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Wandern in der Emilia-Romagna Von den Hügeln ins Po-Delta

Die Emilia-Romagna bietet mit ihrer reizvollen Hügellandschaft Wanderern eine große Vielfalt, doch das Po-Delta bleibt völlig zu Unrecht links liegen. Weiße Pferde, rosa Flamingos, versteckte Klöster und zuweilen zäher Nebel sind typisch für diese durchaus etwas geheimnisvolle Region.

Von: Bernd-Uwe Gutknecht

Stand: 13.02.2020

Emilia-Romagna: Im Po-Delta tummelt sich eine der größten Flamingo-Populationen Europas | Bild: BR/Bernd-Uwe Gutknecht

Italien ist das Partnerland auf der diesjährigen Reisemesse f.re.e, die am kommenden Mittwoch in München beginnt. Wir vom Rucksackradio werden am Freitag, 21. Februar auf der BR-Bühne dabei sein.

Die Emilia-Romagna beispielsweise bietet mit ihrer reizvollen Hügellandschaft gerade Wanderern eine große Vielfalt, doch das Po-Delta bleibt völlig zu Unrecht links liegen. Weiße Pferde, rosa Flamingos, versteckte Klöster und zuweilen zäher Nebel sind typisch für diese durchaus etwas geheimnisvolle Region. Zu den kulinarischen Spezialitäten des Po-Deltas gehört der Aal. Gute Freunde werden wir nicht mehr, der Aal und ich, obwohl ich ihm alle Chancen gegeben und ihn in allen Varianten probiert habe: mariniert, paniert, frittiert, gebraten, gegrillt - aber nein, dieses fettige, ölige, modrig schmeckende, schlangenartige Lebewesen ist nicht mein Ding, da konnte mir Davide im Aal-Museum in Comacchio Appetit machen wir er wollte.

Rucksackradio-Reporter Bernd-Uwe Gutknecht und der pensioniert Fischer Carletto

So bin ich dann lieber dort wandern gegangen, wo die Aale leben: in bzw. an den mäandernden Kanälen des Po-Deltas. Hier vermischen sich Salz- und Süßwasser und dieses Brackwasser lieben die Aale. Entlang dieser Kanäle haben die Fischer seit Jahrhunderten die so genannten Casoni gebaut, einfache Fischerhütten, in denen sie oft tagelang übernachtet haben, wie mir der pensionierte Fischer Carletto erzählt. Bis zu 40 Personen finden in so einer Fischerhütte Platz. Noch in den 1950er-Jahren waren sie jeden Tag bewohnt von den Fischern. Mit seinem Fischerboot schippert mich Carletto durch sein Revier, wo er Süßwassershrimps, alle möglichen Fische und eben Aal fängt. Die Arbeit ist hart, resümiert er, man steht viel im Wasser, es regnet, es ist kalt und windig oder heiß und stickig, aber die Freiheit ist unbezahlbar. Man ist immer draußen an einem Ort, an dem viele Urlaub machen und bekommt auch noch Geld dafür.

Viele Besucher kommen zum Birdwatching ins Po-Delta: Austernfischer, Haubentaucher, Turmfalken, Schleiereulen und Stelzenläufer lassen sich beobachten – und Flamingos! An die 15.000 Flamingos leben hier: In den 1990er-Jahren sind sie von der Camargue hierher geflogen, weil es dort nicht mehr genügend Fisch zu fressen für sie gab. Inzwischen gibt es im Po-Delta eine der größten Flamingo-Populationen Europas.

Die Lagune dient auch als Nordic-Walking-Paradies

Mit Wanderführer Pietro, der früher ebenfalls als Fischer gearbeitet hat, wandere ich einen Tag durch das Delta. Auf schmalen Pfaden geht es durch die alte Saline, wo Meersalz gewonnen wird. Da begegnen uns drei Bekannte von Pietro, mit forschem Schritt und Stöcken in den Händen – die Lagune dient auch als Nordic-Walking-Paradies.

Typisch für das Po-Delta ist der Nebel. Wie ein Schleier liegt er über der Lagune. Als wir in der so genannten „Oasi di spiaggia Romea“ herumstaksen, tauchen wie aus dem Nichts weiße Pferde aus dem Nebel auf. Sie sind alle hier draußen im Freien geboren, die Stuten leben bereits in der dritten Generation im Delta. Die Bedingungen sind optimal für sie, weil sie ganz ähnlich wie in ihrer Heimat in der Camargue sind. Als Wildpferde besitzen sie einen sehr feinen Charakter, aber arbeiten wollen sie nicht immer, man muss auf sie warten. Arbeiten heißt, Besucher auf dem Rücken durch die Sumpflandschaft tragen. Oft haben Sand, Meer und Himmel die gleiche blau-beige Farbe. Wenn alles im Nebel verschwimmt, mutet die Landschaft sehr mystisch an.

Mystisch im Nebel

Wer Mystik im Po-Delta sucht, der sollte unbedingt auch das Kloster von Pomposa aufsuchen, das sich oft wochenlang im dichten Nebel versteckt. Drinnen warten spektakuläre Mosaike und Fresken auf den Besucher. Klosterschwestern und Mönche wie Padre Stefano haben sich überdies zur Aufgabe gemacht, verlassene und verfallene Klöster und Kirchen im Delta wiederaufzubauen.

Karte: Emilia Romagna

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