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Auerochsen, Gruben-Romantik und Gottvaterberg Erzweg und Maffeischächte in der Oberpfalz

Eisenerz ist und war ein wichtiger Rohstoff, aus dem schon vor tausend Jahren Roheisen hergestellt wurde, das bis heute für Stahl benötigt wird. Große Erzvorkommen gab und gibt es auf einer Achse vom oberfränkischen Pegnitz über Auerbach und Sulzbach-Rosenberg bis Amberg und noch etwas weiter in die Oberpfalz hinein.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 29.05.2019

Pfingstochsen, Gruben-Romantik und Gottvaterberg | Bild: BR, Ulrike Nikola

Als die Preise auf dem Weltmarkt in den 1980er Jahren immer weiter sanken, wurde der Erzabbau dort eingestellt. Inzwischen sind die ehemaligen Gruben zu Naturschutzgebieten geworden, und die früheren Zechen zeugen von einer lebendigen Geschichte. Diesen Spuren folgt der Erzweg, der das Prädikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ trägt. Eine lohnende Etappe führt von Michelfeld nach Auerbach, vorbei an Auerochsen und über den Gottvaterberg.

Die 13 Kilometer lange Etappe ist „ein Glanzlicht des Erzwegs“, heißt es in der Wanderbroschüre, denn hier habe die Landschaft trotz der Zeugnisse des Bergbaus ihren ursprünglichen Reiz behalten. Die Relikte zeugen vom „Land der tausend Feuer“, wie die Region auch genannt wird. Seit Menschen hier in der Umgebung gesiedelt haben, ist hier nach Erz geschürft und der Rohstoff dann verhüttet worden, damals noch in so genannten Brennöfen - primitive Öfen, die neben der Erzgrube errichtet wurden.

Start in Michelfeld

Bevor die Wanderung am Kloster Michelfeld startet, lohnt noch ein Blick in die ehemalige Benediktiner-Abtei, deren Kirche von den Asam-Brüdern aus München errichtet wurde. Über Saaß führt der Erzweg dann ins Speckbachtal. Schon von weitem leuchten helle Kalksteinfelsen zwischen Wald und saftigen Wiesen. Die bizarren Felsformationen in idyllischer Bachlandschaft sind wirklich ein „Glanzlicht“. Im Volksmund heißt das Tal „Felsenländle“.

Wo sind die Auerochsen

Die Beschilderung des Erzweges mit rotem Kreuz auf weißem Grund ist durchgängig gut zu finden. Schon bald kommt der ehemalige Förderturm der Grube Leonie in Sicht. Sie war die letzte Erzgrube Deutschlands und musste im Zuge der massiv gesunkenen Weltmarktpreise 1987 Konkurs anmelden. Noch gut zu erkennen sind die Bruchfelder vom Erzbergwerk, die wegen der Einsturzgefahr nicht bebaut werden dürfen. Immer wieder mal passiert es aber, dass Tiere in diese unterhöhlten Felder einbrechen. Der Erzweg aber ist gut befestigt. Das ehemalige Bruchgelände der Grube Leonie ist heute ein Naturschutzgebiet: Buchen und Fichten, Auen und Wiesen bleiben sich selbst überlassen bzw. dem Wappentier von Auerbach, dem Auerochsen, der hier in der Herde weidet. Will man die Ochsentour machen, also das eingezäunte Weidegebiet umrunden, braucht man fast eine Stunde, hat aber keine Garantie, die imposanten Tiere mit den langen Hörner auch zu Gesicht zu bekommen – zu gern verstecken sie sich im schattigen Wald.

Blick vom Gipfelkreuz auf Maffei

Von Auerbach geht es nun hinauf auf den Gottvaterberg. Der kurze steile Anstieg führt durch eine reizvolle Karstvegetation mit Magerrasen und felsigem Gestein. Mit der Ruhe in der Natur ist es allerdings so eine Sache, denn der NATO-Truppenübungsplatz Grafenwöhr ist ganz in der Nähe. Wochentags kann man von hier oben die Panzer sehen und hören, doch am Wochenende bleibt es ruhig. Den Gottvaterberg schmückt natürlich auch ein Gipfelkreuz, der Blick reicht bis zum Ossinger und Breitenstein und zur Hohen Zant.

