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Pilgerwanderung zu einer verwegenen Kirche im Fels Die „Madonna della Corona“ im Etschtal

Zwischen dem Gardasee und dem Etschtal erhebt sich auf 30 Kilometer Länge das Monte-Baldo-Massiv. Nach Osten zum Etschtal hin stürzt es mit steilen Felswänden und tiefen Schluchten ab. Wer auf der Brenner-Autobahn von Verona nach Trient gen Norden fährt und hinter Affi nach Westen blickt, der sieht ein weißes Kirchen-Ensemble, das verwegen wie ein Adlerhorst hoch oben in den Felsen klebt - das Santuario der „Madonna della Corona“:

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 24.10.2020

Pilgerwanderung zu einer verwegenen Kirche im Fels | Bild: BR; Andrea Zinnecker

Einsiedelei seit dem 12. Jahrhundert und heute einer der höchstgelegenen Wallfahrtsorte in ganz Italien. Von Brentino im Etschtal führt ein Pilger-Wanderweg gut 600 Höhenmeter hoch zur „Madonna della Corona“.

Mitten in Brentino beginnt der Aufstieg

Um es gleich vorweg zu sagen – mit dem Coronavirus hat der Ort nichts zu tun, auch nichts mit der „Corona“, dem Strahlenkranz, der die Madonna oft umgibt. Corona ist vielmehr ein alter Begriff für eine nahezu senkrechte Felswand. Scheinbar schwerelos schmiegt sich das Ensemble aus insgesamt vier Kirchen an die Kalkfelsen des Monte Baldo. Ein spiritueller Ort zwischen Himmel und Erde. Und felsig ist auch der Aufstieg zur Madonna della Corona, von knapp 200 auf knapp 800 Meter Höhe. Am Dorfplatz mitten in Brentino beginnt der „Sentiero della Speranza“, der Pilgerwanderweg. Es ist ein durchaus beschwerlicher Aufstieg, für den man sich Zeit nehmen sollte, auch um den Blick hinab ins Etschtal genießen. Beschwerlich sind die angeblich 1781 Felsstufen am Weg, die zum Glück aber nicht direkt aufeinander folgen, sondern gerade im unteren Teil weit auseinanderliegen.

Abstecher zum Steinkreuz am Aussichtsplatz

Nach einem Viertel des Aufstiegs lohnt der nur wenige Schritte erfordernde Abstecher zu einem großen weißen Steinkreuz, das auf einer kleinen Aussichtskanzel über dem Etschtal thront. Für zwei Wanderer aus Ulm ist schon hier „das Paradies“. Spirituell gesehen liegt es aber noch mindestens 1400 Felsstufen höher, auf 773 Metern im Monte-Baldo-Massiv über dem Etschtal. Unten führt der Wanderweg durch lauschige Oliven- und Kastanienhaine, dann durch lichte Steineichenwälder und über schottrige Felsbänder. Wo im Sommer gnadenlos die Sonne hineinbrennt, rascheln jetzt Eidechsen im Herbstlaub. Zuletzt geht es auf in die Felswand gehauenen Treppen Stufe für Stufe schweißtreibend und senkrecht nach oben. Am Ponte Tiglio, der Lindenbrücke über eine markante Felsspalte, ist dann das untere Eingangstor zur Madonna della Corona erreicht.

Andachtsnische im Fels

Bewegung macht hungrig und der wohlverdiente Appetit lässt sich im kleinen Kloster-Cafè stillen. Die innere Einkehr folgt dann in der Basilika. Don Pietro Maroldi, der Rektor des Wallfahrtsortes, kennt natürlich die Geschichte der „Madonna della Corona“ und erzählt, dass Benediktinermönche aus dem berühmten Kloster San Zeno in Verona sich hier im 12. Jahrhundert in den grottenartigen Felsnischen als Eremiten niedergelassen und 1193 dann eine erste Kirche errichtet - besser gesagt: in den Felsen gehauen haben. Auch der Schwiegervater von Dantes Sohn Piero Alighieri, der bei Verona ein Landgut besaß, hat die Gemeinschaft der Madonna della Corona finanziell unterstützt. Als 1432 Lodovico Castelbarco, ein Adeliger aus Rovereto, dem Kirchlein eine Pietà aus Stein geschenkt hat, wurde es zum Wallfahrtsort. Die zweite größere Kirche wurde dann von den Rittern des Malteser-Ordens aus Rhodos erbaut, nicht ohne Grund, denn der Legende nach wurde die Pietà von den Maltesern nach Rhodos mitgenommen und nach der Zerstörung der Insel durch die Türken im Jahr 1522 auf wundersame Weise von den Engeln zurück an die Felswand im Etschtal gebracht. Fortan war der auch „Santa Maria di Montebaldo“ genannte Ort ein gefragtes Pilgerziel.

Die Madonna della Corona

Dass sich die Madonna hier einen sehr schönen Platz ausgesucht hat, steht für Don Pietro außer Frage. Über das Etschtal hinweg reicht der Blick in die Lessinischen Berge hinein. Der Rückweg nach Brentino erfolgt auf demselben Weg wie der Aufstieg. 1922 wurde von Spiazzi, einem Dorf auf dem Monte-Baldo-Plateau, eine Straße mit Tunnel hinab zur Kirche gebaut. Bis dahin war der Wallfahrtsort nur über den steilen Pilgerpfad aus dem Etschtal erreichbar. Wer ihn ging, erhielt einen vollkommenen Ablass. Heute, in Zeiten einer globalen Pandemie, hilft vielleicht eher ein stilles Gebet zur „Madonna della Corona“.

Mehr Informationen zu Wallfahrtsort gibt es unter www.madonnadellacorona.it

Karte: Madonna della Corona

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Karte: Madonna della Corona


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