1

Ge(h)zeiten beim Wandern Der Nesselwanger Besinnungsweg

Das Leben hat nicht nur Gezeiten wie das Meer, sondern auch Geh-Zeiten und die lassen sich zum Beispiel auf dem Nesselwanger Besinnungsweg erleben. Gerade jetzt im Frühling ist die Wanderung ideal, um in sich hineinzugehen und im Spiegel der Natur Neues zu entdecken.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 29.05.2020

Der Nesselwanger Besinnungsweg  | Bild: BR; Andrea Zinnecker

Der Besinnungsweg führt mit zwei Stunden „Geh-Zeit“ durch die wellige Ostallgäuer Voralpenlandschaft bei Nesselwang, wurde von der Bürgerwerkstatt Nesselwang konzipiert und ist bestens markiert. An insgesamt sechs Stationen, die jeweils ein wenig abseits vom Wanderweg liegen, besteht die Möglichkeit zum Nachdenken und Träumen. Stelen aus sechs verschiedenen Natursteinarten – Trentino-Granit, Gneis vom San Bernardino, Granit aus dem Bayerischen Wald, Basaltlava aus der Eifel, Tuffstein aus Kemnat und Grüntenstein - schmücken die Besinnungsstationen und geben dem Wanderer jeweils einen Spruch mit auf dem Weg.

Station Nr. 4

Gleich an der ersten Station gibt es auch eine kleine Broschüre zum Mitnehmen. Vor allem aber fällt die große gläserne Sanduhr ins Auge. Der Wanderer ist aufgefordert sie umzudrehen und drei Minuten lang still auszuharren, was angesichts des prächtigen Panoramas nicht schwerfällt. Der Blick reicht vom Ammergebirge über die Tannheimer und Pfrontener Berge bis zu Alpsitze und Edelsberg, den beiden Hausbergen von Nesselwang. Durch Wald und Wiesen geht es unter Vogelzwitschern zur zweiten Station, einem baumumrankten Labyrinth. Wer es komplett durchläuft, muss 200 Meter zurücklegen bis er in die Mitte zu Stele und Sitzstein kommt – und vielleicht auf Umwegen auch zu sich selbst. Die dritte Station liegt am Südufer des idyllischen Attlesees, einem Moorweiher, und mitten im Landschaftsschutzgebiet.

Station Nr. 6

Aus dem Schilf flattern Wildenten auf, in den moorigen Wiesen wachsen Schlüsselblumen und kleine Föhren. Dann geht es wieder in den Wald hinein und zu einem hölzernen „Himmelbett“. Über dem hölzernen Viereck, Symbol für das Irdische, schwebt in fünf Meter Höhe ein stählernes Dreieck als Symbol für das Göttliche. Wer sich auf das Holz legt, blickt aus der Waldlichtung durch das Dreieck hindurch direkt in den Himmel. An Station Nummer fünf stellt der Mensch die Schöpfung auf den Kopf. Blickfang ist eine Glaskugel in einer Holzwand. Beim Blick durch die Kugel steht die Landschaft auf dem Kopf, doch auf dem Podest neben der Kugel öffnet sich einer der schönsten Ausblicke auf dem Besinnungsweg über bunte Wiesen und einzelne Tannen hinweg zum Aggenstein und zum Breitenberg mit seinen noch schneegefüllten Steilrinnen. Ein wenig Schnaufen ist angesagt, um die sechste und letzte Besinnungsstation zu erreichen, eine große Baumscheibe, die sich drehen lässt und dabei verschiedene Sinnsprüche freigibt – sozusagen ein Landschaftsfenster hinein in den Alltag und hinüber zur Alpsitze mit der im Bergwald versteckten Wallfahrtskirche Maria Trost. Bester Ausgangspunkt ist der Parkplatz bei der Rindegger Tanne östlich von Nesselwang.

Karte: Die Station Nr. 4

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Die Station Nr. 4


1