Förderturm Bergwerk Maffei

Nach der rund dreistündigen Wanderung ist am Fuße des Gottvaterberges das Bergbaumuseum Nitzlbuch in der ehemaligen Zeche Maffei zu sehen. Dort sollte man nicht ohne einen Besuch vorbeigehen, denn im Bergbaumuseum Nitzlbuch stehen nicht nur die ältesten Fördertürme ihrer Art in ganz Bayern, sondern es gibt auch einen Erlebnisschaustollen, in dem die Besucher in die Welt unter Tage eintreten können. Die noch erhaltene Bergwerksanlage und viele Ausstellungsstücke veranschaulichen die Zeit des Bergbaus zwischen 1906 und 1978. In dieser Zeit wurden in Nitzlbuch an die 16 Millionen Tönnen Erz gefördert.

Jürgen Steibl und Hubert Trenz

Hubert Trenz bedient die Schachtsignalanlage im Bergbaumuseum Maffeischächte in Auerbach. Sie war wichtig für die Verständigung unter den Bergleuten, denn damals herrschte in den Schächten ein Höllenlärm von Bohrhammer, Grubenventilator, Kompressor, Pressluft, Sprengungen, Überkopfladern und vielen anderen Maschinen. Der 85jährige Hubert Trenz denkt gerne an seine Zeit als Bergmann zurück, vor allem an die gute Kameradschaft unter Tage, wo man mehr denn sonst aufeinander angewiesen war. 22 Jahre hat er auf Maffei gearbeitet, angefangen als Schlepper und aufgestiegen bis zum Steiger. Später hat er noch viele Jahre die Grube Leonie verantwortlich gefahren. Beim Rundgang durch die ehemalige Kompressorhalle lässt Hubert Trenz seinen Blick über die Vitrinen schweifen: Grubenlampen und Mineraliensammlungen sind ausgestellt, in einem Transportwagen,- dem so genannten Hund, liegen dicke Brocken Erz. Anfangs war der Erzabbau noch harte Handarbeit. Mit der Mechanisierung und den zuletzt großen Ladern wurde aber auch viel unreines Nebengestein mitgefördert.

Fördermaschine

Die Arbeit der Bergleute in bis zu 135 Metern Tiefe war nicht nur anstrengend, sie war auch gefährlich. Im Frühjahr 1968 - also vor 50 Jahren - ereignete sich das „Wunder von Maffei“ in Auerbach. Damals wurden vier Kumpel in der Nachtschicht durch einen schweren Schlammeinbruch im Berg verschüttet. Erst am späten Vormittag konnte man über eine Luftleitung eine Sprechverbindung mit den Verunfallten aufnehmen. Sie waren in einer Luftblase unversehrt geblieben und konnten gerettet werden.

Schaustollen auf Maffei

Die Grube Maffei ist hinsichtlich der Fördermenge das bedeutendste Bergwerk in ganz Süddeutschland. Museumsführer Jürgen Steibl erklärt den Besuchern alles Wissenswerte von der Geschichte des Eisenerzabbaus in der Region. Die Maffei-Schächte wurden in den 1970er-Jahren zu unergiebig und daher stillgelegt. Dafür wurde dann ein kleines Stück weiter die Förderanlage Leonie errichtet, die bis 200 Meter in die Tiefe ging. Abwärts ging es dann jedoch auch mit den Eisen- und Stahlpreisen auf dem Weltmarkt. Die Schwarzweiß-Bilder im Bergbaumuseum zeugen vom April 1987, als der Konkurs der Max-Hütte bekannt wurde und damit auch die Schließung der letzten Eisenerzgrube in Auerbach, der Grube Leonie. Auerbach hat den Strukturwandel jedoch gut verkrafte, andere Wirtschaftszweige haben sich etabliert, und die ehemalige Kompressorhalle der Grube Maffei dient mittlerweile als Location für Konzerte und Veranstaltungen. Unter den beiden ältesten Fördertürmen Bayerns gibt es im Winter einen außergewöhnlichen Weihnachtsmarkt, und in der Halle aktuelle Kunst-Projekte. Nur der Bergmannsgruß „Glück auf“ ist kaum mehr in Gebrauch.

Das Bergbaumuseum Nitzlbuch hat jeden ersten Sonntag-Nachmittag im Monat geöffnet sowie auf Anfrage.

Karte: Die Maffeischächte

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Karte: Die Maffeischächte


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