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Kulinarisches Wandern im Bregenzerwald Zwischen Wälderbarock und Wälderschokolade

Es gibt kaum Regionen, in denen sich auf überschaubarem Raum Kulturwanderungen und Gipfelstürme so gut kombinieren lassen wie im Bregenzerwald. Gerade im Hinteren Bregenzerwald zwischen Schröcken, Au und Mellau entsteht schnell das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen.

Von: Annette Eckl

Stand: 24.05.2019

Bregenzerwald: Alpe Greußing's Wildmoos | Bild: BR/Annette Eckl

Der Bregenzerwald ist Teil der UNESO-Liste für immaterielles Weltkulturerbe, sicher auch wegen der charakteristischen Häuser im Wälderbarock und der Einhöfe, bei denen Wohnhaus und Wirtschaftsteil unter einem Dach sind.

Eines von diesen besonderen Wälderhäusern ist das sogenannte „Nazes Hus“ in Mellau. Es ist rund 300 Jahre alt, steht unter Denkmalschutz und wird von Herwig Siegl bewirtschaftet. Original erhalten sind die alten Holzböden, Dielen, Decken und Kachelöfen. Einst befanden sich im Nazes Hus auch eine Küferwerkstatt und eine Fassbinderwerkstatt. Noch immer gibt es das Loch in der Decke, durch das früher die Wärme von der Stube nach oben in die Schlafräume strömen konnte – damals, als es noch keine Heizung und auch kein fließendes Wasser gab.

Typisches Wälderhaus in Schwarzenberg

Inzwischen sind viele Wälderhäuser aufwändig saniert worden, wobei der Charme des Alten bewahrt wurde. Es ist eine gelungene Kombination: der Geist der Geschichte Hand in Hand mit modernem Komfort. So wurden aus historischen Wälderhäusern gemütliche Wohnhäuser.

Die Historikerin Elisabeth Wicke aus Mellau organisiert regelmäßig Dorfrundgänge in ihrem Heimatort. Schon von außen sind die Wälderhäuser mit den charakteristischen Schindeln und dem seitlichen Schopf, einer Art Laube, gut zu erkennen. Im 19. Jahrhundert war hier Platz für die Großfamilie samt unverheirateter Tanten und Onkeln. Drei Generationen haben unter einem Dach gelebt. Auch Elisabeth Wicke hat das Glück in einem Wälderhaus, dem Wohnhaus ihrer Eltern, zu leben. Sie hat die Decke in der Stube untersuchen lassen und nun die Gewissheit, dass sie aus dem Jahr 1745 stammt.

Von den gemütlichen Wälderhäusern geht es nun auf eine typische Wälderalpe hinauf. Alte baufällige Alphütten wurden teils originalgetreu wiederaufgebaut, wie zum Beispiel die Alpe Greußing‘s Wildmoos, die von Bezau aus in einem zweistündigen Aufstieg zu erreichen ist. 

Simon ist Senner aus Leidenschaft

Der junge Senner Simon Jäger arbeitet als Zimmermann und Skilehrer, bewirtschaftet aber bis in den Herbst hinein zusammen mit seiner Freundin Simone die Alpe und macht den Käse noch wie anno dazumal – mit viel Herzblut und hoher handwerklicher Kunst, die er in einem Sennkurs gelernt hat. Der Käse, so sagt er, braucht viel Pflege, und bis der Käse ein Jahr alt ist, muss man ihn sicher hundert Mal umdrehen. Simone, die ihn dabei fleißig unterstützt, schätzt trotz der vielen Arbeit vor allem die Ruhe auf der Alm ohne Fernseher und Computer. Entschleunigung statt Freizeitstress! Auf ihrer Alpe gibt es auch die berühmte Wälderschokolade: Molke wird erhitzt, das Wasser verdampft und am Ende des aufwändigen Prozesses kommt eine karamellartige und klebrig-süß schmeckende, nahrhafte Schokolade heraus.

Weitblick von der Winterstaude bis zum Bodensee

Für Gipfelstürmer bietet sich im Bregenzerwald zum Beispiel die knapp 1900 Meter hohe Winterstaude an – ein Ziel auch für Sommertage. Von hier oben schimmert am Horizont bläulich und geheimnisvoll der Bodensee. Zurück geht es in Richtung Stongerhöhealpe über einen versicherten Steig mit dem seltsamen Namen Hasenstrick, der Trittsicherheit und Schwindelfreiheit fordert – also nichts für Angsthasen!

Neben der Winterstaude gehört auch die über 2000 Meter hohe Kanisfluh zu den Parade-Aussichtsbergen im Bregenzerwald. Wer den Gipfel von Mellau aus packen will, der braucht Ausdauer, sind es doch gut 1350 Höhenmeter. Kraft gibt der Riebel, den Hüttenwirt Walter Simma auftischt. Riebel ist ein leicht angerösteter Weizengrießbrei mit Milch, Butter und Salz – noch zu Großmutters Zeiten das typische Bregenzerwälder Frühstück.  Oben auf der Kanisfluh ist der Wanderer nicht allein – er teilt sich das weitläufige Areal mit über 100 neugierigen und fast zahmen Steinböcken.

Karte: Bregenzerwald

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