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Wandern im Zittauer Gebirge Unterwegs zwischen Sandstein und Soljanka

Das Zittauer Gebirge liegt in der Dreiländerregion Sachsen, Tschechien und Polen, ist eines der kleinsten deutschen Mittelgebirge, ein Naturpark und ein echtes Kleinod: Ausgewaschene Sandsteinfelsen im dichten Buchenwald bilden eine verwunschene Kulisse, in der man herrlich wandern und radeln kann.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 07.08.2020

Zittauer Gebirge: Berg Oybin mit Burg- und Klosterruine | Bild: BR/Ulrike Nikola

Ein idealer Ausgangsort ist der Oberlausitzer Kurort Oybin am gleichnamigen Felsmassiv, auf dem die Ruinen der Kaiserburg und des Klosters Oybin thronen. Diese Motive haben einst auch Caspar David Friedrich angezogen. Der berühmte Maler der Frühromantik hat die Sandsteinlandschaft in vielen seiner Gemälde verewigt.

Enge Felsengasse

Wir wandern durch die Ritterschlucht mit ihren Felswänden, die nur zwei Armlängen voneinander entfernt sind. Auf den glatt gewaschenen Felsen hält sich dennoch Moos. Die Bildhauerin Natur hat eine bizarre Felsengasse geschaffen, durch die wir hinaufsteigen zu der kuppelartigen Felsformation oberhalb von Oybin. Die enge Steinschlucht gehört zu dem wohl bekanntesten Sandsteinmassiv des Zittauer Gebirges. Der Berg Oybin wird auch Bienenkorb genannt, weil er von Weitem aussieht wie ein geflochtener Bienenkorb. Zurückzuführen ist das auf die Verwitterungs-Prozesse im Sandstein.

Sabine Friedrich vom Fremdenverkehrsbetrieb Oybin führt uns zu den Ruinen auf 514 Meter Höhe. Im 14. Jahrhundert hat Kaiser Karl IV. dort ein Amtshaus errichtet. Regelmäßig kam er für seine Regierungsgeschäfte hierher. Die ehemalige Burg mit überdachten Ausstellungsräumen, dem Amtshaus und Kaiserhaus sowie der Ruine der Klosterkirche kann man besichtigen. Einzigartig ist der Bergfriedhof von Oybin - vermutlich der einzige Friedhof Europas, der sich oben auf einem Berg befindet. Auf dem Friedhof liegt so mancher Ritter begraben, im Schatten der Felsen wachsen Vergissmeinnicht, dahinter ragen die übrig gebliebenen Außenwände der gotischen Klosterkirche auf.

Buntsandsteinfelsen

Die Ruine fügt sich mit ihren Sandsteinmauern harmonisch in die Landschaft ein. Ein wunderschöner Felsumgang, gesichert durch ein Geländer, führt außen um die Ruine und das Felsmassiv herum und bietet einen weiten Rundumblick über den Taleinschnitt bis nach Zittau auf der einen Seite und hinüber zum Gipfel des 749 Meter hohen Hochwalds auf der anderen Seite.

Nach dieser herrlichen Halbtagestour kann man mittags oben auf dem Felsmassiv im Biergarten der Burg einkehren oder unten im malerischen Kurort Oybin. Im ältesten Gebäude des Kurorts ist das Wirtshaus „Kleine Burg“ untergebracht. Von der Straße geht es drei Stufen hinab in ein spärlich beleuchtetes Kellergewölbe, das von Mönchen im 14. Jahrhundert aus dem Sandstein heraus gemeißelt wurde. Zwischen dunkelbraunen Tischen und Bänken serviert Oliver Schaffer frische Bratkartoffeln und Schnitzel aus der Pfanne - und natürlich Soljanka. Diese deftig-scharfe Suppe mit Paprika, Schinken, Salami und würziger Tomatensauce ist typisch ostdeutsch, obwohl sie eigentlich aus der Ukraine kommt.

Nach der Einkehr kann man noch weiterwandern, zum Beispiel von Oybin auf den 569 Meter hohen Scharfenstein, der gerne als „kleines Matterhorn des Zittauer Gebirges“ bezeichnet wird, und weiter über die Mönchskanzel zum pittoresken Kelchstein mit dem Kelchsteinwächter, einer Gruppe rot schimmernder Buntsandsteinfelsen. Schon entlang des Weges entdeckt man viele meterhohe Felsformationen, die wie Fabelwesen anmuten.

Karte: Oybin

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Karte: Oybin


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