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Wandern zu alten Birnbäumen Meditativ Natur erfahren im Landkreis Ansbach

Mit dem Herbst ist jetzt auch die Zeit gekommen, in der die Landschaft voller besonders intensiver Aromen steckt. Die Feuchtigkeit und besonders die Reife verstärkt diese Wirkung, erst recht da, wo jetzt die Früchte am Baum oder auch am Boden liegen. Und wer in der Region mit offenen Augen wandert, der nimmt auch das Aroma der Landschaft besonders intensiv auf - an und um die alten Birnbäume.

Von: Georg Bayerle

Stand: 02.10.2020

Birnbaumwandern: Dieses Mal mit Korb unterwegs | Bild: BR/Georg Bayerle

Die Feldbäume sind ganz besondere Naturdenkmäler in der Landschaft, oft aber auch gar nicht beachtete, jahrhundertealte Geschöpfe. Im Raum Ansbach haben die "Birnenfreunde" vor drei Jahren damit begonnen, die alten Bäume der Region zu suchen und zu kartieren, um diese besonderen Landschaftsmerkmale wieder ins Bewusstsein zu rufen. Ein solcher Baum fällt bei Hirschbronn von Weitem ins Auge: Er steht wie auf einer Halbinsel im Feld, das jetzt abgeerntet ist. Niemand kennt den Baum besser als Detlev Etteldorf: Knappe fünf Kilometer von seiner Haustür entfernt ist der Birnbaum das Ziel seiner Laufstrecke und er gehört zu einer Fotogruppe im Landkreis Ansbach, deren Mitglieder ein Jahr lang einen alten Birnbaum beobachtet und fotografiert haben. Im Wechselspiel des Sonnenlichts und der Jahreszeiten, die sich so besonders intensiv erfahren lassen.

Durchs Hügelland östlich von Ansbach

Feldbaum

Der alte Birnbaum steht in einem Seitental des Rezattals. Der LiSa-Wanderweg führt hier vorbei, es sind Rundwege um die Orte Lichtenau und Sachsen durchs Hügelland östlich von Ansbach. Und es sind nur ein paar Schritte zur nächsten Natursehenswürdigkeit: Ein Eichen-Hutewald, der mit den weit ausgespannten Kronendächern der alten Bäume eine eindrucksvolle Naturräumlichkeit entfaltet.

Susanne Wolf, Landschaftsarchitektin aus Ansbach, hat die Birnbaum-Initiative miterfunden und auch Menschen wie Detlev Etteldorf inspiriert, sich intensiv mit den alten Bäumen der Gegend auseinanderzusetzen, von denen es mehr gibt, als man denkt.

Unter einem Birnbaum – ein Erlebnis für alle Sinne

Admiral

In den vergangenen drei Jahren haben die „Birnenfreunde“ mehr als 700 alte Birnbäume im Landkreis Ansbach gefunden, die mindestens zwei Meter Umfang haben. Wie alt sie sind, weiß niemand; jedenfalls mehr als 100 Jahre; und auch die Birnensorte kennt keiner mehr. Es dauert einen langen Moment, bis man sich einspürt, einsieht, einriecht unter dem Birnbaum, aber dann wird es wunderbar und der alte Birnbaum entfaltet selbst einen Kosmos voller Leben, besonders jetzt: Süß und gesättigt mit herbstlich würzigen Aromen ist die Luft unter dem Baum, der noch voller gelber und brauner Wildbirnen hängt. Der elegante Edelfalter Admiral mit seiner orangen und weißen Musterung gaukelt über das Fallobst, Hornissen schwirren herum, es summt in der Luft.

„Fränkische Birn in der Küchn“

Und diese Wege durch die mittelfränkische Hügellandschaft verlieren nie ihren Reiz, verspricht Detlev Etteldorf an seinem Birnbaum: Der schönste Zeitpunkt für ihn ist das Frühjahr, wenn der alte Birnbaum bei Hirschbronn quasi über Nacht mit weißen Blüten explodiert. So lehrt der Baum im Gang der Jahreszeiten die Achtsamkeit. Und wer genauer hinschaut und hinspürt, versteht mehr von dem, was unser Leben mit den Jahreszeiten ausmacht. Jetzt, zur Erntezeit, steht natürlich die Verarbeitung der Birnen an und die Lichtenauer Hauswirtschaftsmeisterin und Kochlehrerin Monika Haspel hat ein eigenes Kochbuch verfasst.

Kochbuch

Das Kochbuch von Monika Haspel: „Fränkische Birn in der Küchn“ gibt es im Buchhandel oder über das Birnbaum-Management im Landschaftspflegeverband Mittelfranken: info@lpv-mfr.de

 

Karte: Hirschbronn

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Hirschbronn


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