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Wandern und wallfahren auf den Spuren des Volksheiligen Auf dem Gunther-Steig im Bayerischen Wald

Rinchnach im Naturpark Bayerischer Wald hatte schon vor 1000 Jahren Bedeutung: Ausgehend vom Benediktiner-Kloster, das bis heute das Ortsbild prägt, sind große Teile des Arberlandes christianisiert worden. Gegründet wurden Ort und Kloster Rinchnach 1012 vom Niederalteicher Mönch und Eremiten Gunther, der nach seinem Tod anno 1045 in Dobra Voda – Gutwasser - zum „Volksheiligen des Böhmerwaldes“ wurde und gleichermaßen in Bayern und Tschechien verehrt wird.

Von: Christoph Thoma

Stand: 08.06.2019

Wandern und wallfahren auf den Spuren des Volksheiligen | Bild: BR; Christoph Thoma

Der „St.-Gunther-Steig“ ist eine beliebte Pilger- und Wanderroute, die auf den Spuren sowohl des Missionars als auch der Salzsäumer und Kaufleute von Niederalteich im Landkreis Degendorf in vier Etappen durch den Bayerischen Wald hinein nach Böhmen führt. Auch die Rodung und Erschließung des Mittleren Bayerischen Waldes nahm – wie auch das christliche Leben und Wirken in diesem Gebiet – ihren Ursprung in Rinchnach.

Innenraum der Kirche von Rinchnach

Die Wanderung auf dem Gunther-Steig beginnt in einer der schönsten Kirchen Bayerns. Kein Geringerer als der berühmte Wessobrunner Baumeister Johann Michael Fischer schuf das barocke Kleinod über der Zelle des Heiligen Gunther. Die heutige Barockkirche, die einzige Kuppelkirche des Bayerischen Waldes, geht baulich auf die erste aus Stein errichtete Rinchnacher Kirche zurück, die 1438 geweiht wurde. Grundstruktur, Kreuzgang und Umfassungsmauern der Kirche sind also fast 600 Jahre alt. Josef Dengler vom Gunther-Verein erzählt, dass an einem Altar im hinteren Seitenschiff Cosmas Damian Asam die „Sterbestunde des Heiligen Gunther“ dargestellt hat.

Bildnis des Heiligen Gunther

Gunther war ein thüringischer Gaugraf. 1005 entsagte er dem weltlichen Leben und trat dem Benediktinerorden bei. Seinen Besitz übertrug er der Abtei Hersfeld und dem Kloster Göllingen. Nach einer Pilgerreise nach Rom wurde Gunther 1006 Novize im Kloster Niederalteich. 1008 ging er als Einsiedler in den Bayerischen Wald und lebte zunächst bei Lalling auf dem Ranzingerberg. 1011 zog Gunther mit einer Gruppe von Benediktinern tiefer in die Wälder des Gebirges, um dort ein Kloster zu errichten. Nach acht Jahren Arbeit waren die Rodungsarbeiten und der Bau soweit abgeschlossen, dass Kirche und Kloster Rinchnach am 29. August 1019 geweiht wurden – 2019 ist somit ein Jubiläumsjahr in Rinchnach. Mit Gunther-Volksfest und Gunther-Wallfahrten feiert man 1000 Jahre Kirchweih.

Im hohen Alter gab Gunther 1040 die Leitung des Klosters ab, das Heinrich III. dann dem Kloster Niederalteich übereignete. Gunther wanderte weiter in den Böhmerwald und ließ sich in einer unbesiedelten Gegend am Salzsteig im Böhmischen Becken als Einsiedler nieder. In seiner Einsiedelei unterhalb des Guntherfelsens (Vintířova skála) am 1006 Meter hohen Gunthersberg (Březník) bei Gutwasser (Dobra Voda, Gemeinde Hartmanice) starb er am 9. Oktober 1045. Gunthers Gebeine liegen im Prager Veitsdom.

Der „Gunther-Steig“ führt von Niederalteich über Lalling nach Rinchnach und überwindet den Grenzkamm ins Böhmische Becken. Reinhold Ertl empfiehlt Wanderern, sich vor dem Aufbruch zu Etappe drei noch ein wenig in Rinchnach umzusehen. Da gibt es nämlich einen historischen Rundweg, der die Besucher zu den Orten bringt, an denen früher die Meierei, also der Bauernhof des Klosters stand, ebenso zu den Werkstätten von Schuster und Schmied, insgesamt zu 25 historischen Orten. So wird klar, welche Größe die Klosterburg Rinchnach in ihrer Blütezeit hatte. Elisabeth Unnasch, die für das „Arberland“ den Gunther-Steig betreut, zeigt uns am Ende des Rundwegs die Abzweigung zum eigentlichen Pilgerweg. Er führt von der Propsteigasse steil nach links hinauf, am Rathaus vorbei und erreicht dann einen sanften Wiesenweg, der sich allmählich bergaufwärts windet.

