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Oase für Schlitzrüssler, Elfenbeinspecht und Drachenbaum Der Humboldt-Nationalpark auf Kuba

Auf Kuba war der deutsche Universalgelehrte Alexander von Humboldt in den Jahren 1800 und 1801 unterwegs. „Seinen“ Nationalpark hat er damals nie betreten, aber ihm zu Ehren wurde eines der bemerkenswertesten Naturgebiete dieser größten Antillen-Insel, das zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt, Humboldt-Park genannt.

Stand: 12.05.2018

Oase für Schlitzrüssler, Elfenbeinspecht und Drachenbaum | Bild: BR

Der Nationalpark umfasst rund 700 Quadratkilometer und weist ungefähr zwei Prozent des weltweiten Pflanzenvorkommens auf. Deswegen gehört er zum Weltnaturerbe und ist ein Zentrum der Biodiversität auf der Erde. Man muss allerdings sehr genau hinschauen, denn manche der nur dort beheimateten Lebewesen zählen zu den kleinsten der Erde.

Die Stunde null schlug im „Parque Nacional Alejandro de Humboldt“ im Herbst 2016. Matthew, einer der heftigsten Wirbelstürme der Karibik, tobte fünf Stunden lang unmittelbar über diesem Gebiet im Osten Kubas. Als Juiz Denilde, einer der Ranger im Nationalpark, nach stundenlangem Ausharren aus dem Haus trat, war er geschockt., denn der Hurrikan hatte ganze Arbeit geleistet und nichts mehr übrig gelassen. Alles sah tot aus, es gab überhaupt kein Grün mehr, sogar die Mangroven wirkten wie vertrocknet. Viele alte Bäume wurden komplett abgerissen und viele Lebewesen getötet: Vögel, Pflanzen, Insekten, Reptilien. Von den Mönchssittichen, dem kubanischen Papagei, gab es in einem kleinen Zählfeld 35 tote Exemplare und nur noch einige lebende.

Der kleinste Frosch "Eleutherodactylus Iberia"

Heute, gut eineinhalb Jahre später, zeigt sich die überragende Selbstheilungskraft der Natur. Es sind sogar neue Arten aufgetaucht, berichtet der Ranger, wie zum Beispiel die Katzendrossel aus der Familie der Spottdrosseln oder der Rotkardinal, ein Sperlingsvogel und ebenfalls eine bedrohte Art. Schon wenige Wochen nach dem Hurrikan wurden bei einer Zählung des Mönchssittichs auf einem einzigen Baum bereits 63 Exemplare gesichtet.

Orchidee im Blätterwald

Vor der Gründung 1997 wurde das Gebiet durch Holzeinschlag, Landwirtschaft und illegalen Vogelfang genutzt. Der Ranger, den alle wegen seines indianischen Aussehens „Indio“ nennen, ist selbst ein Beispiel dafür. Er war Kleinbauer im Park, Ihm und den 3000 weiteren Bewohnern musste der besondere Wert des Naturgebiets erst klar gemacht werden. Auch den Besuchern muss man die besonderen Schätze erst einmal zeigen und dabei der Nase nach gehen: Schokoladen- und Vanilleduft führen zu einer Orchideenart, die es nur hier in diesem Nationalpark gibt. Die endemische Pflanze sitzt etwas drei Meter hoch an einem Baumstand sitzt die einzigartige Pflanze. Am Boden unter den Blättern kleiner Gewächse sitzt dagegen der wohl kleinste Frosch der Welt, der nur einen halben Zentimeter groß  wird. Dieses winzige Lebewesen zählt zu den großen Sensationen im Humboldt-Nationalpark im äußersten Osten Kubas.

Der Tocororo – Kubas Nationalvogel

Typisch für den Park ist die stille Natur. Es gibt nicht den überbordenden Chor der Tierstimmen wie im Urwald des Amazonas. Hier muss man nicht nur genauer hinsehen, sondern auch hinhören. Dann aber nimmt man die Laute exotischer Lebewesen wahr: das Fiepen und Pfeifen von Vögeln, die man nicht sieht und die dennoch da sind. Für den Laut des Tocororo reisen Vogelbeobachter aus der ganzen Welt eigens nach Kuba. Der kubanische Nationalvogel sieht aus, als hätte man ihn in einen Kübel mit roter, weißer und blauer Farbe getaucht. Der Kopf ist wie Zoro maskiert und oben blauviolett bis zum dicken Kernbeißerschnabel, dann weiß, der Bauch leuchtet, der Rücken und die langen Schwanzfedern sind blau. Es sind die Farben der kubanischen Flagge, deshalb ist der Tocororo der Nationalvogel von Kuba, und es gibt ihn auch nur hier, ebenso wie Dutzende von Tieren und vor allem Pflanzen.  Von 1000 Blühpflanzen sind 900 endemisch, und 300 von ihnen gedeihen nur an einer einzigen Stelle.

Orchideen im Gestrüpp

Mehrere Stunden sind wir unterwegs und erkunden diesen einzigartigen Naturflecken. Dem Nationalpark vorgelagert liegt eine malerische Bahia, eine kreisförmige Bucht mit einem schmalen Ausgang ins offene Meer. Austern kleben an den von Ebbe und Flut umspielten Mangrovenwurzeln, die sich wie Spinnenbeine in den Schlick des Untergrunds flechten. Dort lebt auch das Manatí, die Seekuh, die Alexander von Humboldt auf seinen jahrelangen Reisen in Mittel- und Südamerika im Orinoco, im heutigen Venezuela beobachtet und beschrieben hat.

Exkursion in die Bahia

Dahinter steigen die bewaldeten Berge auf, mit kristallklaren Flüssen, die sich tief ins Gebirge eingeschnitten haben. Und hier hat ihn der „Indio“ jetzt tatsächlich gefunden: den Frosch, besser: das winzige Fröschlein, nicht viel mehr als ein dunkler Fleck auf dem Fingernagel, nur drei oder vier 4 Millimeter groß.  Bis vor kurzem galt er als kleinster Frosch der Welt bis vor kurzem angeblich neue Arten im Amazonasgebiet gefunden wurden. Doch es spielt keine Rolle, ob es der allerkleinste Frosch auf diesem Planeten ist oder nicht, denn dieses winzige Geschöpf wirkt so zierlich und verletzlich – und ist doch nur ein kleiner Baustein in diesem unermesslichen Gefüge des Parque Nacional Alejandro de Humboldt.

Eine ausführliche Sendung zum Parque Nacional Alejandro de Humboldt auf Kuba gibt es am morgigen Sonntag, 13. Mai, in den radioReisen in Bayern 2, und zwar im Rahmen einer einstündigen Sendung über Kuba, die größte der Antilleninseln.

Karte: Der Humboldt-Nationalpark auf Kuba

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Karte: Der Humboldt-Nationalpark auf Kuba


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