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Im Kopfeichenland am Hetzleser Berg Eine Rundwanderung durch hugenottische Baumkultur

Haben Sie schon einmal etwas vom Kopfeichenland gehört? Es liegt am Rande der Fränkischen Schweiz, genauer gesagt am Hetzleser Berg. Rund 1100 Kopfeichen gibt es dort, die in den vergangenen Jahrhunderten regelmäßig beschnitten wurden, denn die Rinde der neuen Austriebe diente als Gerbstoff für Tierhäute.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 16.05.2020

Eine Rundwanderung durch hugenottische Baumkultur | Bild: BR; Ulrike Nikola

Ganz nebenbei ist dadurch in den Stämmen dieser Eichen ein einzigartiger Lebensraum für Insekten entstanden - neues Leben durch Beschneidung und Begrenzung sozusagen. Vor zehn Jahren startete das Kopfeichenprojekt zum Erhalt dieser einzigartigen Bäume, finanziert vom Bayerischen Naturschutz Fond.

Geograph Leo Anwander vor einer offenen Kopfeiche mit Mulm im Innern

Die Kopfeichen am Hetzleser Berg sind in ihrer Qualität deutschlandweit einmalig. Eine Kopfeiche ist aufrechtstehendes, lebendes Totholz. Im Außenbereich verlaufen die Leitungsbahnen, innen befindet sich der Mulm, ein versteckter Lebensraum. Geograph Leonhard Anwander betreut das Kopfeichen-Projekt am Hetzleser Berg für den Landschaftspflegeverband Forchheim. Auf dem Rundwanderweg durch das so genannte Kopfeichenland erklärt er das Wesen dieser besonderen Eichen, die in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder angesägt wurden. Dadurch konnten Pilze an der verletzten Stelle des Baums eindringen und ihn von innen her langsam zersetzen. Der Mulm im Inneren des Baumstamms ist somit das faserig-bröckelige Endstadium der Holzzersetzung – und auch ein idealer Lebensraum für Käfer. Das zersetzte Kern- und Splintholz fressen die Larven von ungefähr 250 Käferarten, die sich hier drin befinden. Mit der Motorsäge sorgt der Landschaftspflegeverband dafür, dass die Kopfeichen wieder regelmäßig beschnitten und die speziellen Lebensräume in den Bäumen somit erhalten werden. Baumpfleger Norbert Mehl rückt den Kopfeichen meist kurz vor dem Austreiben der Blätter mit der Motorsäge zu Leibe, weil man festgestellt hat, dass dies der ideale Zeitpunkt für den Baumschnitt ist.

Typische Kopfeiche mit dickem Stamm und dünnen Ästen

Die Kopfeichen sind gut an ihrem dicken Stamm und den dünnen Ästen zu erkennen. Wer am Hetzleser Berg am Rande der Fränkischen Schweiz durch das Kopfeichenland wandern will, der folgt am besten den 12 Kilometer langen Kulturerlebnisweg mit blühenden Mähwiesen, Hecken, Eichen, Buchen, Ahorn und Streuobstbäumen. Die Artenvielfalt ist riesig, egal ob Insekten und Vögel vom Buntspecht und Neuntöter über den Kuckuck und Pirol bis zum Wendehals oder Wiesenblumen und Orchideen. Es summt, brummt und zwitschert im Kopfeichenland entlang des Kulturerlebniswegs, der mit einem Eichenblatt gut ausgeschildert ist. Von der kleinen Ortschaft Hetzles führt er auf den gleichnamigen rund 550 Meter hohen Berg mit seinem lang gezogenen Plateau. Während der rund dreistündigen Wanderung zeigt sich die Natur in all ihren Facetten.

Eine der 18 Schautafeln am Kulturerlebnisweg - hier zum Thema Hecken

Das Zusammenspiel von Flora und Fauna ist auf 18 Schautafeln erklärt. Da geht es beispielsweise um den Juchtenkäfer, auch Eremit genannt. Dieser mattschwarze Blatthornkäfer ist stark gefährdet, doch am Hetzleser Berg gibt es so viele Exemplare von ihm wie sonst nirgendwo in Bayern. Der Eremit gehört zu den Urwaldreliktarten der Käfer und braucht viel Totholz. Da es aber immer weniger tote Bäume gibt, hat er in den Kopfeichen einen Ersatzlebensraum gefunden. Sein Name ist zudem Programm: Hat er eine Mulmhöhle gefunden, dann bleibt er über Käfer-Generationen da, weil er da alles gefunden hat, was er zum Leben braucht.

Juchtenkäfer auch Eremit genannt

Dieses Schlaraffenland hat der Juchtenkäfer letztlich den Hugenotten zu verdanken. Als sie vor dreihundert Jahren aus Frankreich in die Erlanger Gegend kamen, brachten sie das Wissen um die Beschneidung der Kopfeichen mit. Denn die Rinde der neuen Austriebe diente ihnen als Gerbstoff für Tierhäute. Im Regnitztal gab es viele Gerbereien, die Lederriemen für die Webstühle herstellten. Als die Betriebe nach dem Zweiten Weltkrieg eingestellt wurden, endete auch das Beschneiden der Bäume. Somit drohte der Lebensraum für die Insekten in den Baumstämmen verloren zu gehen. Doch dank des vom Bayerischen Naturschutz Fond geförderten Projekts ist das Kopfeichenland weiterhin ein Juwel für Flora, Fauna und die Wanderer geblieben.

Karte: Der Hetzleser Berg

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Karte: Der Hetzleser Berg


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