12

Auf den Staffel in der Jachenau Bayerischer Voralpen-Gipfel überm Nebelmeer

In den vergangenen Jahren kristallisiert sich der November auch bei uns immer mehr zu einem wunderbaren Wandermonat heraus. Wenn es trocken, sonnig und föhnig ist, werden selbst die kleineren Gipfel der bayerischen Voralpen werden zu Fluchtorten, um aus dem Nebelmeer ins Gipfelmeer zu gelangen. Ein ideales Ziel für solche Tage ist der Staffel in der Jachenau.

Von: Georg Bayerle

Stand: 08.11.2019

Hoch über der Jachenau schweift der Blick zum Herzogstand | Bild: BR/Georg Bayerle

Die besondere Atmosphäre passt zur Stimmung, wenn das Jahr allmählich auf die Zielgerade geht. Das spüre ich an der kühlen Frische, die jetzt in der Luft liegt und dem Duft der schweren, leicht süßlichen Kompostaromen des späten Herbstes. Der Bergbach plätschert nicht aufgeregt sprudelnd, sondern eher verschwiegen, geheimnisvoll unter Blättern, zwischen Ästen.

Wolkenspiele im Föhn

Ein größeres alpines Ziel habe ich nicht in dieser Jahreszeit; es geht um andere Dinge und so schaue ich an einer Weggabelung auf einem Sattel am Westaufstieg auf den Staffel auf die Wegschilder und werde prompt angesprochen: Sibylle ist mit ihrem Mann unterwegs und wenn sich jemand suchend umblickt, dann bietet sie Hilfe an, denn seit vielen Jahren leben sie in der Jachenau. Auch ihnen geht es einfach nur darum, die Landschaft in diesem Spätstadium des Jahres zu erleben, wenn es einsam und still wird auf den Wegen und man abseits der ausgetretenen Pfade die eher kleinen und verschwiegenen Dinge entdecken kann.

Ein Birkhuhn nutzt die Stille für sich ...

Eine ganze Staffelei von Baumpilzen führt ihr unscheinbares, aber offenbar sehr nahrhaftes Dasein an einem morschen Stamm. Entkleidet vom Laub und vom Grün, wirkt die Landschaft nackter und uriger. Oben gibt es einen herrlichen Almboden, die Staffelhütten – nicht zu verwechseln mit der am Berghang gegenüberliegenden Staffelalm mit den Wandskizzen von Franz Marc! Der Almboden ist so still jetzt, dass mehrere Birkhühner den Weg kreuzen, und dann zwei Wanderinnen, die den Alltagsstress weit unten zurückgelassen haben und jetzt beim Gehen ein persönliches Problem besprechen, das eine der beiden plagt. Sie hat es ein Stück weit geklärt in dieser freien und ruhigen Stimmung, einer Atmosphäre der Klarheit und Stille, wo die Tour zum Medium wird, um etwas in sich zu bereinigen.

Oben dann schweift der Blick über diese in sich ruhende, unaufgeregte Landschaft. Dann taucht an der kleinen Felsstufe unterhalb erst ein Kopf auf, dann noch einer und noch einer. Schließlich sind es 21 Köpfe - es ist der Monatsausflug von Wolfram Liebscher mit den Mitgliedern des Gay Outdoor Club. Die heitere Gruppenatmosphäre umgibt jetzt den Berggipfel. Wolfram, der Tourenleiter, wusste am Morgen selbst noch nicht, wer alles mit dabei ist.

Gipfeltreffen

Die Tour wird ausgeschrieben und wer in der Sektion mag, kommt zum Bahnhof, dann geht es mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Berge. Sechs Stunden reichen aus, um mit dem Abstieg auf der anderen Seite eine schöne Rundtour über den Staffel zu unternehmen. Er ist ein idealer Novemberberg, weil er auch bei nicht so gutem Wetter oder Schnee zu begehen ist. Kaum ein Geräusch klingt im Wald, der jetzt durchlässig geworden ist. Eine besondere, stille Zeit hat begonnen.

Karte: Jachenau

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Jachenau


12