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Heilige Corona hilf! Wander-Visite in der Corona-Kapelle bei Sauerlach

Corona hat auch das Bergjahr 2020 geprägt, wird es weiter tun und stellt uns alle auf eine Prüfung. In Zeiten wie diesen erinnern sich manche daran, auch mal wieder zu beten. Wir hätten da einen passenden Ort: die Kapelle der Heiligen Corona. Die steht im Süden von München bei Sauerlach. Manfred Wöll ist zur Corona-Kapelle gewandert – mit Tochter und einem Mann, der alles über diese Kapelle weiß.

Von: Manfred Wöll

Stand: 25.12.2020

Aktuelles Foto der Kapelle – mit der seitlichen Winter-Holzverkleidung | Bild: BR/Manfred Wöll

Die der Heiligen Corona geweihte Kapelle liegt im Wald und an einer wenig befahrenen Straße zwischen den Orten Arget und Gumpertsham. Vorbei am alten Schulhaus, einer Friedensseiche, die 1871 gepflanzt wurde und der beeindruckend großen Pfarrkirche Sankt Michael führt die Michaeli-Straße zur Corona-Kapelle. Sie ist klein und fein: nur 8,70 Meter lang und 6,40 Meter breit, davor eine Holzbank und ein Papierkorb. Meine Tochter Emilia und ich betreten den kleinen Vorraum, in dem viele frisch angezündete Kerzen brennen. Am Boden sind ein paar Engerl, an der Wand etliche Bilder mit religiösen Motiven zu sehen. Hinter einer großen Holztür befindet sich der Innenraum – abgeriegelt mit einem stabilen Bügelschloss. Durch vergitterte Maueröffnungen blicken wir auf Kirchenbänke mit Gesangsbüchern und Sitzkissen sowie auf den blumen- und kerzengeschmückten Altar. Alles sieht sehr gepflegt aus.

Ob die Heilige Corona auch in der aktuellen Situation helfen kann?

Was hat es mit dieser Kapelle zur Heiligen Corona auf sich? Wir fragen nach. In Arget lebt Helmut Berthold. Er ist dort geboren und der Chronist des Ortes. Helmut Berthold erzählt uns, dass die Kapelle aus dem 17. Jahrhundert stammt. Sie erinnert an ein 16-jähriges Mädchen namens Corona, das im zweiten Jahrhundert nach Christus in Syrien oder in Ägypten hingerichtet wurde, weil sie auf ihrem christlichen Glauben gepocht haben soll. Corona wird daher in der katholischen Kirche als Märtyrerin verehrt. Warum aber steht nun hier südlich von Sauerlach eine ihr geweihte Kapelle? Einst soll an dieser Stelle eine Hütte gestanden haben mit einem hölzernen Bildnis, so heißt es in der Überlieferung des damaligen Pfarrers. Das hölzerne Bildnis wurde dann von einer Familie mitgenommen, ist dann aber ohne menschliches Zutun wieder an diese Stelle zurückgekehrt. Daraufhin wurde an diesem „magischen“ Platz eine Kapelle errichtet.

Weil in der Folgezeit viele junge Leute am Kirchweihtag rund um die Kapelle getanzt und gerauft, gegessen und getrunken und den sakralen Ort somit entehrt haben, wurde die Kapelle 1807 abgerissen, aber einige Jahre später wiederaufgebaut. Zum letzten Mal renoviert wurde die Corona-Kapelle 1986. An der Mauer auf der Nordseite steht ein Spruch: „Müder Wanderer stehe still, mach bei Sankt Corona Rast. Dich im Gebet ihr fromm empfiehl, wenn Du manch‘ Kummer und Sorge hast."

„Kummer und Sorgen“ – das klingt doch sehr aktuell. Der lateinische Ausdruck Corona heißt übersetzt Kranz oder Krone - und mit Kronen hat man damals bezahlt. So wurde die Heilige Corona vor allem in Geldnöten angerufen. Ob sie auch bei Zahnweh und jetzt angesichts der Corona-Pandemie hilft, muss man erst abwarten. Allerdings galt die Heilige Corona schon immer als Patronin gegen Seuchen!  Und dann liest meine Tochter noch eine Zeile, die sie im Vorraum am Boden bei den Engeln entdeckt: es ist ein Satz, den wir alle kennen, der Mut macht und einfach guttut: "Immer wenn Du meinst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her." 

Karte: Sauerlach

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Karte: Sauerlach


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