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Heilig-Wasser-Tour am Patscherkofel Wandern und wallfahrten im Zeichen der fünf Ringe

Innsbruck ist die größte Stadt in Tirol. Nur einen Steinwurf entfernt steigen die Berge auf über 2000 Meter Höhe an. Richtung Brenner liegt der Patscherkofel und an seiner Flanke auf 1280 Meter Höhe die Wallfahrtskirche Heilig Wasser samt gleichnamigen Gasthaus. In Patsch beginnt eine kleine, aber feine Wanderrunde: 10 Kilometer und 650 Höhenmeter.

Von: Chris Baumann

Stand: 24.07.2021

Wandern und wallfahrten im Zeichen der fünf Ringe | Bild: BR; Chris Baumann

Zunächst geht es durch das kleine Dorf Patsch steil den Berg hinauf. Am Ortsende führt der Föhrenweg in den schattenspendenden Wald. Auf die Föhren folgen später Fichten und Latschen. Immer wieder rauscht ein Bächlein neben dem Weg, hin und wieder muss man es sogar durchqueren. Der angenehm schattige Föhrenweg wird schmaler und schließlich zu einem grasbewachsenen Pfad. Auch Reinhold Sigl ist hier gerne unterwegs. Den Pressesprecher von Stift Wilten, zu dem die Kirche Heilig Wasser gehört, begeistert auch stets der Blick auf die formschöne Pyramide der Serles.

Zuerst ist der Föhrenweg noch breit

Der Föhrenweg mündet in eine Forststraße. Auf der rechten Seite steht auf einer Waldlichtung die kleine Magdalena-Kapelle. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie von Kriegsheimkehrern neu erbaut. Nun geht es auf einem Almweg unter der neuen Patscherkofelbahn hindurch zur Igler Alm. Aber wo ist die Almhütte? Almbauer Josef Fankhauser erklärt, dass sie abgebrannt ist und jetzt täglich ein Landwirt aus dem Tal herauffährt und nach den Tieren schaut. Dabei fährt der Josef nicht jedes Mal mit dem lauten Traktor oder Quad die 500 Höhenmeter von Igls zur Alm hinauf, sondern nimmt meist das E-Bike. Der Ausblick von der Alm auf die Innsbrucker Nordkette fasziniert ihn stets von Neuem.

Die Igler Alm, die abgebrannt ist…hier steht das Erinnerungsmonument für die Sportler der Olympischen Spiele in Innsbruck von 1964 und 76

Nahe der Alm sind unter einem Holzkreuz auf einem Felsen die Olympischen Ringe zu sehen. Der Igler Sportverein hat sie zu den Olympischen Spielen in Innsbruck 1964 aus Eisen geformt und hier angebracht. Vom „olympischen Feuer“ geht es dann hinab zum „heiligen Wasser“ - zur Wallfahrtskirche und zum dazugehörigen Gasthof. Die Gebäude schmiegen sich auf einem terrassenartigen Band an die steile Flanke des Patscherkofels. Reinhold Sigl kennt natürlich die Sage, die sich um die Entstehung der Kirche rankt: So sollen einst zwei Hüttebuben hier unterwegs gewesen sein und sechs Kühe verloren haben. In ihrer Not beteten sie zur Gottesmutter Maria, die ihnen daraufhin erschienen ist, sie zu den Kühen geführt und ihnen aufgetragen hat, ihr zu Ehren an dieser Stelle eine Kapelle zu errichten. An der Kapelle entspringt auch eine Quelle, eben das „Heilig Wasser“, dem eine heilende Wirkung zugeschrieben wird. Das erste Wunder ist im Jahr 1651 bezeugt. Damals soll einer der beiden Hütebuben mit einem fünf Jahre alten taubstummen Buben zur Quelle gegangen sein. Danach konnte das Kind angeblich wieder sprechen und hören. Als die hölzerne Kapelle abgebrannte, wurde 1661 vom Wiltener Abt dann eine Kapelle aus Stein errichtet, und bald kam zur Wallfahrtskirche auch ein Gasthof hinzu, der ebenfalls zum Stift Wilten gehört.

Die Kirche Heilig Wasser mit dem „Heilig Wasser Brunnen“ (rechts)

In den 1920er Jahren wurde die Patscherkofelbahn gebaut, es kamen immer mehr Touristen und Wallfahrer und so wurde der Gasthof bis zur heutigen Größe erweitert. Emilie Koll aus Patsch und Sommelier Manuel Schwaiger aus Igls bewirten die Gäste mit Tiroler Schmankerln – eine gute Grundlage für die feinen Weine, die hier ausgeschenkt werden. Gefragt sind vor allem die hausgemachten traditionellen Kartoffelblattln mit Sauerkraut und Speck. So ist Heilig Wasser am Patscherkofel eine Kraftstätte in doppelter Hinsicht! Zurück ins Tal nach Patsch geht es dann auf dem Kreuzweg.


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