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Wandern im Hafenlohrtal im Spessart Wasserbüffel-Flüsterer, Tucholsky und biologische Vielfalt

Die Schönheit des Hafenlohrtales im Spessart hat schon Kurt Tucholsky beschrieben. Noch heute ist die Wanderung entlang der Hafenlohr sehr empfehlenswert. Im Sommer führt der Weg entlang des mäandernden Flusses durch schattigen Eichen- und Buchenwald, der im Herbst ein wunderbares Farbenspiel bietet.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 10.07.2020

Wasserbüffel im Hafenlohrtal | Bild: BR/Ulrike Nikola

Viel Freude machen den Wanderern auch die Wasserbüffel, denn die Tiere werden hier als “ökologische Rasenmäher eingesetzt. Das Projekt wurde bereits mit einem Umweltpreis ausgezeichnet. All das lässt sich auf eine Wanderung von der Quelle bis zur Mündung der Hafenlohr entdecken.

Die Hafenlohr entspringt im Burggraben des Schlosses in Rothenbuch. Von hier macht sich das Rinnsal auf den Weg durch das ursprünglichste Tal des Spessarts. In der Auenlandschaft wachsen Sumpfkratzdisteln und Vergissmeinnicht, umrahmt von dichtem Buchen- und Eichenwald. Schachbrett-Schmetterlinge und Blauflügel-Pracht-Libellen tanzen am Bach.

Eine alte Mühle zeugt noch von der früheren Nutzung der Hafenlohr, alte Steine und aufgelassene Wehre erzählen von der Bewässerung der Wiesen und Felder. Mittlerweile darf sich die Hafenlohr ihren Weg an vielen Stellen wieder selber suchen. Die Flusslandschaft ist wieder in Bewegung geraten, man findet Altholz und Auflandungen. Im Wasser liegen Baumstämme, unter denen Fische einen Unterschlupf finden. Die Wanderung führt meist angenehm durch den Schatten von Buchen und Eichen und kreuzt hin und wieder den Fluss – zum Beispiel im Naturschutzgebiet im oberen Hafenlohrtal. Auf einem Bohlenpfad geht es über den Sumpf.

Die märchenhafte Idylle des Hafenlohrtals berührte schon den Schriftseller Kurt Tucholsky, der notierte:

"Dies ist eine alte Landschaft, die gibt es gar nicht mehr, hier ist die Zeit stehen geblieben. Wenn Landschaft Musik macht, dies ist ein deutsches Streichquartett. Wie die hohen Bäume rauschen, ein tiefer Klang, so ernst sehen die Wege aus."

  Kurt Tucholsky

Unterwegs im Hafenlohrtal

Auf seinem Weg durch das Hafenlohrtal kehrte Kurt Tucholsky im Gasthaus im Hochspessart in Lichtenau ein. In der Gaststube hängen Fotos von damals, in einer Ecke steht der Kurt-Tucholsky-Tisch. 1927 war der Schriftsteller mit seinen Freunden auf Wanderschaft im Hafenlohrtal und hat hier intensiv „geschöppelt“. Zum Schluss hat die Herrenrunde dann festgestellt, dass der Wein vom Korken her „möpselt“. In einer Schublade bewahrt Wirtin Caroline Bayer das Gästebuch auf – mit vielen Einträgen und Erinnerungen vergangener Jahre. Auch der Grünen-Politiker Joschka Fischer war schon hier und hat die Einheimischen erfolgreich beim Protest gegen den Bau eines Stausees unterstützt.

"Wasserbüffel-Flüsterer" Reinhold Tausch

Vom Gasthaus geht die Wanderung an Fischteichen vorbei weiter bis zum Löwenstein´schen Waldpark. Reinhold Tausch ist Schäfer und lässt seine Ziegen, Schafe, Galloway-Rinder und Wasserbüffel im Hafenlohrtal weiden. Wasserbüffel!? Ja, richtig! Oberhalb von Windheim, am Talende, werden die neunzehn Tiere als ökologische Rasenmäher eingesetzt. Die Wasserbüffel halten das Gras kurz, denn mit Maschinen lässt sich das feuchte Gelände nur schwer bewirtschaften.

Die Wasserbüffel tun sich auch an Schilfpflanzen, Brombeerstauden und Sträuchern gütlich, die ebenfalls beweidet werden sollen, damit das Tal lichtdurchflutet bleibt. Seit 2018 gilt die Haltung der Wasserbüffel auch als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt. Trotz der Trockenheit finden die Wasserbüffel noch genügend Tümpel, um sich zu erfrischen. Schließlich haben sie keine Schweißdrüsen und können nicht schwitzen.

Schäfer Reinhold Tausch wird auch der „Büffel-Flüsterer“ genannt. Fasziniert bleiben die Wanderer stehen, wenn er seine Tiere ruft: “Buffalo, Buffalo ...“. Die Wasserbüffel geben umgehend Antwort. Als erstes rückt dann die Leitkuh an, hinter ihr folgen aufgereiht wie auf einer Perlenkette die anderen Tiere.

Es gibt also viel zu sehen und zu erleben auf der Wanderung von der Quelle der Hafenlohr in Rothenbuch bis zur Mündung in den Main – mit rund 24 Kilometer Länge ein wunderbarer Tagesausflug.

Karte: Hafenlohrtal im Spessart

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Karte: Hafenlohrtal im Spessart


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