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Nostalgische Wanderung mit musikalischer Spurensuche bei Bernried Wie klingt der Starnberger See

Der Starnberger See ist ein beliebtes Ausflugsziel – und das schon lange. Viele reisten zur Sommerfrische an den See. Unter den Gästen waren neben Literaten, Malern und Bildhauern auch viele Musiker.

Von: Andreas Pehl

Stand: 06.03.2021

Nostalgische Wanderung mit musikalischer Spurensuche bei Bernried | Bild: BR; Andreas Pehl

Bei schönem Wetter hat man die Bergkulisse fast wie eine Theaterkulisse am Ende des Sees vor sich.

Im alten Schulhaus in Bernried war Franz Lachner auf Sommerfrische

Sicher hat auch das die Künstler sehr beeindruckt, meint Christian Lehmann. Der Sänger, Musikwissenschaftler und Autor hat das Buch „Blauer Himmel, Blaue Wogen“ geschrieben, in dem er das Wirken von Musikern und Komponisten rund um den Starnberger See quer durch die Jahrhunderte präsentiert. Dabei schlägt er auch einen Radausflug zu musikalischen Orten vor. Doch auch zu Fuß kann man sich auf musikalische Spurensuch begeben, zum Beispiel im Bernrieder Park direkt am Seeufer. Uralte Eichen und Buchen stehen auf dem Gebiet, das einst zum Kloster Bernried gehörte. Gut mit der Bahn erreichbar und nur wenige Minuten vom Bahnhof Bernried entfernt liegt dieses Landschaftsschutzgebiet und Gartendenkmal. Hier kann man mit See- und Bergpanorama die Seele baumeln lassen.

Eingemauert im Portal der Seekapelle an der Klostermauer.

Wie einst Franz Lachner wandern wir am Seeufer und unter Baumriesen. Viele Musikerkollegen haben Lachner, der für seine Orchestersuiten berühmt war, hier besucht, unter anderem Brahms, der sich dann später für die Sommerfrische in Tutzing entschied. Lachner, zu Lebzeiten sehr bekannt, ist heute fast vergessen – nicht aber sein Schüler Engelbert Humperdinck, dessen Oper „Hänsel und Gretel“ für viele der Einstieg in die Welt der Oper ist. Humperdinck kam zu Lachner nach Bernried, um Kompositionsunterricht zu nehmen – am Seeufer, unter den Bäumen im Park.

Ein Kanon von Mozart

Lachner hat Humperdinck übrigens auf einen möglichen Besuch Mozarts in Bernried hingewiesen. Mozart am Starnberger See? Möglich ist es. Mitten in der Klostermauer am Ufer steht eine kleine Kapelle. Über dem Bogen ist eine kleine Marmortafel aus dem Jahr 1815 eingelassen, in die ein Ave Maria von Mozart eingraviert ist. Vielleicht ist er mit einem Opernsänger aus München hier herausgefahren, als er mit den Proben für Idomeneo am Hoftheater beschäftigt war? Hat er bei den Mönchen Bier und Orgel probiert und ihnen als Dankeschön einen Kanon komponiert, der dann nach der Auflösung des Klosters in der Säkularisation in Marmor geritzt und über dem Portal der Seekappelle in der Umfassungsmauer des Klosters angebracht wurde? Wer weiß! Wirklich nachweisen lässt sich das nicht, aber schön ist die Idee trotzdem, dass hier im Bernrieder Park mit seinen viele hundert Jahre alten Bäumen außer Humperdinck, Brahms und Lachner auch schon Mozart unterwegs war und wie wir den blauen Himmel, die Wellen und das Bergpanorama genossen hat.

Wer selbst auf den Spuren von Komponisten um den See unterwegs sein möchte, der findet weitere Details im Buch „Blauer Himmel, Blaue Wogen – Musikgeschichte am Starnberger See“ von Christian Lehmann, das im Apelles Verlag erschienen ist.

Buchtipp

Blauer Himmel – Blaue Wogen
Musikgeschichte am Starnberger See
Autor: Christian Lehmann - Apelles Verlag ISBN 978-3-946375-09-8 Preis: 12,80€


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