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Defizite bei Öffi-Touren Eine Mängelliste anhand konkreter Erfahrungen

Seit Anfang Mai stellen wir in jeder Woche einen Tourentipp vor, der sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Unsere Experten sind Tourenleiter bei der Alpenvereinssektion Gay Outdoor Club München, die schon seit Jahren und praktisch ausschließlich mit den „Öffis“ auf Tour gehen. Wer so viele Erfahrungen sammelt, der kennt natürlich auch die Defizite und weiß, welche Weichen anders gestellt werden müssten, damit die öffentliche Anreise attraktiver wird.

Von: Georg Bayerle

Stand: 17.06.2021

Wandern mit den Öffis | Bild: BR/Georg Bayerle

Laut einer großangelegten Umfrage des DAV halten 70 Prozent der Alpenvereinsmitglieder das Auto nach wie vor für unverzichtbar für ihre Bergtouren.

Die drei überzeugten Öffi-Wanderer Uwe, Albert und Thomas

Wenn Uwe Martin die Touren plant, dann muss er auf den Wochentag achten – eine der wichtigen Erfahrungen für Öffi-Sektionstouren, denn die Busanbindungen sind unter der Woche viel besser. So ist zum Beispiel ein Ort wie das Bergsteigerdorf Sachrang am Wochenende nicht vor Mittag öffentlich erreichbar. Ausgerechnet das Bergsteigerdorf als beliebter Ausgangspunkt für die Wanderungen zum Geigelstein oder Spitzstein ist am Wochenende regelrecht abgehängt. Die Pläne der Geigelstein-Ringbuslinie, die die Bergsteigerdörfer Sachrang und Schleching und damit das Achental und Priental verbinden würde, sind, wie es scheint, in irgendeiner Schublade verschwunden.

Am Bahnhof Bad Tölz wächst Gras über die Treppe

Die Regel, dass es unter der Woche wegen Schüler- und Berufsverkehr mit den Bussen besser ausschaut als am Wochenende, gilt aber auch nicht immer, weiß Thomas Michel, der Vorsitzende des GOC. Denn wenn unter der Woche das Bayernticket erst ab 9 Uhr gilt, hält das viele Wanderer und Bergsteiger hinsichtlich der zeitlichen Tourenplanung davon ab mit der Bahn zu fahren. Die löbliche Ausnahme ist hier das Werdenfels-Ticket – womit allerdings schon das nächste Problem angesprochen ist: unterschiedliche Betreiber, unterschiedliche Tickets. Wer bei der Deutschen Bahn für die BOB, die Bayerische Oberlandbahn kauft, zahlt einen Aufpreis und umgekehrt. Und wehe, man hat das Ticket nicht rechtzeitig online erworben!

Sitzt die Gruppe trotz aller Widrigkeiten dann erfolgreich im Zug, ist die geplante Tour noch längst nicht gesichert, berichtet Uwe Martin .Zum Beispiel wartet am Lenggrieser Bahnhof der Bus in die Jachenau nicht immer auf die BOB – und das ist seiner Ansicht nach wirklich ein Unding und zudem nicht logisch vorhersehbar. Dennoch demonstrieren die Tourenleiter des GOC konsequent, wie viele schöne Touren auch mit den Öffis statt mit dem Auto möglich sind. Aber so richtig unterstützt werden sie nicht von den Verkehrsunternehmen, findet auch Albert Sandner, der seit Jahrzehnten nur mit dem ÖPNV unterwegs ist.

Bahnland Bayern - das ist noch Zukunftsmusik

Ein „Alpenticket“ für öffentliche Verkehrsmittel hat jetzt auch die Alpenschutz-Kommission Cipra wieder angemahnt. Das ist keine neue Forderung und könnte so einfach sein. Vor zwei Jahren hatte der damalige bayerische Verkehrsminister Hans Reichart versprochen, etwas zu tun, damit Bus und Bahn in die Alpen getaktet werden und nach einem einheitlichen Tarifsystem genutzt werden können. Wie sagt man so schön: Es ist höchste Eisenbahn!

Andrang am Bus

Diese Fragen und Kritik haben wir auch an das Bayerische Verkehrsministerium und an die Deutsche Bahn weitergeleitet. Es gibt Projekte für flächendeckende Verkehrs- und Tarifverbunde, die ab 2023 wirksam werden sollen. Bis dahin könnte es auch ein bayernweit einheitliches E-Ticket geben. Auch an der Frage der Taktung und erweiterten Angebote bei Bus und Bahn, werde gearbeitet, heißt es. Ein erstes Ergebnis ist die Ausweitung des Schienennahverkehrs auf den Oberlandstrecken von München nach Bayrischzell, Lenggries und Tegernsee und bei den Bussen die Linie 9569 in die Eng, wochentags zwei Mal pro Tag und an den Wochenenden sieben Mal pro Tag. 


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