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Grenzenlos wandern auf dem Goldsteig Unter dem Grünen Dach Europas im Quellgebiet der Moldau

Seit diesem Jahr gibt es den Goldsteig als „Zlatá Stezka“ auch auf tschechischer Seite. Er führt von Cheb (Eger) bis nach Cesky Budjovice (Budweis). Wanderer können den Grenzübergang Mlaka/Bischofsreut benutzen, um auf dem historischen „Goldenen Steig“ zum tschechischen „Goldsteig“ zu gelangen und nach Südböhmen ins Quellgebiet der Moldau.

Von: Christoph Thoma

Stand: 10.11.2018

Auf dem Goldsteig und Goldsteg | Bild: BR; Christoph Thoma

Mit der Eröffnung des Zlatá Stezka im Sommer 2018 ist ein von der Europäischen Union gefördertes, internationales Wanderwegenetz entstanden, das auf drei Parallelrouten durch den Oberpfälzer Wald, Bayerischen Wald und Böhmerwald führt. Josef Stemberk ist Ranger im Nationalpark Sumava. „Hier beginnt die Wildnis hinter jedem Gartenzaun“, sagt er. Wir haben uns am Grenzübergang Bischofsreut/Mlaka verabredet, um gemeinsam in Richtung Ceské Zleby zu wandern, das einst deutsche Böhmisch-Röhren. Auch hier sind - wie auf bayerischer Seite am Haidel - wieder die alten Saumwege im Wald zu erkennen, dazu auffallend riesige Totholzbäume, die von Spechten besiedelt sind.

Herrlich wild und unbeschnitten – die Natur im Ŝumava

Der Weg windet sich durch den Wald und über Waldweiden gut dreihundert Höhenmeter hinauf - wieder eine Schinderei für die Säumer früher, denn noch sind wir ja auf dem „Goldenen Steig“. An einer Kreuzung treffen wir auf junge Wanderer aus Bayern, die bei Lam über den Osser ins verzweigte Wegenetz des „Goldsteigs“ eingestiegen sind und sich eine ganze Woche lang immer am ehemaligen „Eisernen Vorhang“ entlang bewegen wollen, auf dem „grünen Band Europas“. Sie meinen übereinstimmend, die Eindrücke seien sowohl geschichtlich, wie auch landschaftlich großartig.

Junge Wanderer aus Bayern auf dem „Goldsteig“ mit Nationalpark-Ranger Josef Stemberk

Das erste Dorf auf unserem Weg ist Ceské Zleby. Böhmisch-Röhren. Der Name ist Geschichte, erzählt Josef Stemberk: „Weil die Röhren mit den Granitbrunnen zu tun haben, die schon vor 1000 Jahren als Tränke für die Saumpferde dienten.“ Die Granitbrunnen, ein beschaulicher Friedhof mit tschechischen und deutschen Namen, drei kleine Gasthäuser und Pensionen - das ist Ceské Zleby. Wir wandern von nun an tatsächlich weiter auf dem „Goldsteig“. Das Markierungszeichen ist ein orangerotes „S“, im Unterschied zur bayerischen Route, wo das „S“ knallgelb ist.

Die hölzerne Tusset-Kapelle – am „Goldsteig“

Der „Goldsteig“ verbindend die attraktivsten Punkte und landschaftlichen Höhepunkte in Böhmen. Dazu gehören die Burgruine von Hus, der Aussichtsturm Libin, das Winterberger Schloss, die fast alpenländischen Bauernhäuser von Volary (Wallern) und die ganz aus Holz bestehende Marien-Wallfahrtskapelle Tusset, ein Beispiel volkstümlicher Schnitzkunst. Das kühle Wasser aus der auch im heißen Sommer 2018 nicht gänzlich versiegten Quelle gilt als heilkräftig. Von einem Felsplateau über dem Kirchlein kann man die Alpen sehen. Zur kleinen Waldkapelle unter dem Tusset-Felsen müssen sogar die sportlichsten Mountainbiker zu Fuß hinaufsteigen – auf einem schmalen Wurzelpfad.

Die junge Moldau mäandert durch Südböhmen

Der „Goldsteig“ führt weiter – parallel zum „Goldenen Steig“ – in Richtung Volary an die Warme Moldau und zum „Säumer-Moor“, wo einst Torf abgebaut wurde. Grenzenlos wandern, da wo einst der Eiserne Vorhang die Welten teilte, ist heute zum Glück wieder möglich. Josef Stemberk, der Ranger aus dem Ŝumava, zitiert Adalbert Stifter: "Waldwoge steht hinter Waldwoge, bis eine die letzte ist und den Himmel schneidet."

Der Weg zurück nach Bischofsreut

Auf dem „Goldenen Steig“ und auf dem „Goldsteig“ lässt es sich in Ostbayern und Böhmen grenzenlos wandern, denn man kann die beiden Qualitäts-Wanderwege gut kombinieren. Wanderkarten, Gastgeberverzeichnis und viel Info-Material gibt es gratis beim Tourismusverband Ostbayern in Regensburg unter www.ostbayern-tourismus.de und www.npsumava.cz/de sowie telefonische Auskünfte unter 0941-58539-0

Die Tusset-Kapelle


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