Unbefestigte Wanderwege

88 abwechslungsreiche Kilometer ist der „Gunther-Steig“ insgesamt lang, aufgeteilt in vier gut machbare Tagesetappen. Von Rinchnach bis Lindberg bei Zwiesel sind es 21 Kilometer uns gut fünf Stunden Gehzeit. Nach einer knappen Stunde, immer sanft bergauf, gibt es ein richtiges Theater: eine Freilichtbühne in einem aufgelassenen Steinbruch. Wenn hier das „Gunther-Spiel“ gezeigt wird, werden über 100 Mitwirkende aufgeboten. Eine Stunde später, an einer markanten Holzskulptur, treffen wir auf einen Mann beim Rasenmähen, der es gewohnt ist, dass Wanderer ihn nach dem Weg fragen. Von hier aus, so erklärt er, sind es noch gute 45 Minuten bis zum „Gunter-Kircherl“, das im Volksmund wegen einer kleinen, als wundertätig beschriebenen Quelle nahe der Apsis, auch „Frauenbrünnl“ genannt wird. Der Weg ist angenehm zu gehen, weil unbefestigt, ohne Asphalt. Er schlängelt sich durch blühende Wiesen, vorbei an bunten Bienenkörben, hinein in den schattigen Hochwald. Der Aufstieg zur Wallfahrtskirche ist nur am Ende ein wenig steiler.

Blick zurück auf den Weg

Das Kirchlein steht exakt an der Stelle, an der die Geschichte Rinchnachs ihren Anfang nahm. Östlich von Gehmannsberg, mitten im Wald, hatte Gunther ab 1011 seine Einsiedelei. Nach einem lebensbedrohend strengen Winter gründete er mit weiteren Mönchen aus Niederalteich im Tal des Baches „Rinicha“ Ort und Kloster Rinchnach. Eine Besonderheit ist die Glasskulptur neben dem Hochaltar: Es handelt sich um eine ungewöhnliche 15. Kreuzwegstation. Sie zeigt die „Auferstehung Christi“. Schöpferin ist die tschechische Bildhauerin Vladena Tesarova. Die vierzehn Stationen des Leidenswegs befinden sich in der Kapelle von Dobra Voda (Gutwasser) in Tschechien, wo Gunther als Einsiedler gestorben ist und wo der „Gunter-Steig“ zu Ende geht. Wieder auferstanden ist die uralte, grenzüberschreitende Wallfahrt auf dem Gunther-Steig erst seit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Bevor wir weiterwandern, lockt noch die Aussichtskanzel über der Kirche. Von hier aus sieht man zurück bis nach Regen und zum Geißkopf. Eine Spielzeug-Landschaft breitet sich unter uns aus wie ein bunter Teppich. Zwischen Wiesen und Feldern können wir zudem genau den Weg verfolgen, den wir heute schon gegangen sind.

Das Gasthaus Mühle

Noch gute zwei Stunden sind es bis Zwiesel. Aber weil gerade Mittag ist und der Gastgarten der „Mühle“ in Zimmerau am kühlen Bach mit kristallklarem Wasser gar so einladend lockt, kommen wir nicht daran vorbei, ohne einzukehren. Wirtin Martina Ertl weiß, was Wanderer so brauchen: Forelle Blau, Krautwickerl, Schnitzel oder Schweinsbraten – ja nach Appetit! Und wer danach - mit vollem Bauch - nicht mehr weiter wandern will: Übernachten kann man in der „Mühle“ auch.

Wer auf dem Gunther-Steig von Niederbayern nach Böhmen wandern oder pilgern möchte, kann auch mit dem ÖPNV anreisen. Von Zwiesel zurück nach Rinchnach kommt man mit dem Linienbus 6199. Informationen zu Übernachtungsmöglichkeiten und Karten gibt es gratis unter www.arberland-bayerischer-wald.de und www.gasthof-muehle.de

Karte: Rinchnach

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Rinchnach


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