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Wandern im Schnalstal Gipfel und Almen zwischen Ötzi, Schafen und Ziegen

Das Schnalstal ist bekannt für den traditionellen Schafübertrieb über den Hauptkamm der Ötztaler Alpen. Der Fund von Ötzi hat das Tal international bekannt gemacht. Als Wanderziel war das Schnalstal immer schon gefragt. Doch es gibt auch ruhigere Ecken wie zum Beispiel die Kreuzspitze.

Von: Manfred Wöll

Stand: 16.08.2019

Wandern im Schnalstal: Steinpyramide am Geigerkofel (2408m) | Bild: BR/Manfred Wöll

In den vergangenen zehn Jahren hat die Filmindustrie das Südtiroler Schnalstal als geeigneten Schauplatz für Heimat- oder Bergfilme entdeckt. Gedreht wurde zum Beispiel der vielfach prämierte Spielfilm „Das finstere Tal“, in dem die alten Bergbauernhöfe eine prächtige Kulisse abgaben. In der Gletscherwelt oberhalb von 3000 Metern Höhe entstanden Szenen für die Bergfilme „Everest“ oder „Manaslu“. Dass zudem unser Kollege Manfred Wöll, der viele Alpengegenden kennt, jedes Jahr eine Woche im Schnalstal verbringt, ist ein weiteres Indiz dafür, dass es sich lohnen muss, die etwas weitere Anfahrt in Kauf zu nehmen. Das Schnalstal ist eine halbe Autostunde von Meran entfernt und zieht sich bei Naturns gut 20 Kilometer Richtung Nordwesten in die Ötztaler Alpen hinein.

Ötzi stieg von Schnalstal auf

Vernagt-Stausee

In der Mitte des Schnalstals funkelt ein See, der Vernagt-Stausee. Sieben Bauernhöfe mussten in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts weichen, um der Wasserversorgung Platz zu machen. Heute schaut – je nach Wasserstand - noch eine Kirchturmspitze aus dem See. Das sieht zwar bei weitem nicht so imposant aus wie der Kirchturm, der am Reschensee aus dem Wasser ragt, aber immerhin erinnert die Spitze an das Schicksal der Bewohner, die damals unter Zwang „umquartiert“ wurden.

Mit dem Schnalstal verbindet man den traditionellen Schafübertieb über den Hauptkamm der Ötztaler Alpen und natürlich den spektakulären Fund der Gletscherleiche im Jahr 1991. 5300 Jahre lag Ötzi auf etwa 3000 Meter Höhe, bis das Eis den Toten freigab. Den letzten Aufstieg seines Lebens hatte der Mann vom Schnalstal aus unternommen, das weiß man heute. Und noch viel mehr: Wie der Mann gelebt haben muss, das kann man im Freilichtmuseum archeoparc im Ort „Unser Fru“ sehen. Ötzi muss heute für vieles herhalten. So gibt es auch den Ötzi-Alpin-Marathon. Der findet stets im April statt. Die Teilnehmer müssen Mountainbiken, Laufen und am Schluss mit Tourenski insgesamt 3300 Höhenmeter überwinden.

Es geht auch gemächlicher. Denn vom Schnalstal aus lässt sich prima wandern – auf nette Almen, die in ein bis eineinhalb Stunden erreicht sind, oder auf höhere Gipfel, die knapp unter oder knapp über 3000 Meter liegen. Und dann gibt es noch einen anspruchsvollen Klettersteig am Eingang zum Schnalstal sowie oberhalb des Vernagt-Stausees einen Hochseilgarten.

Von Kurzras zur Berglalm

Das beliebteste Wanderziel im Schnalstal dürfte wohl die gut eineinhalbstündige leichte Tour durchs Pfossental sein in Richtung Eishof. An diesem geschichtsträchtigen Ziel auf 2076 Metern Höhe, das schon im 19. Jahrhundert als Bergsteiger-Stützpunkt gedient hatte, hört man aus den Lautsprecherboxen schon mal die Doors oder die Rolling Stones.

Finailhof

Ruhiger ist es auf der anderen Seite des Schnalstals, wenn man zum Beispiel zur Klosteralm geht und von dort weiter zum Saxalbsee oder zur Kreuzspitze. Sehr empfehlenswert sind auch die Anstiege zur Penaudalm oder zur Mastaunalm. Es bieten sich Rundwege an, in deren Verlauf man auch höhere Ziele erreichen kann. Der Weg von den Kofelhöfen oder von Kurzras aus zur Berglalm ins idyllische Lagauntal ist ein besonderer Wander-Leckerbissen.

Schmaler Wanderweg und steile Wiesen

Und selbst wer weiter unten bleiben möchte, kann auf seine Kosten kommen. Tipp: Der Rundweg um den See ab dem Archeopark im Ort „Unser Frau“. Zunächst am Südufer des Vernagt-Stausees entlang, später am Hochseilgarten vorbei und auf der anderen Seite hinauf zum Finailhof mit seiner ausgezeichneten Küche und dann wieder über den Tisenhof hinunter zum Ausgangspunkt. Ein kurzweiliger und abwechslungsreicher Rundweg. Ein Mindestmaß an Schwindelfreiheit sollte vorhanden sein, weil man nach dem Finailhof auf schmalem Wanderweg sehr steile Wiesen quert.

Wie sagte eine Wanderin ganz begeistert: „Meine italienischen Freunde haben mir das Schnalstal empfohlen. Und ich bin so glücklich, diesem Ratschlag gefolgt zu sein. Es ist wunderschön hier und ich komme wieder.“

Karte: Schnalstal

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Karte: Schnalstal


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