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Mit Langohren rund um die Voglmühle bei Kirchberg Wandern mit Eseln im Bayerischen Wald

Sie sind weder grau noch dumm, aber stur – Esel! Naturnah wandern mit Eseln kann man zum Beispiel im Bayerischen Wald. Wer am Wochenende oder in den Ferien für „jede Eselei“ zu haben ist, der muss unbedingt nach Kirchberg. Dort hat die Anästhesistin Eva Weiß aus ihrem Hobby einen Beruf gemacht: Eselwandern.

Von: Christoph Thoma

Stand: 10.08.2019

Mit Langohren rund um die Vogelmühle bei Kirchberg | Bild: BR; Christoph Thoma

Eva Weiß betreibt die Wiesen und Felder der alten Voglmühle extensiv nach den strengen Regeln des ökologischen Landbaus und sie hält gleich eine ganze Herde von Eseln, mit denen man wandern kann, entweder ein paar Stunden rund um die Voglmühle oder auch mehrere Tage auf „Goldenen Steigen“ aus dem Bayerischen Wald in Richtung Böhmen. Bei so einer Eselwanderung stellt man ziemlich schnell fest, dass die freundlichen Langohren weder grau noch dumm sind, dafür aber unglaublich stur - und sie spüren sofort, ob da ein erfahrener Eseltreiber an ihrer Seite geht oder ein „Greenhorn“.

Durch den schattigen Hohlweg

Abseits der B11 zwischen Deggendorf und Zwiesel, im Landkreis Regen, ganz nahe am Nationalpark Bayerischer Wald, findet man dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, die Voglmühle, versteckt zwischen Wiesen in einer Senke. Schon bei der Anfahrt merkt man, dass die Wiesen rund um die Voglmühle anders sind: Sie werden im Öko-Landbau bewirtschaftet und deshalb erst nach dem 1. Juli gemäht. So sind die Wiesen um die Voglmühle wirklich noch Blumenwiesen.  

Fesch: Grautier mit rosa Halfter

Eva Weiß ist eine interessante Frau: Ärztin am Kreiskrankenhaus Deggendorf im Nebenerwerb. Nur noch einige Nachtdienste pro Woche arbeitet sie in der Klinik. Ihr Geld verdient sie seit etlichen Jahren außerhalb des Schichtbetriebs mit Leidenschaft als Nationalpark-Führerin, Öko-Bäuerin und Halterin einer kleinen Herde von zwölf Eseln. Die Vierbeiner sind treue Gefährten und eigentlich leicht zu führen. Die Betonung liegt auf „eigentlich“, denn die braunen, schwarzen und nur selten wirklich grauen Tiere mit den langen Ohren in Gang zu setzen, ist gar nicht so einfach. „Mit Gewalt geht gar nicht“, grinst Eva Weiß, „der Esel muss das Gefühl haben, dass er selbst will, was er tut“ - und da braucht es erst einmal ein paar vertrauensbildende Maßnahmen. So sind längere Phasen des Kennenlernens wichtig, bis das ausgewählte Begleittier brav dem Eselwanderer folgt. Auf den Hof kommen, aus dem Auto springen, einen Esel am Halfter packen und losziehen – das funktioniert nicht.

Über die Wiese zur Koppel

Vier Menschen, zwei Esel, so machen wir uns auf den Weg durch einen schattigen Hohlweg am Beginn der Runde zu den Biberdämmen im nahen Hochmoor. Tim Weiß ist mit Eseln groß geworden. Wann immer es geht, unterstützt der Student seine Mutter. Esel sind charakterstarke Tiere, die beim Wandern das Tempo vorgeben. Wenn man ein paar Tricks beherrscht, bleiben sie ruhig und gelassen, und das überträgt sich auch auf die Zweibeiner. Eile oder Hektik passen nicht zum Eselwandern.  Eva Weiß führt regelmäßig Kinder- und Jugendgruppen im Nationalpark Bayerischer Wald. Sie leitet auch für „Wildnis bewegt“ bzw. „Waldzeit“, einem Kooperationspartner des Nationalparks Bayerischer Wald, Familienwochenenden mit Eselwanderungen im Freilichtmuseum des Bezirks Niederbayern in Finsterau (www.waldzeit.de) .

Die Säue sind der Stolz von Ludwig Scherm

Allmählich haben sich die Esel an uns gewöhnt und scheinbar auch akzeptiert, dass heute Wandern angesagt ist. So haben wir Gelegenheit, auf Arber, Lusen und Rachel zu schauen, die an einem Wegmarterl mit Bank freundlich herübergrüßen. Die Gegend ist sagenhaft mit gruseligen Ortsnamen wie Teufelsmoor oder Höllriegel. Drei Kilometer pro Stunde, schneller ist man mit Eseln nicht. So haben die Eselwanderer Zeit, über Totenbretter und seltsame Ortsnamen nachzudenken. Wir trippeln mit zwei Eselstärken durch Höllmannsried, folgen dem Gunthersteig-Pilgerweg zum Hochwald und erreichen das besagte Moor und die Biberburg. Der Ökobauer Ludwig Scherm hat hier – gleich neben Koppel und Damm - seine wirklich prächtigen Säue stehen. Beim Schwäbisch-Hällischen Landschwein handelt es sich um eine gefährdete Haustier-rasse. Die Tiere leben wie in der Natur im normalen Temperaturbereich der Jahreszeiten, lediglich durch ein Dach über dem Kopf geschützt gegen die in der Region zum Teil extremen Witterungsverhältnisse. Sau und Ferkel grasen auf der Weide. In den Sommermonaten und bei guter Witterung bevorzugen die Schweine offenes Liegen auf Gras.

Schweine, Ziegen, Gänse, Enten - und nicht zu vergessen: Biber. Sie zeigen sich nur in der Dämmerung und nachts. Nicht von ungefähr hat Eva Weiß Biberzähne im Rucksack. Irgendwie ist diese Voglmühle in Kirchberg im Wald ein kleines Paradies, nicht nur für Esel. Wer jetzt Lust bekommen hat mit Eseln bei Kirchberg im Wald zu wandern und die Voglmühle kennen zu lernen, kann sich unter www.voglmuehle.de  oder www.arberland-bayerischer-wald.de  informieren und anmelden.

Karte: Kirchberg

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Kirchberg


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