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Auf den Hirschenstein im Arberland Ein Schuhfleck, vier Wege und ein Aussichtsturm

Viele Wege führen auf den 1095 Meter hohen Hirschenstein, einen der schönsten Aussichtsberge im Bayerischen Wald. Der Schuhfleck auf halber Höhe gilt als größter Wanderwegknoten weit und breit. Gleich neun Wege treffen an diesem „Stachus“ im Bayerwald zusammen, von Bernried, Kalteck oder Sankt Englmar.

Von: Christoph Thoma

Stand: 04.07.2019

Hirschenstein: Endlos weit der Blick | Bild: BR/Christoph Thoma

Einer der angenehmsten Wege auf den Hirschenstein – und zugleich wohl einer der „geheimsten“ und unbekanntesten – führt von Achslach aus auf dem Vorwald-Gipfel mit seiner exponierten Lage. Jetzt im Juli sind bald die Heidelbeeren reif und es gibt auch schon die ersten Schwammerl. Der Tausender-Berg im niederbayerischen Landkreis Regen ist auch hervorragend für heiße Sommertage geeignet, weil es an kühlen Bächen entlanggeht und der Aufstieg durch schattigen Buchenwald führt.

600 Meter über dem Meer liegt der Ferienort Achslach im Bayerischen Wald. Der Hirschenstein ist schon von weitem wegen seiner markanten Felskante erkennbar. Das Gasthaus „Am Hirschenstein“ ist ein idealer Startpunkt für den Aufstieg über gut 500 Höhenmeter. Der Wanderweg Nummer 4 führt direkt am „Happy Hirsch“-Biergarten und am Wildgehege vorbei. Von hier aus sind es nur noch ein paar hundert Meter bis zur Waldgrenze.     

Reste des Schneebruchs vom März 2019

Eine Gruppe von Frauen und Männern hat sich zusammengefunden, um früh am Morgen rasch die üppigen Blumenwiesen hinter sich zu lassen und in den Hochwald einzutauchen. Keine Fichten oder Tannen findet man hier, wie so oft im Bayerischen Wald: „Buchenwald ist hier von alters her zuhause“, sagt Wanderführer Rudi Raffler. Markierung Nummer 4 leitet zum Hirschenstein. Die erste halbe Stunde ist steil, und man sieht rechts und links des Weges das Chaos liegen, das der Schneebruch im März dieses Jahres hinterlassen hat. Die Wanderwege sind freigeschnitten, aber es bleibt immer noch viel zu tun. Der hell sprudelnde Quell-Bach neben uns lädt dazu ein, sich zu laben und die Trinkflaschen aufzufüllen.

Nach einer knappen Stunde, vorbei an einer sehr alten Marienfigur, die in einer engen Höhle zwischen zwei Buchenstämmen versteckt bzw. eingesperrt ist, verführt uns eine Erfrischung anderer Art. Jetzt im Juli werden nämlich die Heidelbeeren reif. Jeder der Einheimischen hat da seinen ganz privaten Lieblingsplatz, um das Rohmaterial für den beliebten „Heidelbeer-Datschi“ (Hoaberl-Datsch) zu sammeln.

Gabi Wittenzellner arbeitet für die Volkshochschule. Die besondere Geschichte des Hirschensteins hat es ihr als ehrenamtlicher Bürgermeisterin besonders angetan, denn der Berg war ursprünglich im Niemandsland und gehörte zu keiner Gemeinde. Erst mit der Entscheidung, dass das Forsthaus Ödwies zu Achslach gehören soll, wurde der Hirschenstein in drei Gemeinden aufgeteilt: Bernried, Achslach und Schwarzach. Jedes Jahr im Herbst gibt es von allen Seiten auf allen Wegen eine „völkerverbindende“ Ziel-Wanderung zum Hirschenstein.

Auf der Aussichtsplattform

Wir tauchen durch ein paar Sonnenflecken, hören den Kuckuck schreien und kommen an einer Lichtung mit üppig blühenden violetten Lupinen vorbei. Einmal rasch gebückt und es geht schon wieder ums Essen: Früh im Jahr gibt es nämlich heuer im Bayerischen Wald schon die ersten Schwammerl – also Pilze, die hier anders heißen als im übrigen Bayern. Zum Stein- oder Herrenpilz sagt man hier „Woizerl“, zum Pfifferling „Rehgoiß“ und zum Birkenpilz „Keihbeisserl“. Kein Wunder, dass nach diesem kleinen Sprachkurs bei der nächsten Trinkpause Schwammerl-Rezepte ausgetauscht werden. Das Steigtempo ist von Rudi achtsam gewählt, so dass man beim Gehen noch gut ratschen kann. Dann geht es an einem Bach entlang, der sich seltsam – fast wie ein Gürtel - um den Hirschenstein legt: Der Mühlgraben ist schon seit 1620 bekannt und stellte früher die Wasserversorgung von Schwarzach dar. Er läuft fast waagrecht um einen Großteil des Berges herum und mündet in den Rettenbach. Der Mühlgraben-Wanderweg wurde erst 1983 eröffnet und hat sich schnell zu einem beliebten Rundweg entwickelt.

Am Forsthaus Ödwies, einer Waldkapelle und einem bunten Bienenhaus vorbei, ist nach zweieinhalb Stunden der Gipfel des Hirschensteins erreicht. Die Wendeltreppe im Aussichtsturm bringt uns auf über 1100 Meter. Das Panorama ist entsprechend! Die Aussicht reicht im Osten vom Großen Arber, dem „König des Bayerischen Waldes“, bis zum Dreisessel und zur tschechischen Grenze, im Süden ist hinter dem Silberast der Donau der flache Gäuboden von Deggendorf bis Straubing zu sehen. Bei guter Wetterlage, vor allem bei Föhn, sind manchmal sogar die Alpen vom Dachstein bis zur Zugspitze auszumachen. Hinweis-Schildchen am Turmgeländer erklären dem Besucher, welche Berge und Orte zu erkennen sind.

Die Rucksackbrotzeit schmeckt am Hirschenstein

Ein Wirtshaus findet man keines am Hirschenstein, aber die Rucksack-Brotzeit schmeckt köstlich, auch weil die Aussicht so fantastisch ist. Häufig kommt es vor, nicht nur wenn der leidenschaftliche Sänger Rudi Raffler Wanderführer ist, dass vor dem Abstieg auf dem Goldsteig in Richtung Achslach ein paar stimmgewaltige Waldler hier heroben spontan ein Lied anstimmen, zum Beispiel die „Nationalhymne“ des Bayerischen Waldes: „Mir san vom Woid dahoam!“

Karte: Hirschenstein

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Karte: Hirschenstein


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