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Wandern auf historischen Handelsrouten der Salzsäumer Auf dem Goldenen Steig am Haidel bei Grainet

Wanderer in den Nationalpark Bayerischer Wald und Nationalpark Ŝumava verwechseln oft die Begriffe: Da ist zum einen vom „Goldenen Steig“ die Rede und zum anderen vom „Goldsteig“. Ersterer ist eine historische Handelsroute, letzterer ein 2000 Kilometer langer Premium-Weitwanderweg unter dem Grünen Dach Europas.

Von: Christoph Thoma

Stand: 10.11.2018

Auf dem Goldsteig und Goldsteg | Bild: BR; Christoph Thoma

Der historische „Goldene Steig“ führt als ausgewiesene Wanderroute von Passau nach Prachatice (Prachatitz) im Böhmerwald und diente einst dem Salztransport. Säumer waren hier mit Tragpferden unterwegs und brachten das Weiße Gold von Bad Reichenhall nach Böhmen.

Säumer aus Holz geschnitzt – am Wegrand

Der Goldene Steig war so etwas wie die Autobahn des Mittelalters. Saumpferde, beladen mit drei Zentner schweren Holzfässern transportierten Salz, Gewürze und Weine von Passau nach Böhmen. Heute ist die Straße der Säumer ein beliebter Wanderweg. Im Gasthaus „Am Goldenen Steig“ in Bischofsreut hat Wirtin Waltraud Ortner immer mal wieder Gäste, die eigentlich auf dem „Goldsteig“ wandern wollen, sich aber versehentlich direkt am „Goldenen Steig“ einquartiert haben. Der „Goldsteig“ ist ein vom Tourismusverband Ostbayern ersonnener Premium-Weitwanderweg, der seit elf Jahren die Nördliche Oberpfalz mit dem Passauer Raum verbindet. Er trägt den Namen einer Käserei in Cham, die in alle Welt exportiert und deren Name auf jeder Käsepackung steht.

Das blaue „S“ steht für Zuweg zum „Goldsteig“

Im 16. Jahrhundert verkehrten wöchentlich 1200 Saumpferde zwischen Passau und Prachatice. Das war die gute Zeit von Bischofsreut oder auch von Grainet, wo Hans Fuchs, Wanderführer und Mitglied im Säumerverein, auf dem Besuch der Pfarrkirche St. Nikolaus von 1538 besteht. Nikolaus ist auch der Schutzpatron der Salzsäumer. „Sam“ nannte man die Last, die den Rössern aufgebunden wurde. Jedes Pferd hatte drei Zentner Salz geladen. Das Gotteshaus bestand schon, als Grainet noch winzig war und nicht mehr als neun Häuser hatte. Mit Gottes Segen machten sich die Säumer also auf den Weg, denn hinter Grainet droht ein steiler Aufstieg im Wald aus dem Graineter Kessel auf den 1167 Meter hohen Haidel - 700 Höhenmeter hinauf.

Fliegende Edelsteine: Schmetterlinge am „Goldenen Steig“

Der „Goldene Steig“ dient als Zubringer-Weg für den „Goldsteig“. Den „Goldenen Steig“. Der „Prachatitzer Steig“ wiederum verbindet die beiden Wege mit einer Wegspanne von etwa 60 Kilometern Länge. Nach gut 200 Höhenmetern und einer knappen Stunde ist am Hochstein im Gelände eine Schanze zu erkennen, die nach den Hussitenkriegen 1611 von Fürstbischof Leopold gebaut wurde, um den Rückzug seines Heeres von Prag nach Passau zu sichern. Hans Fuchs, der oft nachgestellte Säumerzüge nach Prachatice führt, weiß woher die Hohlwege kommen, die einer neben dem anderen nach oben zielen: „Das sind die sichtbaren Reste der einstigen Steige. Menschen und Pferde gingen auf den Säumerpfaden hintereinander. Die Wege gruben sich immer tiefer in den Wald ein. und wenn endlich das Gleis zu tief wurde, eröffnete man daneben einen neuen Weg.“

Das Herz des hölzernen Aussichtsturms am Haidel

Der original „Goldene Steig“ kreuzt gelegentlich Forststraßen, die der Holzabfuhr am Haidel dienen - ein ideales Terrain für Mountainbiker, die sich im Dreiländereck Bayern-Böhmen-Oberösterreich grenzenlos tummeln. Nach zwei Stunden ist der buckelrunde Gipfel des Haidel erreicht. Auf seinem Haupt steht seit zwanzig Jahren ein hölzerner, 35 Meter hoher Aussichtsturm. Die Plattform befindet sich 33 Meter über Grund, so dass die Wanderer genau von 1200 Metern Meereshöhe auf die Wald-Landschaft blicken. Hier kreuzen sich „Goldener Steig“ und „Goldsteig“. Der Goldene Steig führt von Grainet weiter nach Bischofsreut und der „Goldsteig“ auf bayerischer Seite von Phillipsreut über den Haidel in Richtung Haidmühle. 159 Stufen höher hat man eine wunderbare Aussicht nach Vimperk und Kaspersky Hori in Tschechien sowie zum Lusen und zum Rachel auf bayerischer Seite. In Richtung Bischofsreut und Marchhäuser breitet sich nun der Sulzberg aus. Von hier geht es jetzt bergab und vorbei an einer Baustelle. Direkt am „Goldenen Steig“ entsteht nämlich gerade eine Seismographische Horchstation.

Haidel bei Grainet


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