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Ziegen, Zypressen und Zeus in der grünen Inselmitte Wandern auf Rhodos

Im März ist das ja immer die Gretchenfrage: Soll man traurig sein, weil der Winter zu Ende geht und damit das Skitourengehen, das Langlaufen, das Winterwandern, das Skifahren, oder soll man glücklich sein, weil der Frühling vor der Tür steht? Wer sich auf die warme Jahreszeit freut, der ist auf griechischen Inseln gut aufgehoben, zum Beispiel auf dem so genannten Dodekanés.

Von: Bernd-Uwe Gutknecht

Stand: 23.03.2019

Ziegen, Zypressen und Zeus in der grünen Inselmitte | Bild: BR; Bernd-Uwe Gutknecht

Dodekanés heißt übersetzt „12 Inseln“, obwohl es rund 160 Inseln sind, aber nur 12 Inseln gelten als Hauptinseln, darunter so bekannte wie Rhodos, Kos, Karpathos und Kalymnos, aber auch eher unbekannte wie Symi und Nisyros. Das Frühjahr ist die schönste und ruhigste Zeit auf den Inseln des Dodekanés.

Typisch griechisch sind Meze-Snacks, zu denen man auf Rhodos ein Gläschen Souma-Schnaps trinkt

Rhodos ist die viertgrößte griechische Insel, bei Badeurlaubern sehr beliebt, bei Wanderern noch nicht so bekannt, obwohl im grünen Inselinneren ein richtiges Wanderparadies liegt. Im Bergdorf Appolona packt Wirt Christos in seiner Taverne zahlreiche Schalen und Teller auf die weiß-blau-karierte Tischdecke. Souma, ein grappa-ähnlicher Schnaps aus Weintrauben, steht immer auf dem Tisch, denn Souma gehört zu den Mezes, den typischen Kleinigkeiten: gefüllte Weinblätter, gebackener Schafskäse, Oliven, Auberginen, Artischocken, Fischpaste, Tsatsiki und frisches Fladenbrot. Cali orexi - guten Appetit! Das Wandern auf Rhodos geht immer auch durch den Magen.

Früher weit verbreitet, heute selten: der eigene Backofen hinter dem Haus

Ein ausgelassenes Lachen ist zu vernehmen. Es gehört zu einer weißhaarigen Frau um die 80, die in ihrem Garten steht und Teigkugeln in ihren Holzofen schiebt. Den Teig aus Mehl, Wasser, Salz und Olivenöl wurde am Vorabend zubereitet, über Nacht hat er zugedeckt geruht. Den Ofen wischt die Bäckerin mit Holzzweigen aus, dann kommen die Teigkugeln für eine halbe Stunde hinein.  Schon mit sieben Jahren hat die Frau ihr erstes Brot gebacken. Ihr wurde es von der Großmutter beigebracht, nun ist sie es, die das Wissen an ihre sieben Enkel weitergibt. Wir bekommen von der fröhlichen Hobby-Bäckerin einen großen Brotlaib als Wegzehrung mit auf die Wanderung.

Am Gipfel des Attavyros befinden sich Überreste eines Steintempels

Ausgangspunkt für die Wanderung auf den höchsten Berg von Rhodos ist das Dorf Agios Isidoros. Auch mein Wanderbegleiter heißt Christos. Als Treffpunkt hat mir der 62-Jährige „unter der Dorf-Platane“ genannt. Sein ganzes Leben hat Christos im Dorf verbracht, als Bauer, Imker und Ziegenhirte. Alle hier im Dorf sind Wanderer, sagt er, weil sie immer ihre Ziegen in die Berge zu den Kräutern bringen, und genau auf so einem Hirtenweg steigen wir jetzt bergauf. Der Weg führt zunächst an typischer Ägäis-Vegetation vorbei: Zypressen, Pinien, Pistazienbäume und viele Granatapfelbäume. Dann wird die Landschaft immer karger, am 1216 Meter hohen Gipfel des Attavyros gibt es nur noch Stein-und Felsbrocken – und eine Ruine. Früher stand hier eine kleine Kapelle, die wiederum auf der Ruine eines antiken Tempels gebaut worden war. Der Tempel war dem Göttervater Zeus geweiht. Nach einem kurzen Gipfel-Picknick mit Tzatziki und natürlich einem Glas Souma geht es wieder zurück ins Dorf. In einem Kafénion sitzt Antonis Fiolas und spielt auf seiner Bouzouki, einer Art griechischer Gitarre. 

Der Blick vom Berg Profitia Ilias reicht bis auf die Nachbarinseln wie Kos

Egal, ob man oben auf dem Gipfel sitzt und auf das Meer hinabblickt oder ob man in der Taverne sitzt und dem passionierten Musiker zuschaut - hier in der Bergwelt von Rhodos ist klar, warum Griechenland die Heimat der Philosophen ist. In einer Umgebung mit Bergen, Steinen, Wäldern und wenigen Menschen kann man schon melancholisch werden, und die Melancholie befördert die Philosophie, meint Antonis.

Zur griechischen Inselwelt des Dodekanés gehören neben Rhodos auch die weniger bekannten Inseln Symi und Nisyros – zwei echte Geheimtipps für Inselwanderer und Naturgenießer.

Karte: Das Dorf Agios Isidoros

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Karte: Das Dorf Agios Isidoros


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