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Flora und Fauna erleben hinter dem Arber Einödhof-Wanderung im Lamer Winkel

„Die Mitnahme von Getränken und Verpflegung ist nicht nötig!“. So heißt es ausdrücklich im Wandertipp der Gemeinde Arrach im Naturpark Oberer Bayerischer Wald. Die Vierzehn-Kilometer-Tour führt vom Luftkurort Arrach im Lamer Winkel in gut drei Stunden reiner Gehzeit zu bemerkenswerten Einöd-Bauernhöfen, die seit dem Mittelalter in gewisser Autarkie leben, weitab von größeren Siedlungen.

Von: Christoph Thoma

Stand: 15.06.2019

Flora und Fauna erleben hinter dem Arber  | Bild: BR; Christoph Thoma

Das mit der „reinen Gehzeit“ ist wichtig, weil es viele Einkehr-Möglichkeiten gibt. In Vorder- und Hinteröd, auch in Hinterwaldeck. Und die technisch leichte Wanderung deshalb auch gut und gern zwei Stunden länger dauern kann. Die meisten Einödhöfe sind mittlerweile auf Wanderer eingerichtet und betreiben kleine Wirtschaften.

Fritz Reiter stellt uns die Tour anhand der Karte vor

Wo Arrach aufhört, beginnt beim Waldkindergarten der Wanderweg A 3. Am munter plätschernden Klässbach entlang steigen wir auf zum Sägewerk Trailling-Mühle. Ein Förster im Ruhestand als Wanderführer, das lohnt sich. Der Weg, erzählt Fritz Reiter, ist rolliert, also dadurch befestigt, dass man mühsam Stein hinter Stein gesetzt hat, ohne die Fläche zu versiegeln. Und es gibt einen besonderen, immergrünen Farn mit zwei verschiedenförmigen Wedeln. Was beim Gehen auffällt, ist der naturverjüngte Mischwald, keine Fichten-Monokultur.

Der Fachmann sieht an der Mächtigkeit der Bäume, wo „Königreiche“ aneinanderstoßen, wo also die Wälder zweier Höfe sich treffen. Der eine Bauer greift sein mühsam „Erspartes“ eher an und erntet das vom Vater oder Großvater gepflanzte Holz, der andere lässt sich damit noch ein bisserl Zeit. Aus einem Hohlweg rumpelt ein Traktor heraus. Mit Michael am Steuer, das ist der Jungbauer des Trailling-Hofs. Er hat armdicke Äste und Jungbäume auf dem Hänger, die er zum Hof hinauffährt, um Brennholz für den Winter zu machen.  

Eine Magerwiese voller Leben – ein Stück Paradies

Der Weg bringt uns fast unmerklich höher. Meistens im Schatten. Doch nach 45 Minuten bleibt der Wald zurück und wir erreichen eine Wiese, die so bunt ist wie ein Malkasten. Eigentlich bloß eine magere Wiese. Aber welche Artenvielfalt: da sind Wiesenknopf und Hahnenfuß, Akelei, Knabenkraut und Glockenblume. 

So bunt die Flora, so vielfältig ist auch die Fauna: es summt und brummt. Bienen, Käfer, Hummeln, Schmetterlinge. Eine Vielfalt, die man in der Stadt einfach nicht mehr gewöhnt ist. Alleine diese Wiese ist die Wanderung schon wert. Der Weg führt direkt auf eine kleine Kirche zu. Mit barockem Zwiebelturm. Dahinter der Trailling-Hof. Behäbig, einschichtig, stolz. Da schwillt Motorengebrumm an und drängt sich in die Stille: Michael kommt mit Traktor und Brennholz.

Der Einödhof Trailling mit zweihundert Jahre alter Kapelle

Die Kapelle ist der Stolz der Familie. Und „der Mich“ zeigt uns mit berechtigtem Stolz eine an der Wand hängende Kette, die nur vermeintlich aus Eisen geschmiedet ist. Ein Ahne vor zwei Jahrhunderten war einmal zu Unrecht im Gefängnis. Und er schwor, eine Hofkapelle zu bauen, sollte sich seine Unschuld erweisen. Während der Monate hinter Gittern hat er aus nachweislich einem einzigen Stück Holz eine mehrgliedrige Kette mit Schloss und Schellen herausgeschnitzt, die als Votiv im Kirchlein hängt. 

Wir sind knapp 300 Höhemeter aufgestiegen und haben ein Hochplateau erreicht. Das weltabgewandte Refugium teilen sich die Einödhöfe von Vorder- und Hinteröd. Wir trinken in Vorderöd ein Weißbier und eine halbe Stunde später in Hinteröd einen bayerwaldtypischen Bärwurz. Die Höfe im Lamer Winkel sind auch Einkehrstationen: Der Waldbauer von Hinteröd hat die Stube mit Holz ausgestattet, das um den Hof herum wächst: Ahorn, Buche, Tanne…

Sehr freundlich - der Service in Hinterwaldeck

Wir müssen weiter. Über eine Pferdekoppel in einen Tobel. Und dann in gut zwanzig Minuten über Baumwurzeln nach Hinterwaldeck, ein Bauernhof mit Jahrhunderte al-ter Geschichte. Das Gemüse wird selbst gezogen. Das Bauernbrot selbst gebacken. Bio-Qualität. Wirtin Anna Frisch empfiehlt uns die Spezialität des Hauses, „unser g’schmackiges Bierbradl“, den Braten von einer selbst gezogenen Sau: „Mit klarer Sauce, viel Kümmel, Knödeln und einer knackigen Kruste!“

Verlockend sind auch die Bratwürste

Gut gesättigt nehmen wir die vier Kilometer Abstieg zum Bahnhof von Lam in Angriff. Um 15.34 Uhr fährt beispielsweise ein moderner, waldfarngrüner oder dotterblumen-gelber Triebwagen der Oberpfalzbahn zurück nach Arrach. 2,20 € kostet das kurze Vergnügen. Es sind nur zwei Stationen. Frahelsbruck und dann Arrach. Der Zug hält vor der Unterkunft.

Informationen:

Zurück nach Arrach mit der Oberpfalzbahn

Der Lamer Winkel liegt zum Großteil im Landkreis Cham und gehört zur Oberpfalz. Die Wanderung im Naturpark Oberer Bayerischer Wald zu den Einödhöfen zwischen Arber und Osser dauert – mit all den empfehlenswerten Einkehr-Stopps – gut vier bis fünf Stunden. Karten, Zugfahrpläne und Tipps für diese und andere Wanderungen gibt’s unter: www.lamer-winkel.bayern/de oder www.ostbayern-tourismus.de

Karte: Vorderöd

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Vorderöd


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