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Malerwege rund um Sindelsdorf Wandern auf Künstler-Spuren im Blauen Land

Das „Blaue Land“ zwischen Kochel und Murnau hat zu jeder Jahreszeit seinen besonderen Reiz und besondere Färbungen. Den Namen „Blaues Land“ bekam die Gegend durch den „Blauen Reiter“, dem in Sindelsdorf ein Malerweg gewidmet ist.

Von: Georg Bayerle

Stand: 19.01.2023

Sindelsdorf: Aufstieg über das grüne Land | Bild: BR/Georg Bayerle

Die Gartenlaube, in der sich die Künstler des Blauen Reiters um das Ehepaar Marc zum Kaffee trafen, steht noch in Sindelsdorf. Der kleine Platz ist nur ein paar Schritte vom Garten des ehemaligen Wohnhauses entfernt, deren heutigen Besitzern die Franz-Marc-Wallfahrenden offenbar zu viel geworden sind. Das einstige Wohnhaus schaut heute etwas anders aus, aber hier sind in den Jahren 1909 bis 1914 die berühmtesten Bilder der blauen Pferde und der Landschaften entstanden.

Heuhocken ohne Schnee

Eine der bedeutendsten Künstlergruppen der modernen Malerei hatte sich in Murnau und Sindelsdorf niedergelassen, darunter Franz Marc, Wasili Kandinsky und Gabriele Münter. Der Malerweg führt einmal quer durch das heute noch sehr typisch gewachsene Sindelsdorf bis zum Ortsrand im Süden. Drei „Strahdrischen“, wie die Heuhaufen im Sindelsdorfer Dialekt heißen, sind hier besonders malerisch aufgebaut. Sie bilden die Szenerie nach, die Franz Marc im Bild der Heuhocken abgebildet hat. Hier also ist diese großartige Idee des „Blauen Reiters“ aufgeblüht, hier wurden die farbintensiven Stimmungen der Landschaft zwischen Kocheler Moor, Loisachtal, hohen Bergen und dem Himmel noch einmal expressiv übersteigert.

Zu den regelmäßigen Besucherinnen im Bauerndorf gehörte auch die Berliner Dichterin und Malerin Else Lasker-Schüler, eine exaltierte Künstlerin der großstädtischen Bohème im Bauerndorf. Die Szenerie am Malerweg aber ist so einprägsam, dass das, was Else Lasker-Schüler dem im Ersten Weltkrieg bei Verdun gestorbenen Franz Marc nachrief, spürbar wird: „Über die Landschaft warf er einen blauen Schatten. Er war der, welcher die Tiere noch reden hörte; und er verklärte ihre unverstandenen Seelen“.

Franz-Marc-Pferdl

Von Else Lasker-Schüler oder Franz Marc finden wir nichts in der ausrangierten Seilbahngondel, die in Sindelsdorf als Büchertauschbörse eine sinnige Verwendung gefunden hat. Sie steht vor dem Bierbichler-Haus, in dem einst Heinrich Campendonk gewohnt hat. Fünf Kilometer sind es von hier durch die Loisachebene hinauf zum Hofcafé am Stern, bekannt für üppige Tortenstücke und den Reiterhof. Und da stehen sie dann, die Pferde - nicht blau, aber mit eleganten Rundungen und markanten Köpfen. Von hier aus erfolgen die Ausritte hinunter ins Blaue Land.

Vom Stern aus zieht sich der Wanderweg über den langgestreckten Hügel des Königsbergs. Es war der alte Fußweg nach Murnau, auf dem die Künstler damals gewandert sind, wenn sie sich an ihren Wohnsitzen besucht haben. Immer gehen wir wie auf einem Balkon: Benediktenwand, Karwendel, Zugspitze, Hörnle. Das Blaue Land wird eingerahmt von den Bergen mit Farb- und Wolkenspielen am weiten Himmel, und es wird klar, was die Künstlergruppe damals hier gefunden hat.

Mit dem ÖPNV:

Eine tagesfüllende Unternehmung ist es, den Streifzug durchs Blaue Land in Penzberg zu beginnen und über Sindelsdorf und den Königsberg nach Murnau zu wandern oder umgekehrt. Die Streckenlänge beträgt rund 20 Kilometer. Wer beispielsweise in Murnau übernachtet, kann die Tour noch mit einem Museumsbesuch im Schlossmuseum oder im Münter-Haus abrunden.


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