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Grüne Drachen, Blaublümle und drei unbekannte Seen Die Korbsee-Runde im Ostallgäu

Wandern direkt von der Haustüre weg – wenn das jeder so machen würde in Corona-Zeiten, dann würden sich viele Hotspots entzerren. Schließlich bietet die Pandemie auch die Möglichkeit, die unmittelbare Umgebung wieder neu zu entdecken. Wenn Sie dennoch in einer anderen Region wandern möchten, dann muss es ja nicht immer der direkte Alpenrand sein. Ein Tipp wäre da die weitgehend unbekannte Korbsee-Runde im Ostallgäu. Ausgangspunkt ist der Marktoberdorfer Stadtteil Bertoldshofen.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 06.03.2021

Grüne Drachen, Blaublümle und drei unbekannte Seen | Bild: BR; Andrea Zinnecker

Für die Korbsee-Runde brauchen Sie etwas Orientierungssinn, eine gute Karte und viel Liebe zur Allgäuer Landluft.

Die barocke Kirche St. Michael in Bertoldshofen

Und falls Sie auch noch etwas Proviant benötigen – beim „Hailand“ mitten in Bertoldshofen gibt es die weithin besten Stengel, also in der Bäckerei mit „ai“, nicht in der sehenswerten, von Barockbaumeister Johann Georg Fischer entworfenen Kirche mit Wessobrunner Stuck. Von Bertoldshofen geht es dann nach Hausen. Frühling lässt Eduard Mörike zufolge sein blaues Band flattern – auf einer Wiese aber lässt Markus Reichart für Sohn Hannes einen grünen Drachen steigen, der im lauen Lüftchen lustig hin- und herschaukelt.

Durch Bertoldshofen fließt die Geltnach

Die Korbsee-Runde kennt Markus Reichart seit seiner Kindheit. Tagestouristen, so sagt er, verirren sich kaum hierher. Dafür gibt es zurzeit spezielle Vierbeiner zu entdecken: Hermeline, deren Tarnung angesichts der grünen Wiesen allerdings auf der Strecke bleibt. Schneeweiß wie ein Hermelin ist auch die kleine Kapelle in Hausen, an der es dann die Moränenzüge des Geltnachtals hinauf geht zum verträumten Galgensee – und zu anderen Tieren, denn im Galgensee fühlen sich einige Biber wohl, verrät Isabell Geiger, die junge Bäuerin am Geigerhof südöstlich des Sees. Sie ist gerade am Garteln und hat schon den Buchs mit ein paar bunten Ostereiern geschmückt. Prächtig ist auch das Panorama von hier oben. Man sieht bis zur Zugspitze und abends sogar das beleuchtet Schloss Neuschwanstein.

Gehrenspitze und Köllespitze in lichter Ferne

Heute schimmert die Alpenkette in ferner Lichtbläue. Am Geigerhof vorbei führt der nicht so ganz einfach zu findende Wanderweg zum Korbsee, weshalb viele Wanderer im Hof nach dem Weg fragen: zuerst immer geradeaus auf dem Forstweg und dann rechts weg hinein ins Hora, ein kleines Waldstück und von hier wieder geradeaus in Richtung Selbensberg. Nach einer guten halben Stunde taucht linkerhand der Korbsee auf. Der verträumte See liegt so versteckt und ist nur zu Fuß erreichbar, so dass ihn nicht viele Menschen kennen. Neben vielen Enten hat hier auch ein Schwanenpaar seine Ruhe.

Der Galgensee oberhalb von Hausen

Vom Korbsee folgt man nun einem Forstweg weiter in die kleine Ortschaft Selbensberg. Wenn Sie jedoch die Bundesstraße 472 queren – Achtung: matschige und wenig schuhfreundliche Baustellen-Unterführung! – dann kommen Sie noch am kleinen Bischofssee vorbei und in den Weiler Hagmoos. Auf der Holzbank vor der kleinen Kapelle rasten mit derzeit gebührendem Abstand ein paar Wanderer aus Obergünzburg bei Kaffee und Keksen. Die Windbeutel haben sie schon vorab zuhause verzehrt. Die Windbeutel ersetzt jetzt das laue Vorfrühlingslüftchen. Und egal ob von Hagmoos oder von Selbensberg aus – das nächste Ziel ist der Weiler Burk. Hier rücken die Ammergauer und Tannheimer Berge noch etwas näher. Zwei wanderfreudige Damen genießen die Sonne und philosophieren über den Frühling und das, was bereits blüht: Winterlinge, Zaubernuss, Schneeglöckchen, Buschwindröschen, sogar Palmkätzchen und natürlich die „Blaublümle“; wohl eine Art Leberblümchen. Nur Meisen lassen sich in diesem Frühjahr keine blicken, bedauern die beiden und geben den vielen Krähen die Schuld daran.

Zurück nach Bertoldshofen geht es von Burk dann ein Stück auf dem nun gut markierten Prälatenweg. Damit Sie auf der gut dreistündigen Korbsee-Runde nicht „in den Wald kommen“, sollten Sie die Kompass-Karte Ostallgäu-Kaufbeuren (Nr.188) dabeihaben, und zwar die neueste, denn in der alten Kompasskarte ist die Korbsee-Runde noch mit Nr. 13 markiert – diese Markierung besteht aber nicht mehr! Wenn Sie öffentlich anreisen möchten: Vom Bahnhof Marktoberdorf ist Bertoldshofen entweder in knapp zehn Minuten mit dem Bus (RBA Nr.53 Marktoberdorf-Bidingen) oder zu Fuß durch die Stadt und kurfürstliche Lindenallee zu erreichen – das sind dann aber noch einmal gut zwei Stunden Gehzeit mehr.

Karte: Bertoldshofen

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Karte: Bertoldshofen


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