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Tour auf das Spielleitenköpfl Eine Kräuter-Frühlingswanderung im Werdenfelser Land

Der Schafkopf oberhalb von Farchant im Werdenfelser Land ist kein bekannter Gipfel, obwohl der Weg durch den lichten Mischwald hinauf auf den 1380 Meter hohen Gipfel abwechslungsreich ist und voller geologischer und sogar archäologischer Besonderheiten steckt.

Von: Angela Braun

Stand: 11.05.2018

Eine Kräuter-Frühlingswanderung | Bild: BR; Angela Braun

Die Gesteinsschichtung erinnert gleich zu Beginn an ein Amphitheater. Später erreicht man eine Lichtung , die vor tausenden Jahren als Kultstätte genutzt wurde, und der Gipfelaufstieg ist auf den letzten Metern überraschend steil. Ausgangspunkt für die Wanderung ist der Spielleitenweg in Farchant, der am Spielplatz startet. 

Blick in das schneebedeckte Wettersteingebirge

Der Weg auf den Schafkopf in den Ammergauer Bergen ist schneefrei und der Blick vom Gipfel nach Süden unglaublich schön, denn Zugspitze, Alpspitze und Wettersteinwand tragen noch weiß. Gleich nach den ersten Metern kommen wir an einer alten Buche vorbei. In einer Baumhöhle lehnt ein kleines Kreuz, ein Engel  schläft neben einem Osterei – ein kleiner Ort, der liebevoll gepflegt wird.

Hainlattich Kraut riecht nach gekochten Kartoffeln, wenn man dran reibt

Zusammen mit der Kräuterexpertin und Buchautorin Astrid Süßmuth aus Gauting im Landkreis Starnberg entdecken wir am Wegesrand Frühlingsblumen und Kräuter, zum Beispiel die Einbeere mit ihren kreuzförmigen Blättern. Sie wächst gern im Bergwald in der submontanen Zone, sagt Astrid Süßmuth. Aufgrund ihrer Kreuzform haben die Bauern die Einbeere früher an die Stalltüre als Kreuzersatz und als Schutz vor dem Bösen genagelt. Sehr interessant ist auch das Hainlattichkraut, das an den Löwenzahn erinnert. Die Blätter sind zerfurcht, die Blüten aber zarter als beim Löwenzahn. Wenn man die Blätter zerreibt, dann riechen die Finger nach gekochten Kartoffeln. Man kann den Hainlattich auch als Suppeneinlage nehmen, damit sie besser bindet.

Das Spielleitenköpfl eine Lichtung mit archäologischen Funden

Nach etwa einer halben Stunde kommen wir zu einem Rastplatz mit Bank und Brotzeittisch. Dann biegt Astrid Süßmuth rechts ab auf einen Trampelpfad. Er führt zu einer archäologischen Besonderheit im Werdenfelser Land: auf das Spielleitenköpfl, einer Waldlichtung mit Quelle. Archäologen der Ludwig-Maximilians-Universität in München  haben 1993 auf der kleinen Lichtung gegraben und Keramik-Reste sowie Bronze-Gussteile gefunden – vermutlich ein großer Brandopferplatz. Astrid Süßmuth beschreibt diesen Platz auch in ihrem neuen Buch "111 Orte im Werdenfelser Land, die man gesehen haben muss".

Das Gipfelkreuz und ein grandioser Blick nach Süden und Osten

An einer Wegkreuzung geht es Richtung Brünstelskopf und Notkarspitze. Unser Weg zum Schafkopf zieht sich gemütlich durch den lichten Bergwald. Wir  staunen über eine recht steile Felswand, die plötzlich vor uns auftaucht. Die letzten Meter zum Gipfel laufen wir auf einem schmalen Pfad, bis dann ein mächtiges Kreuz auf 1380 Metern Höhe steht. Jetzt gibt es erstmal eine zünftige Brotzeit, bevor wir dann die kleinen zarten Alpenglöckchen entdecken, die hier oben gerade blühen. Lilafarben hängen ihren zerfransten Glöckchen knapp über dem Boden. Sie heißen auch Soldanellen, und dieser Name kommt von der fast runden Blattform, die an den italienischen Taler, die "soldi" erinnert, erklärt Astrid Süßmuth. Die Soldanellen sind die ersten Blumen, die aus dem Schnee heraus-spitzen. Sie gehören zur Schneetälchen-Gesellschaft und haben die Fähigkeit, den Schnee zu schmelzen bzw. das Eis zu durchbrechen.

Astrid Süßmuth erklärt die besonderen Fähigkeiten der Soldanellen

Zurück geht es auf demselben Weg. Wir bleiben immer wieder stehen und gehen in die Hocke, um die Schätze des Bergwaldes zu bewundern. Kurz bevor wir wieder am Spielplatz in Farchant ankommen, machen wir noch einen Abstecher zur Spielleiten-Quelle. Freiwillige haben auch hier einen schönen Brotzeitplatz errichtet.

Winter und Frühling in den Ammergauer Bergen

Das Spielleitenköpfl ist ein Ausflugstipp im Buch von Astrid Süßmuth mit dem Titel "111 Orte im Werdenfelser Land, die man gesehen haben muss". Das Buch ist im Emons-Verlag erschienen und  kostet 16,96 Euro ( ISBN 978-3-7408-0118-2).      

Karte: Das Spielleitenköpfl

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Karte: Das Spielleitenköpfl


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