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Vor der Haustür unterwegs mit Abenteurer Walter Költsch Baumriesen am Fränkischen Tafelberg

Walter Költsch ist eigentlich ein Abenteurer und Weltenbummler und meistens unterwegs - ob auf einem Floß in Kanada, mit dem Rad durch die Mongolei oder zu Fuß in Patagonien. Weil die Corona-Pandemie auch ihn ausbremst, ist er jetzt daheim in seiner fränkischen Heimat, genauer gesagt in der Hersbrucker Schweiz. Direkt vor seiner Haustür führt eine schöne Wanderung auf den Keilberg und den Klingenhofer Anger im Nürnberger Land. Für Walter Költsch bildet beides zusammen den „Fränkischen Tafelberg“. Man muss also gar nicht bis Südafrika reisen, um ein tolles Naturerlebnis zu haben.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 05.12.2020

Vor der Haustür unterwegs mit Abenteurer Walter Költsch | Bild: BR; Ulrike Nikola

Das erste Ziel ist der einsame Keilberg. Von Egensbach geht es gleich knackig bergauf. Der langhaarige Abenteurer Walter Költsch läuft auf dem schmalen Wurzelpfad voraus. Der Weg führt hinauf zur Keilbergkapelle St. Ottmar und St. Ottilien, die aus dem 15. Jahrhundert stammt. Allerdings steht nur noch ein Kapellen-Turm auf einer kleinen Lichtung. Von hier geht es weiter nach Osten in Richtung Klingenhofer Hutanger. Die Bezeichnung „Hutanger“ stammt vom Wort „Hüten“ ab. Hutanger sind also alte Weideflächen, auf die Schafe oder Kühe getrieben werden. Auf der Hochfläche des Klingenhofer Hutangers stehen zudem altehrwürdige Baum-Giganten: riesige Eichen, Buchen, Fichten und Föhren. Sie wachsen auf einem Magerrasen bzw. Halbtrockenrasen, der im Sommer vielen Schmetterlingen einen Lebensraum bietet.

Vor der Keilbergkapelle

Die Hutanger-Hochfläche zieht sich hinüber zum Buchenberg, auf dem Plateau lässt es sich gut wandern. In der näheren Umgebung gibt es noch mehr Beispiele für solche langgezogenen Erhebungen, zum Beispiel den Glatzenstein oder Rothenberg. Diese Hochflächen ähneln einem Tafelberg, sagt Walter Költsch. Von unten wirkt der Berg freistehend, ist man oben, erkennt man das Plateau. Im Vergleich zum Tafelberg in Kapstadt fehlt dem Fränkischen Tafelberg allerdings die „Tischdecke“, also jene Wolkenwand, die sich am Nachmittag wie eine Nebeldecke über den Berg legt. Egal - wir haben unsere eigene Tischdecke für ein kleines herbstlich-winterliches Picknick dabei und genießen Schokoladen-Lebkuchen und heißen Tee aus der Thermoskanne.

Stamm-Gigant

Nach dem Picknick wandern wir am Rande des Buchenberges mit entsprechend vielen Buchen und jeder Menge Laub am Boden zurück in Richtung Egensbach und folgen auf dem letzten Stück dem Anton-Leidinger-Weg mit Blaustrich-Markierung zwischen Nürnberg und Amberg. Nach rund 11 Kilometern und 300 Höhenmetern stehen wir wieder vor der Haustür von Walter Költsch. Der Abenteurer vergleicht seine Heimat, die Hersbrucker Schweiz, mit einer kleinteiligen Eisenbahnlandschaft - die Vielfalt macht für ihn den Reiz der Hersbrucker Schweiz aus.


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