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Ein seltenes Regenhochmoor am Fuß der Ybbstaler Alpen Durch das Leckermoos im Mostviertel

Eines der letzten und schönsten Hochmoore liegt in den Ybbstaler Alpen in Niederösterreich, genauer gesagt auf dem Hochplateau Hochreith bei Göstling: Das 860 Meter hochgelegene Regenhochmoor mit dem Namen Leckermoos ist eine Oase für seltene Tiere und Pflanzen, aber auch für Wanderer, die Ruhe und Einsamkeit lieben.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 31.07.2021

Ein seltenes Regenhochmoor am Fuß der Ybbstaler Alpen | Bild: BR; Ulrike Nikola

Auf einem knapp zweistündigen Rundweg mit 11 Stationen und Schautafeln kann man das Leckermoos erkunden und das Ganze dann noch mit einer rund sechststündigen Wanderung über die Schwarzalm zum Hochkar verbinden.

Die Moorwanderer schauen fast ein bisschen ehrfürchtig, während Ernst Zettel vom langsamen Wachstum und hohen Alter des Hochmoores erzählt. Der 70-Jährige lebt nur einen Steinwurf entfernt auf dem Bauernhof Ablass am Hochplateau Hochreith und kennt das Hochmoor Leckermoos wie seine Westentasche. Das Hochmoor wächst über die sogenannte „ewige Pflanze“, die Torfmoose. Vom jährlichen Wachstum bleibt ein Millimeter übrig für die Torfbildung. Das wird im Winter zusammengepresst vom Schnee, kann aber nicht richtig verrotten und bildet dann den Hochmoortorf, der in den letzten 7000 Jahren schon sieben Meter in die Höhe gewachsen ist.

Der Name Leckermoos kommt von den Latschen, die hier oben wachsen und im Volksmund „Lecker“ heißen. Sie prägen das Bergidyll mit blühenden Feuchtwiesen und braunen Torfmoosen. Doch was das Hochmoor so besonders macht, sind Orchideen wie der lilafarbene Sumpfstengelwurz, aber auch wilde Pfefferminze, gelber Weiderich und Schachtelkraut. Durch den nährstoffarmen Boden entstehen ganz eigene Tier- und Pflanzenwelten, die aufeinander angewiesen sind, wie zum Beispiel der Schlangen-Knöterich und der Randring-Perlmuttfalter. Dieser Schmetterling benötigt diese Blume zunächst als Nahrung, bevor er dann Ende Juni, Anfang Juli die Eier ablegt. Später dann braucht die Raupe Zeit, um in den Boden zu wandern und sich zu verpuppen. Würde man solche Flächen schon im Juni oder Juli mähen, dann wäre das zu früh für die Entwicklung der Schmetterlinge. Zum Glück aber steht das 25 Hektar große Gebiet unter Naturschutz, denn durch konventionelle Landwirtschaft würde die Vielfalt durch Mahd und Düngung verloren gehen. Bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurde das Hochmoor allerdings noch wirtschaftlich genutzt durch das Torfstechen. Die luftgetrockneten Blöcke wurden dann nach Göstling zur Eisenbahn transportiert und ans Militär als Streu für die Pferdeställe verschickt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war damit allerdings Schluss.

Mit seinen blühenden Feuchtwiesen ist das Leckermoos ein ganz besonderes Biotop. Zudem gedeihen hier auch viele Heidelbeersträuchern, aber auch Rauschbeeren. Wer die mit Heidelbeeren verwechselt, warnt Ernst Zettel, fühlt sich nach dem Verzehr so als ob er am Vortag einen richtigen Rausch gehabt hätte, Übelkeit inbegriffen. Wenn man sich unsicher ist, ob es sich um eine Heidelbeere oder Rauschbeere handelt, sollte sie zerdrücken: Ist das Fruchtfleisch weiß ist, hat man eine Rauschbeere in der Hand.

Auch das Betreten des Hochmoores könnte ungut enden – zwar hat es im Leckermoos glücklicherweise nie eine Moorleiche gegeben, aber im weichen Boden kann so einiges mit Stumpf und Stiel versinken. Der Überlieferung hat das Moor sogar ganze Baumstämme verschluckt. Auf einem Holzsteg gelangt man jedoch sicher und trocken in die Mitte des Hochmoores Leckermoos, zum sogenannten Moor-Auge – eine markant dunkle, offene Wasserstelle, in der sich sogar der Morgentau auf den Pflanzen ringsum spiegelt. Auch Libellen und Sumpfgrashüpfer lassen sich im Leckermoos beobachten, das von den Gipfeln des Dürrensteins und Hochkars flankiert wird.

Karte: Hochplateau Hochreith

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Karte: Hochplateau Hochreith


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