0

Der Jocherweg bei Kochel Keltenburg, Kletterfelsen und die Bananen-Betty

Rund 70 Kilometer südlich von München liegt auf 600 Meter Höhe am Rand der Bayerischen Alpen der Kochelsee. Am Kochelsee gibt es viele schöne Wege und Plätze zu entdecken, zum Beispiel den Jocher-Höhenweg mit dem Felsenweg – eine abwechslungsreiche Wanderung.

Von: Chris Baumann

Stand: 03.07.2020

Jocher-Höhenweg: Blick auf „Am Stein“ | Bild: BR/Chris Baumann

Rund 70 Kilometer südlich von München liegt auf 600 Meter Höhe am Rand der Bayerischen Alpen der Kochelsee. Der Name leitet sich vom lateinischen „cocula“ ab, was so viel wie Kopf oder Kegel bedeutet. Auch am Kochelsee, der übrigens im Besitz des Freistaats Bayerns ist, gibt es viele schöne Wege und Plätze zu entdecken, zum Beispiel den Jocher-Höhenweg mit dem Felsenweg – eine leichte und abwechslungsreiche Wanderung trotz der nur achteinhalb Kilometer Länge und knapp 200 Höhenmeter.

Ausgangspunkt der Wanderung ist der Parkplatz am Walchenseekraftwerk in Kochel-Altjoch. Auf dem letzten Stück der Anfahrt gleich nach dem Campingplatz Kesselberg ragt rechts Richtung See eine steile Felswand auf. Dort oben stand einst eine Burg der Kelten, erzählt Wanderführer Günther Stingel, die so genannte „Joch Birg“. Damals lag der Wasserspiegel des Kochelsees gut zwei Meter höher als heute. Erst viel später wurde der See gezielt abgesenkt, wofür auch der Flusslauf der Loisach verändert und ausgebaggert werden musste.

In der Felswand der Keltenburg sind inzwischen viele Kletterer unterwegs, weshalb einem gleich am Beginn der zweieinhalbstündigen Rundwanderung viele Bergsportler mit Helm und Seil begegnen. Viele kommen auch zum Bouldern hierher und finden Routen in vielen Schwierigkeitsgraden. Entlang des Jochbaches geht es nun auf einer Forststraße im Wald etwas steiler bergauf. Der Forstweg am Nordabhang des Herzogstandes ist frisch hergerichtet und deshalb auch mit dem Mountainbike gut zu befahren. Zweimal führt der Jocher-Höhenweg auch durch eine kleine Furt und mit ein paar steile Serpentinen nach Raut hinauf.

In Raut gab es früher eine Rodelbahn, erinnert sich Wanderführer Günther Stingel, auf der in den 1970er-Jahren auch die „Bananen-Betty“ trainiert hat. Bei besagter „Bananen-Betty“ handelt es sich um die Rennrodlerin Elisabeth Demleitner aus Kochel am See. Den Spitznamen bekam sie, weil sie einen futuristisch aussehenden, in die Länge gezogenen Helm trug, der an eine Banane erinnert hat. Elisabeth Demleitner war Weltmeisterin, Europameisterin, sechsmal in Folge Deutsche Meistern und holte bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck Bronze. Die Klimaerwärmung führte dann jedoch zum Rückbau ihrer Trainingsrodelbahn. Vor wenigen Jahren wurden noch die letzten gemauerten Kurven abgetragen, jetzt ist aus dem Gelände eine saftige Almwiese geworden.

Der Rückweg von Raut zum Kochelsee ist als Felsenweg ausgeschildert. Als schmaler Pfad mit Stufen und Seilsicherung führt er direkt an der Felswand ein paar Meter oberhalb des Kochelsees entlang. Wo die Felsen steil in den Himmel ragen, schmiegen sich ein paar verblühte Aurikel in kleine Felsvorsprünge. Auch ein metallisch wirkendes, geriffeltes Rohr fällt ins Auge – das Kabel einer Stromleitung. Als das Walchenseekraftwerk im Bau war, wurde der Weg beleuchtet, damit die Leute von Schlehdorf nicht im Dunkel zur Baustelle gehen mussten. Am Ende der kurzweiligen Rundtour über Jocherweg und Felsenweg bietet sich dann noch als krönender Abschluss ein herrlicher Blick auf den Kochelsee, auf das Kloster St. Tertulin in Schlehdorf und auf die Loisach-Kochelsee-Moore, die den See zum Alpenvorland hin begrenzen.

Karte: Kochelsee

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Kochelsee


0