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Der Naturpark Weißensee in Kärnten Naturnähe und Nachhaltigkeit inmitten der Gailtaler Alpen

Der Weißensee in Kärnten ist ein Gegenbeispiel zum Starnberger See: Zwei Drittel des 23 Kilometer langen Seeufers sind unverbaut; der See liegt im gleichnamigen Naturpark und es wird viel dafür getan, den Naturcharakter zu erhalten.

Von: Georg Bayerle

Stand: 03.07.2020

Naturpark Weißensee: Im Hintergrund sind die Berge der Kreuzeckgruppe zu sehen | Bild: BR/Georg Bayerle

Als 1946 mit dem legendären „Schwammerl-Paragraphen“ das freie Betretungsrecht der Natur in der Bayerischen Verfassung verankert wurde, dienten die großen eiszeitlichen Seen, insbesondere der Starnberger See, als mahnendes Beispiel, denn sehr viel frei betretbare Natur war schon damals nicht mehr vorhanden. Der Weißensee in Kärnten ist da ein Gegenbeispiel: Zwei Drittel des 23 Kilometer langen Seeufers sind unverbaut; der See liegt im gleichnamigen Naturpark und es wird viel dafür getan, den Naturcharakter zu erhalten.

Eines der schönsten Seegrundstücke, von Schilf gesäumt und direkt am grünblauen See gelegen, mit ergrautem Bootshaus aus Holz, besitzt Martin Müller. Der Fischer geht auch mit Touristen zum Angeln. Die Felchen oder Renken heißen hier Reinanken. Der Prachtfisch des Weißensees aber war die Seeforelle, die knapp einen Meter lang werden kann. Im sprudelnden Wasser der Fischbecken züchtet Martin Müller Besatzfische.

Nachzucht der typischen Seeforellen

Vor 40 Jahren waren die silbernen Seefische mit den schwarzen Punkten im Weißensee ausgestorben – vermutlich verdrängt von vom Menschen eingeführten Arten wie Hecht, Flussbarsch und Zander. Der schwimmende Silberpfeil, die Seeforelle, aber war ursprünglich der einzige Raubfisch und schon im Mittelalter berühmt, als in einer Urkunde des Bistums Brixen der Weißensee mit seiner Fischerei erstmals erwähnt wird. Als studierter Fischökologe ist Martin Müller ein Meister seines Fachs - so wie Michael Winkler ein paar Häuser weiter mit seinem Bootsbau. Er hat noch die traditionellen Zillen im Programm, mit denen früher gefischt wurde.

Bootsbauer Michael Winkler

Eine Bootsfahrt in die Osthälfte des Weißensees eröffnet eine ungewohnt natürliche Szenerie des je nach Lichteinfall türkisblau bis olivgrün schimmernden Wassers. Auf 930 Meter Höhe erstreckt sich der See fjordartig zwischen den bewaldeten Berghängen der Gailtaler Alpen. Der 2006 gegründete Naturpark bildet den Leitfaden für die Entwicklung, die entscheidende Weichenstellung geschah aber schon in den 1970er-Jahren, als eine geplante Durchfahrtsstraße endgültig abgelehnt wurde. Bis heute werden traditionelle und hochwertige Arbeitsweisen gepflegt, wie zum Beispiel der Holzbau aus Lärche, betont Bürgermeister Gerhard Koch.

Auch in der Tourismusentwicklung setzt der Ort auf Nachhaltigkeit: Wachstum soll es nicht durch neue Betten, sondern durch eine bessere Auslastung der vorhandenen Kapazitäten geben. So bildet der Naturpark Weißensee zum einen wegen seiner seltenen Natürlichkeit inmitten der hier bis 2000 Meter hohen Gailtaler Alpen eine Besonderheit, zum anderen auch als Modell einer naturnahen und nachhaltigen Kulturlandschaft. Alte Traditionen tragen zu einem modernen und zugleich naturnahen Lebensstil bei.

Karte: Naturpark Weißensee

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Karte: Naturpark Weißensee


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