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Der Stein-Wein-Pfad hoch über Würzburg Eine Weinbergwanderung durch fränkisches Kulturerbe

Wenn es trüb ist und kalt, werden die Wege draußen in der Landschaft kürzer und die Gelüste auf eine Einkehr größer. Beides lässt sich am Würzburger Stein verbinden, wo der Stein-Wein-Pfad in einer großen Schleife hoch über Würzburg in der jetzt schon winterschläfrigen Landschaft durch den berühmten Weinberg führt.

Von: Georg Bayerle

Stand: 14.12.2018

Der Stein-Wein-Pfad hoch über Würzburg | Bild: BR; Georg Bayerle

Schlendert man durch die fein säuberlich angeordneten Zeilen der Rebstöcke mit letzten fallenden Blättern an den Zweigen, dann meint man zu spüren, wie der Weinberg durchschnauft. Horst Kolesch, der Chef des Weinguts Juliusspital, dem hier ein Drittel der Weinberge gehört, strahlt selbst etwas von dieser besonderen Stimmung aus.

Steilhang zum Main

Es dauert nur gut 10 Minuten vom Würzburger Hauptbahnhof an den Fuß des Steins. Diese 10 Minuten sind allerdings alles andere als gemütlich, weil das Straßengewirr des Stadtrings gequert werden muss. Der Verkehrslärm bleibt einem leider auch erhalten – es ist die einzige Schattenseite der Wanderung über den hohlspiegelartigen Stein. Wie eine Laune der Natur hat der Main den sichelförmigen Berg aus dem Muschelkalk herausgefräst. Es ist einer der ältesten Weinbauplätze in Franken. Seit mindestens 1200 Jahren wird hier der Rebensaft erzeugt. So wird der Stein- Wein-Pfad zu einem Weg durch die Zeit und einer sinnlichen Annäherung an diesen speziellen Weinberg. Ludwig Knoll lebt auf seinem Weingut mittendrin und direkt am Start und Ziel des Rundwegs.

Letzte Trauben am Stock

Zwei Weinsteigen ziehen schräg den Berg hinauf, der mit bis zu 35 Grad durchaus ein alpines Niveau hat und auf dem die Arbeiter im Weinberg standfest sein müssen. Ludwig Knoll rät dazu, durchaus einmal vom Weg abzuzweigen, sofern es nicht zu regennass ist. Ansonsten aber führt der gut vier Kilometer lange Stein-Wein-Pfad bis hinaus zum Eckpunkt des Steins hoch über dem Main und dann oben an der Grenze zum Waldsaum auf dem Bergrücken zurück. Horst Kolesch überblickt von hier nicht nur die Pflanzungen des Juliusspitals, sondern die ganze Landschaft.

Amphorengärung wie in der Antike

An diesen trüben und kühlen Spätherbsttagen kann es schon sein, dass man quasi mutterseelenallein hier unterwegs ist. Ein paar vereinzelte Jogger will man auch nicht aus dem Rhythmus bringen, wenn sie mit dampfendem Atem die Rotkreuzsteige heraufkommen. Außer sonntags aber hat die Probierstube von Ludwig Knoll in dem mit eleganten Holzlamellen verkleideten Neubau des Weinguts am Stein geöffnet. Der Name „Würzburger Stein“ ist zugleich Bestandteil der Geologie. Flintige Noten reflektieren den skelettreichen Muschelkalk. Viel intensiver schmeckt der Wein, wenn durch die kleine Wanderung erst die würzigen und herb-fruchtigen Aromen des Bergs nach und nach bewusst wahrgenommen werden. Am Stein ist der Wein seit Jahrhunderten die Summe der Landschaft geblieben.

Karte: Der Stein-Wein-Pfad

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Karte: Der Stein-Wein-Pfad


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