ob der Weg nicht ein Wildwechsel ist.

Der Forststeig verläuft oft auf Pfaden der Waldarbeiter, durch so genannte Rückegassen, oder auch auf Wegen der Arbeiter, die hier früher Sandstein abgebaut haben, sagt Uwe Borrmeister, den man getrost als „Mister Forststeig“ bezeichnen darf, denn er und sein Team vom Sachsenforst hatten die Idee zum Forststeig. Stellenweise sind Pfadfinderqualitäten sind gefragt. Markiert ist die Route an Bäumen mit einem gelben Strich, Wegweiser gibt es absichtlich nicht. Die gelben Farbkleckse an den Baumstämmen verliert man leicht aus den Augen, es gibt auch Strecken, wo man ohne GPS und Landkarte sprichwörtlich in den Wald kommt bei der Orientierung. Dafür gibt es Trekking-Romantik wie sonst nur in Kanada oder Neuseeland.

In Schöna startet der Forststeig am Elbufer. Viele Wandertage später endet die Route in Bad Schandau. Tagelang schlängelt sich der Pfad durch die Sächsische Schweiz - zwischen Kiefern und Fichten, zwischen Birken- und Buchenstämmen hindurch, bisweilen zugewachsen mit Büschen und Strauchwerk. Während der Sommermonate überlässt der Sachsenforst manche Waldarbeiterhütte den Wanderern zum Schlafen.

Simpel: Der gelbe Farbfleck zeigt die Marschrichtung an.

Die Etappe an der „Grünen Grenze“ zwischen Deutschland und Tschechien gilt vielen als die reizvollste. Was früher nicht so gerne gesehen wurde, ist heute quasi ein Muss: „Rübermachen“! Die Grenzsteine geben die Marschrichtung vor. In einer großen Schleife zieht sich der Forststeig später rund um das wildromantische Bielatal und verläuft unter zerklüfteten Felsformationen wie den Herkulessäulen.

Bizarr: Die Herkulessäulen

Das Finale wartet mit spektakulären Aussichten von den Tafelbergen des Elbsandsteins auf. Uwe Borrmeister erklärt, warum die Einheimischen sehr genau zwischen „Steinen“ und „Bergen“ unterscheiden: Steine sind feste Sandsteinformationen und haben der Erosion standgehalten wie zum Beispiel der Große Zschirnstein oder Papststein. Berge sind dagegen durch Hebung entstanden. Dem geologischen Laien mag es egal sein, ob er sich jetzt über Sandstein oder Basaltdurchbrüche seinen Weg hinunter nach Bad Schandau bahnt. Ohnehin kommt er angesichts der imposanten Felsenlandschaft auf den letzten Kilometern des Forststeigs ins Staunen, auch weil jetzt im Herbst das Laub in den unwirklichsten Farben wie bei einem Natur-Feuerwerk zu explodieren scheint.

Karte: Gelobtbachtal

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Gelobtbachtal


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