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Auf der Sonnenseite von Lechleiten über Gehren nach Warth Winterwanderung auf Walserspuren

Auch wenn sich der Winter sehr mau gibt – die Arlbergregion ist ein Schneeloch. In Warth kommen nicht nur Skifahrer und Skitourengeher auf ihre Kosten, sondern auch Winterwanderer. Wo Tirol und Vorarlberg aneinandergrenzen und das obere Lechtal in den Hochtannberg übergeht, lässt es sich auf der Sonnenseite herrlich von Walsersiedlung zu Walsersiedlung wandern.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 22.02.2020

Auf der Sonnenseite von Lechleiten über Gehren nach Warth | Bild: BR; Andrea Zinnecker

Ausgangs- und Endpunkt ist zugleich der höchste Punkt der Wanderung: die kleine Wendelin-Kapelle in Lechleiten aus dem 16. Jahrhundert. Von hier auf gut 1500 Meter Höhe sieht man nicht nur auf das ehemalige Schulhaus, sondern auch viele Gipfel: im Norden der markante Biberkopf, im Osten Lechtaler Wetterspitze und Aplespleisspitze, im Süden Höllen- und Mittagsspitze sowie Warther Horn, Karhorn und Kriegerhorn. Die Bank vor der Kapelle ist ein schöner Platz zum Verweilen, auch für die Einheimischen, zumal hier jetzt schon von 8 bis 17 Uhr die Sonne scheint.

Hier beginnt die Winterwanderung auf Walser-Spuren

Von Lechleiten aus lassen sich auch Skitouren und Schneeschuhwanderungen unternehmen, zum Beispiel auf den 1909 Meter hohen Grüner am Übergang ins Rappenalptal oder auf den Schrofenpass hinauf – beides alte Schmugglerrouten. Wir aber haben heute weder Tourenski noch Schneeschuhe dabei und starten zu Fuß in Lechleiten. Vorbei am alten Holzgauer Haus, aus dem ein neues Hideaway entstanden ist, geht es auf Walserspuren nach Gehren. Beide Weiler liegen zwar auf Tiroler Landesgebiet, gehören aber postalisch, politisch und kirchlich zu Warth in Vorarlberg, das viel besser erreichbar war als Steeg im Lechtal. Trotzdem werden Walser-Tradition und Identität hochgehalten, sagt Gebhard Fritz aus Gehren.

Walserhaus mit 500 Jahre altem Kern

Aufgewachsen ist Gebhard Fritz auf dem Gehrner Hof, einem rund 500 Jahre alten Walserhaus in der typisch aufgestrickten Bauweise, wogegen geschindelte Häuser für den Bregenzerwald charakteristisch sind. Der gesamte Tannberg wurde ab dem 12. Jahrhundert von den Walsern besiedelt. Auf den Tannberg bzw. nach Gehren hergezogen ist auch Lisbeth Fritz, Gebhards Schwägerin, 1974 mit 22 Jahren, aus Klagenfurt. Sie erinnert sich nicht gut an ihren ersten Winter in Gehren, als es vom 6. September bis Weihnachten fast durchgehend geschneit hat, die Bauern das Heu nicht mehr einbringen konnten und die Heinzen auf den steilen Wiesen von Lawinen in die Tobel bis zum Bachgrund mitgerissen wurden.

Lisbeth Fritz führt den Gehrener Hof

Walser und Kärntner Mentalität können nicht gegensätzlicher sein, sagt Lisbeth, doch Gegensätze ziehen sich bekanntlich an und wenn die Walser auch so schroff und wortkarg sind wie die Berge ringsum, sind sie doch sehr herzlich und fleißig. Als Diplomküchen- und Landwirtschaftsmeisterin kümmert sich Lisbeth Fritz auf dem Gehrner Hof um die Urlaubsgäste. Der Speck wird selbst gemacht, und zwar nach Bündner, also Walser-Art im 500 Jahre alten Steinkeller luftgetrocknet und nicht geräuchert. Auch sonst lässt sich Lisbeth gerne von der traditionellen Walserküche inspirieren. Da gibt es schon mal Polsterzipf, eine Art süße Nudel, und den „Hafalaib“, der aber nichts mit Hafer oder Hefe zu tun hat, sondern vom „Hafen“, als vom Topf herrührt. Ein fester Nudelteig aus Maisgrieß mit Rosinen wird in einer Gerstensuppe mit dem Speck mitgekocht und dann als Einlage aufgeschnitten. Den „Hafalaib“ kennt auch Gebhard Fritz noch gut aus seiner Kindheit am Gehrner Hof. Zum Frühstück gab es damals einen Riebel oder eine Milchsuppe und Fleisch nur am Sonntag. Besonders gefreut haben sich die Kinder auf die harte Winterarbeit des Heuziehens, denn da wurde von den Frauen daheim gut aufgekocht und nach einer kräftigen Suppe gab es immer eine süße Mehlspeise.

Auf der gut markierten Wanderung von Lechleiten über Gehren nach Warth und zurück geht es immer wieder über viele kleine Bäche und durch Tobel - und da heißt es durchaus Aufpassen und nicht irgendwo ins Gelände hinein stapfen. Auch kleine Schneerutsche können in Tobeln gefährlich werden. Also besser auf dem Weg bleiben und die herrliche Aussicht bis hinüber ins Gebiet von Lech am Arlberg genießen.

Karte: Lechleiten

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Lechleiten


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