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Wo Jesus übers Wasser ging Wandern von den Golanhöhen zum See Genezareth

Wenn von den Golan-Höhen die Rede ist, dann verbinden sich automatisch Vorstellungen von Krieg und Terror mit dieser Region im Nordosten Israels an der Grenze zu Syrien. In den Golan-Höhen aber entspringt auch der Jordan, der bald darauf in den See Genezareth fließt - und damit sind wir mitten in einem Kerngebiet des Heiligen Lands, wo Jesus nach der Bibel nicht nur über Land wanderte, sondern auch übers Wasser ging.

Stand: 23.04.2021

Wandern von den Golanhöhen zum See Genezareth | Bild: BR; Georg Bayerle

Die Landschaft erweckt den Mythos: In eine senkrechte Felswand ducken sich römische Ruinen. Es sind die Reste der antiken Stadt Banyas, deren Name verrät, dass hier der Naturgott Pan verehrt wurde. Schon de römisch-jüdische Historiker Josephus Flavius erwähnt, dass hier Wasser aus Höhlen kommt – aus Höhlen, die sich in Folge eines Erdbebens gebildet haben. Es ist eine der Quellen des Jordan an einem geographisch herausragendem Platz, sagt Wanderguide Dany Volter. Ein klarer Gebirgsbach sprudelt an verschiedenen Stellen aus dem Gestein.

Hermon, mit 2800 Metern höchster Berg in den Golanhöhen

Bis 2800 Meter Höhe baut sich das Gebirge hier in großflächiger Neigung auf. Von oben schweift der Blick weit hinüber nach Syrien und in den Norden Israels. Seit Jahrzehnten werden die Golanhöhen von der UN kontrolliert. Deshalb kann man auch ohne Bedenken dem gut bezeichneten, zweistündigen Wanderweg folgen. Von einer mittelalterlichen Burg aus der Kreuzritterzeit führt er hinab zur Quelle des Jordan und mitten hinein in die Geschichte des Neuen Testaments. Denn hier unter dem Felsen von Banyas, dem späteren Cäsarea Philippi, hat Jesus die Vorhersehung seines weiteren Weges verkündet und Petrus als den „Felsen“, auf dem er seine Kirche bauen wolle, bezeichnet. An die 50 Kilometer fließt der Jordan von hier in den See Genezareth, den tiefsten See der Erde, der rund 200 Meter unter Meeresniveau liegt und Teil eines geologisches Risses ist, der sich von der Türkei bis Afrika erstreckt.

Der See Genezareth

Der Süßwassersee ist bis zu 50 Meter tief, und es passiert schon immer wieder, sagt Shai, der Kapitän eines motorbetriebenen hölzernen Ausflugsboots, dass es stürmisch ist und – wie schon in der Bibel beschrieben - hohe Wellen anschlagen. Hier also kam Jesus über den See zu den Jüngern. Als bester Speisefisch des See Genezareth, der doppelt so groß wie der Chiemsee ist, gilt der St.-Petersfisch. Heute stammt er allerdings meistens aus Aquakulturen.

Felswand in Banias

Viele Pilgergruppen verleihen der Landschaft, die besonders im Frühjahr nach den Regenfällen des Winters sehr grün ist, ihre besondere Spiritualität - samt den vielen biblischen Geschichten. Als kleiner Hügel, auf den eine Straße führt oder zu Fuß leicht ersteigbar, erhebt sich der Berg der Seligpreisung am Ufer. Hier hat Jesus die Bergpredigt gehalten. Ein Stück weiter unten steht die Kirche der Brotvermehrung, wo die Speisung der 5000 stattgefunden hat. So setzt sich die Geschichte von der Quelle des Jordans bis zum See Genezareth fort und endet schließlich in Jerusalem. Die Landschaft Israels ist archaisch, schimmert farblich zwischen wüstenocker, oasengrün und meerblau, darüber spannt sich ein weiter Himmel. Es ist diese trotz der Extreme besänftigte Urszenerie, in der eine der größten Geschichten der Menschheit geboren wurde.

Karte: Der See Genezareth

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Karte: Der See Genezareth


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