11

Wandern mit Down-Syndrom in Franken Erlebnispädagogik und Eigenverantwortung für junge Erwachsene

Im fränkischen Lauf an der Pegnitz gibt es das Deutsche Down-Syndrom-Infocenter mit der Down-Syndrom-Akademie. Dort können junge Erwachsene lernen, wie man zum Beispiel richtig streitet oder einen Podcast erstellt. Aber nicht nur der Geist soll gefördert und gefordert werden, sondern auch der Körper. Deshalb bietet die Erlebnispädagogin Susanne Abel Wandertage für junge Menschen mit Down-Syndrom an.

Von: Anja Scheifinger

Stand: 15.10.2020

Wandern in Franken mit Down-Syndrom | Bild: BR/Anja Scheifinger

André ist startklar für einen Tag wandern zusammen mit anderen jungen Erwachsenen, die das Down-Syndrom haben. Die beiden Erlebnispädagogen Susanne Abel und Gerhard Huber haben die Führung an André, Moni, Finea, Christian und Enes abgegeben. Sie sind zwischen 25 und 35 Jahre alt und sollen ihren Weg selber auskundschaften, denn Eigenverantwortung, Freiheit und Selbständigkeit sind große Themen bei jungen Erwachsenen mit Down-Syndrom. Oft wird ihnen zu wenig zugetraut. Deshalb geht es um mehr als nur einen Tag Bewegung draußen in der Natur.

Beim Wandern dürfen die jungen Erwachsenen selbst Verantwortung übernehmen.

Ein Blick auf den von Susanne Abel vorbereiteten Spickzettel ist erlaubt. Enes führt zuerst durch Altdorf bei Nürnberg, dann geht es hinaus ins Grüne, vorbei an Apfelbäumen und durch ein Waldstück steil hinab zur Löwengrube, einer Art Höhle, in der nun die Stirnlampen zum Einsatz kommen. Langsam gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit des höhlenartigen, ehemaligen Bierkellers. Es ist absolut still, dazu kühl und feucht, und es riecht nach Erde. Alle Sinne sind hier angesprochen.

Bäume umarmen gibt Kraft und Ruhe

Über Steine und Wurzeln und über eine Holzbrücke führt die Wanderung dann in den Wald hinein. Zeit für eine erste Pause: Erlebnispädagogin Susanne schlägt vor, dass sich jeder einen Baum aussucht, um ihn zu umarmen. Moni, Enes, Christian, Fenea und André werden schnell fündig und bleiben für Minuten bei „ihrem“ Baum stehen. Gestärkt von der Kraft der Bäume und der kleinen Verschnaufpause geht es dann weiter durch den Wald und hinauf auf eine Anhöhe mit Rundumblick. Für Moni ist es besonders schön, die Landschaft ohne Handy zu genießen, nur die Vögel und das Rascheln der Blätter zu hören.

Weil das Draußensein auch hungrig macht, darf eine ausgiebige Picknick-Pause nicht fehlen. Für alle ist die Brotzeit die schönste Zeit: Rucksäcke ab, Sitzkissen raus, den ganzen Proviant auf die Bank. Da liegen jetzt Käse, Hummus, Tomaten, Paprika und Gurken, Salami, Heidelbeeren und Brot - jeder nimmt sich, worauf er Lust hat. Das Essen wurde schon beim morgendlichen Treffpunkt am Nürnberger Bahnhof auf alle Rucksäcke aufgeteilt. Jeder hat etwas für alle getragen, und alle sind stolz darauf. Moni, die in einer Küche arbeitet, schneidet alles in kleine Häppchen, die anderen machen es sich auf ihren Picknickdecken bequem, lassen die Seele baumeln und schöpfen neue Kraft.

Die jungen Erwachsenen mit Down-Syndrom fühlen sich wohl im Wald.

Erlebnispädagogin Susanne ist die Wanderung vor ein paar Wochen zur Vorbereitung schon einmal abgegangen. Sie achtet darauf, dass die Wegbeschaffenheit so ist, dass die jungen Erwachsenen mit Down-Syndrom sich auch wohl fühlen, schon alleine der Motorik wegen. Auch wenn die Gruppe schon viel Sport macht, ist es trotzdem nicht einfach, hinsichtlich Gleichgewicht und Trittsicherheit einen Steig bergab zu laufen.

Mehr als um Motorik geht es um das Zwischenmenschliche. Man lernt sich kennen und voneinander, vergleicht die Sichtweisen auf gewisse Dinge und schließt Freundschaften. Die Augen aller Wanderer leuchten. Nur manchmal kommt ein wenig Nachdenklichkeit auf. Angesprochen auf das Down-Syndrom erzählt André, dass die Leute ihn manchmal seltsam anschauen, was er als Belastung empfindet. Aber, so sagt er: Es gibt eben Menschen die anders sind, Menschen mit und ohne Down-Syndrom, jeder Mensch tickt anders und man sollte immer positiv denken.

Am Ende sind alle erschöpft, aber glücklich!

Der alte Ludwig-Donau-Main-Kanal ist die Zielgerade. 1846 als wichtige Schiffsstraße gebaut, gilt er heute als Erholungsgebiet für Franken und Oberpfälzer. Noch zwei Kilometer, dann ist die insgesamt zehn Kilometer Wanderung geschafft und der S-Bahnhof von Burgthann erreicht. So langsam geht allen ein wenig die Puste aus, doch die Begeisterung ist ungebrochen.

Karte: Burgthann

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Burgthann


11