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Wanderschleife rund um die Schlossmühle Liebenthann Teuflisch schöne Plätze an der Günz

Der Name „Günz“ kommt aus dem Indogermanischen und bedeutet „wasserreicher Fluss“. So wundert es nicht, dass die Östliche und Westliche Günz das längste Bachsystem Bayerns bilden und nach rund 55 Kilometern bei Günzburg in die Donau münden. Das Tal der Östlichen Günz ist für Naturfreunde nach wie vor ein Geheimtipp, denn zwischen Obergünzburg und Ronsberg lässt es sich herrlich radeln und wandern, nicht nur auf dem Günztalradweg direkt an der Günz entlang, sondern auch auf den eiszeitlich geformten Höhenrücken links und rechts.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 25.09.2020

Eine Wanderschleife rund um die Schlossmühle Liebenthann | Bild: BR; Andrea Zinnecker

Eine Wanderschleife führt zu magischen und malerischen Orten: in die Teufelsküche und zur Schlossmühle Liebenthann.

Das Wasserrad

„Es klappert die Mühle am rauschenden Bach …“ - an der Schlossmühle Liebenthann aber gluckst und mäandert die Günz eher leise vor sich hin, begleitet vom Zirpen unzähliger Grillen in der vielfältigen Wiesenlandschaft, einem artenreichen Mosaik aus extensiv und intensiv genutzten Wiesen, Streu- und Feuchtwiesen. Auch der Biber fühlt sich wohl am Oberlauf der Günz, die er zum Schwimmen nutzt und daher nur die Seitenbäche aufstaut.

Das frühere Wirtschaftsgebäude

1245 wird erstmals eine „Burg Liebenthann“ erwähnt. Auf einem bewaldeten Hügel hinter der heutigen Schlossmühle finden sich die Reste des Burgstalls. 1698 wurde dann die Schlossmühle Liebenthann auf Betreiben der Kemptner Fürstäbte erbaut, nachdem zuvor schon eine Säge errichtet worden war. 2004 hat Steffen Haid aus Pfullingen sein Unternehmen für Industrie-Elektronik verkauft und das barocke, aber herabgekommene Gebäude-Ensemble erworben und jahrelang restauriert. Entstanden ist ein Kleinod,das 2011 den Denkmalpresi des Bezirks Schwaben erhalten hat und Wanderern wie Radlern eine lauschige Einkehrmöglichkeit bietet. Die Küche ist regional und saisonal geprägt, alles wird frisch zubereitet, Salat und Kräuter kommen aus dem eigenen Hochbeet an der Mühle, auch die verführerischen Kuchen und Torten sind hausgemacht. Die eigentliche Spezialität aber sind die Schweizer Rösti mit Ei - möglicherweise ein Zugeständnis an Theissen, den Haus- und Hofhund mit Schweizer Pass, auch wenn sich die gutmütige Bulldogge vergeblich die Schnauze nach den knusprigen Rösti leckt.

Blick auf Liebenthann

Um sich Rösti, Rüblikuchen & Co. auch zu verdienen, geht es von Obergünzburg linksseitig der Günz auf dem so genannten „Dillinger Weg“ nach Liebenthann. Der nach einem Forstmann benannte Pfad führt auf halber Höhe mitten durch die prächtigen Mischbestände der so genannten „Günzhangwälder“ mit Berg- und Spitzahorn, Eschen, Buchen, Weiß- und Rottannen. Ein Teil des Waldes wird nicht mehr bewirtschaftet und sich selbst überlassen, so dass hier ein kleines Urwald-Areal entstanden ist.

Felsspalten zum Durchschlüpfen

Wer vom Dillinger Weg nicht gleich zur Schlossmühle Liebenthann hinabsteigen will, der wandert vorbei am Burgstall Liebenthann und über den Höhenrücken weiter nach Ronsberg, wechselt auf die andere Seite des Günztals und kommt dann in die Teufelsküche, in einen magisch schönen Ort mitten im Wald versteckt. Haushohe bewachsene Nagelfluhblöcke, Felsspalten und Schlupflöcher bilden einen Abenteuerspielplatz und eine Art grüne Hölle. Vielen gilt die Teufelsküche oberhalb der Günz zwischen Ronsberg und Liebenthann auch als sagenumwobener Kraftort. Der Legende nach soll hier einst eine Familie gelebt und die Frau einen giftigen Brei aus blauen Beeren, darunter Tollkirschen, gekocht haben, der dann zum Tod der Familie geführt hat. Trotz dieser traurigen Sage ist die Teufelsküche kein trister Ort, vor allem, wenn im Herbst am späten Nachmittag das Sonnenlicht durch die Bäume einfällt und für goldenen Glanz sorgt.

Sagenumwoben

Auch rund um die Schlossmühle Liebenthann gibt es den „Indian Summer“ im Günztal. Auch der Nebel, der frühmorgens und am Abend aus den Wiesen aufsteigt, verleiht der sanften Landschaft einen ganz eigenen Herbstzauber. So wundert es nicht, dass die Schwestern aus dem Kaufbeurer Crescentiakloster das Tal der Östlichen Günz mit der Teufelsküche und Schlossmühle Liebenthann als Ziel für ihren Herbstausflug gewählt haben – hegen die wanderfreudigen Klosterfrauen doch eine durchaus himmlische Begeisterung für teuflisch schöne Plätze.

Das Günztal im Abendlicht

Bester Ausgangspunkt ist der Parkplatz am Heimatmuseum in Obergünzburg. Von dort folgt man dem Schild zum Günztalradweg und dann dem Dillinger Weg. Die Schlossmühle Liebenthann ist noch bis Ende Oktober geöffnet, und zwar am Freitag und Samstag von 11 bis 18.30 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 18.30 Uhr.

Karte: Schlossmühle Liebenthann

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Karte: Schlossmühle Liebenthann


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