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Alte Walsersiedlungen bei Leukerbad Säumerpfade, Roggenbrot und Cholera im Wallis

Der normale Alltag hat unter den schwierigen Bedingungen in den Bergen oft besondere lebenspraktische Erfindungen und Tätigkeiten ausgeprägt, auch wenn heute viel davon verlorengegangen ist. Doch in den Walserdörfern rund um Leukerbad im Wallis halten die Dorfbewohner ganz bewusst die Erinnerung an althergebrachte Dinge lebendig, denn sie lehren, wie die Vorfahren auch unter harten Bedingungen und mit Wenig gelebt haben.

Von: Georg Bayerle

Stand: 21.11.2019

Leukerbad: Altes Walserhaus | Bild: BR/Georg Bayerle

Die Dörfer liegen auf rund 1200 Meter Höhe an den Südhängen über der Rhone und unter den gut 3500 Meter hohen Berggipfeln.

Roggenbrot

Walliser Bergschafe grasen auf den Wiesen über Erschmatt. Dorfschullehrer Edmund Steiner stammt aus einer Generation, als jede Familie noch ihre Kuh, ihr Schwein und ihre Schafe hatte – alles unter einem Dach. Stall und Scheune, Wohnstube und Küche sind erbaut aus knorrigen und sonnenverbrannten Lärchen-Balken. Die Großeltern waren noch Selbstversorger. In der trockenen Bergluft stellten sie das berühmte Walliser Trockenfleisch her. Angebaut wurde, was haltbar war: Kartoffeln, Karotten – die „Riabli“- Bohnen und Roggen fürs Brot. Im alten Ambiente führen aktive Dorfbewohner zusammen mit Edmund Steiner inzwischen im Mai und November wieder Backtage durch, bei denen aus dem trockenen und spröden Teig das harte Brot der Vorfahren geknetet wird, bis Finger und Unterarme mehr schmerzen als beim Klettern.

Alte Säumerpfade verbinden diese Walserdörfer bei Leukerbad. Der gefährlichste Abschnitt befand sich zwischen Leukerbad und dem Weiler Albinen, wo einige Felsstufen auch heute noch nur über Leitern überwunden werden können – über die so genannten Albinenleitern. Angekommen in Albinen lockt gleich ein weithin bekanntes Gasthaus zur Einkehr: die „Godswärgijstubu“.

Das Gastzimmer in der Godswärgistuba

Das Haus stammt aus dem Jahr 1636, war eine baufällige Ruine und wurde wieder umfassend restauriert. Hannelore Bumann hat das nahezu 400 Jahre alte Gebälk in den Originalzustand versetzt. So schließt sich der Kreis der Generationen. Aber das harte Leben von früher ist noch spürbar 16 Kinder hatte die letzte Familie, die hier gewohnt hat.

Hannelore Bumann backt Aprikosenkuchen und "Cholera".

Hannelore Bumann verarbeitet fast nur Produkte, die aus dem eigenen Garten stammen, auch eingemachte Walliser Aprikosen und Kräuter, die sie auf ihren Kräuter-Exkursionen mit Gästen einsammelt. Dazu gibt Spezialitäten, die ebenfalls aus einer anderen Zeit stammen, wie etwa „Cholera“. Ganz genau geklärt ist die Herkunft dieses schmackhaften Gemüsekuchens nicht. In den Zeiten der „Cholera“ jedenfalls war jeder Haushalt wegen der Ansteckungsgefahr ganz auf sich gestellt und musste sich aus dem versorgen, was an Resten da war. Heute ist das Gebäck mit dem Gemüse aus dem eigenen Garten eine Spezialität der regionalen Landküche und nur der Name erinnert noch daran, wie schwierig einst das Überleben in diesen Walserdörfern mit den knappen Ressourcen am Berg war und wie das Leben trotzdem gut gelingen konnte.

Karte: Leukerbad

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Karte: Leukerbad


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