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Unterwegs in der sakral geprägten Landschaft bei Bühl Weitwandern auf dem Fränkischen Marienweg

Der Mai gilt als Marienmonat, weil in der Natur das neue Leben erwacht. Daher rührt der Vergleich mit der Mutter Gottes, die das neue Leben in sich trägt. Bei einer Wanderung auf dem Fränkischen Marienweg kann man das derzeit in beiderlei Hinsicht erleben, denn die Route verbindet 90 Wallfahrtsorte in Franken und führt durch die Wanderregionen Spessart, Rhön, Haßberge, Steigerwald, Frankenwald, Fränkische Alb und Fränkische Schweiz.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 30.05.2020

Unterwegs in der sakral geprägten Landschaft bei Bühl | Bild: BR; Ulrike Nikola

Ganz neu ist ab diesem Jahr die Erweiterung des Marienwegs in Mittel- und Oberfranken - zuvor verlief der Weitwanderweg nur durch Unterfranken. Die offizielle Eröffnung des nun kompletten Fränkischen Marienweges musste Ende März Corona bedingt entfallen, aber Wandern kann man dort natürlich jederzeit, auch etappenweise wie zum Beispiel im Nürnberger Land zur Pfarrkirche „Mariä Heimsuchung“ in Bühl – ein Ereignis, das hier am 31. Mai zum Abschluss des Marienmonats mit dem Fest Maria Königin gefeiert wird, ansonsten am 2. Juli im deutschsprachigen Kirchenkalender.

Wandermarkierung Fränkischer Marienweg

Franken gilt nicht nur wegen der bekannten Marienwallfahrtsorte Vierzehnheiligen und Marienweiher, als Marien-Land sondern auch wegen der Marienverehrung überall: Madonnen an Hauswänden, Bildstöcke am Weg, Grotten in den Gärten, Kapellen in Feld und Wald – von schlichter Volkskunst bis künstlerisch hochrangigen Werken ist die Landschaft hier sakral geprägt. Historisch wurde Maria als Herzogin von Franken verehrt, denn der Herzog von Franken war der Würzburger Fürstbischof, der natürlich keine Ehefrau haben konnte, weshalb diese Rolle an Maria weitergegeben wurde. Domkapitular Dr. Norbert Jung leitet die Pilgerstelle des Erzbistums Bamberg. Er hat mit einem Projektteam sowie Wandervereinen und dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club die Routen des Marienweges erarbeitet. So kann man den Fränkischen Marienweg sowohl zu Fuß als auch mit dem Rad erkunden. Man folgt dabei der Wandermarkierung, die Maria im roten Gewand mit dem Jesukind auf blauem Grund zeigt. Am Marienweg liegen vor allem kleinere Kirchen und Kapellen, die schon immer von der Bevölkerung in lokalen Bittgängen aufgesucht wurden.

Kruzifix am Wegesrand

Also mache ich mich auf, um im Nürnberger Land eine Tagesetappe auf dem Fränkischen Marienweg zu laufen, und zwar in Richtung Simmelsdorf. Dort thront auf einem malerischen Bergsporn über dem Schnaittachtal die Pfarrkirche Mariä Heimsuchung. Von Schnaittach wandere ich über den Kalvarienberg und unterwegs treffe ich nur eine einzige andere Wanderin, die entspannt die Landschaft genießt.

Marienaltar auf dem Bühl

Wandern ist ja immer auch ein wenig Pilgern, und man muss nicht unbedingt gläubig sein, um die Schönheit der Natur wahrzunehmen, um dankbar dafür zu sein, dass man draußen unterwegs sein kann, frei und unbeschwert. Während ich den Bühler Berg hinauf stapfe, denke ich darüber nach, dass ein Berg von jeher ein Symbol für Gottes Nähe ist. Deshalb stehen auf Bergeshöhen oft Klöster und Kirchen wie hier Mariä Heimsuchung. Pfarrer Josef Czerepak schließt die Kirchentür gerne für Gäste auf und lässt sie hinein – ganz in Sinne der alten Tradition. Ursprünglich war die Pfarrkirche nur eine von Benediktinern im 9. Jahrhundert erbaute Kapelle und zugleich Raststätte für die Wanderer von Eichstätt nach Bamberg. Der golden glänzende Marienaltar zeigt die Mutter Gottes mit dem Jesu Kind auf dem Arm. Um Maria herum stehen ihre Eltern - die Heilige Anna und der Heilige Joachim - sowie ihre Cousine Elisabeth und Zacharias. In der Bibel beschreibt Mariä Heimsuchung den Besuch Marias bei ihrer Cousine Elisabeth. Sie hatte sich auf den Weg gemacht, um ihrer Verwandten beizustehen, die in bereits hohem Alter ein Kind erwartete. Deshalb wenden sich Gläubige in der Not oft an die Mutter Gottes, weil sie als immer hilfsbereit und verständnisvoll gilt. Nach der Rast und Kirchenführung geht es wieder zurück. Die Vögel zwitschern, der Flieder duftet, die Mohnblumen leuchten knallrot, die Luft schmeckt frisch und mein Blick schweift über das grüne Schnaittachtal.

Die ursprünglich für März geplante offizielle Eröffnung des Fränkischen Marienweges musste Corona-bedingt ausfallen, soll aber heuer noch nachgeholt werden. Dann wird es auch geführte Pilgerwanderungen mit Geistlichen und weitere Angebote geben. Mehr Informationen gibt es im Pilgerbüro des Erzbistums Bamberg.

Karte: Die Pfarrkirche Mariä Heimsuchung auf dem Bühl

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Die Pfarrkirche Mariä Heimsuchung auf dem Bühl


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