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Outdoor-Ambivalenz im Ammergebirge Naturberg Hörnle contra Abenteuer-Spielplatz Kolben

Wer im Internet den Suchbegriff „Naturpark Ammergauer Alpen“ eingibt, der landet als erstes auf einem Link zur „Ammergaudi“. Gemeint ist damit das Freizeitareal mit Abenteuerspielplatz und Sommerrodelbahn am Kolbensattel. Am Nachbarberg, dem Hörnle gibt es nur einen alten Sessellift und sonst nichts, obwohl auch hier in Bad Kohlgrub derzeit darüber diskutiert wird, ob die Bahn ausgebaut werden soll.

Von: Georg Bayerle

Stand: 05.09.2019

Hörnle und Kolben: Die Hörndlhütte auf dem Gipfelplateau | Bild: BR/Georg Bayerle

Mit ganzen fünf Stundenkilometern wird man von dem schön altmodisch „Schwebebahn“ genannten Sessellift von Bad Kohlgrub aufs Hörnle transportiert: 600 Höhenmeter in 18 Minuten – so eine Fahrt entschleunigt, denn Kühe, Bäume und Wiesen gleiten gemächlich vorbei. Über mangelnden Besuch kann sich Martin Bierling oben auf der 1911 erbauten Hörnle-Hütte trotzdem nicht beschweren, auch wenn der Lift mit einer ungewohnten Klappvorrichtung an den Sesseln zwar einmalig auf der Welt, aber doch in die Jahre gekommen ist.

Weidetiere sind die einzige "Attraktion" auf dem Hörnle

Einen ersten Vorschlag, das Ganze mit 10er-Kabinenbahn, Gipfelrestaurant und Schneekanonen für runde 20 Millionen Euro aufzurüsten, hat der Gemeinderat abgelehnt. Nun wird alles wesentlich zurückhaltender geplant, möglicherweise kann der alte Sessellift sogar saniert werden, und irgendwelche Attraktionen braucht es hier sowieso nicht – anders als am Nachbarberg, dem Kolbensattel bei Oberammergau.

Hier tobt die „Ammergaudi“ mit Mountainbike-Lift, Abenteuerspielplatz und vor allem der „Alpine Coaster“ genannten Sommerrodelbahn, die sich auf zweieinhalb Kilometern ins Tal schlängelt und die Hauptattraktion schlechthin ist, sagt Geschäftsführer Klement Fent.

Ganz anders bei den Nachbarn: Hier gibt's einen Freizeitpark auf dem Kolbensattel

Die genauen Zahlen gelten als Betriebsgeheimnis, aber 1000 Besucher sind es leicht einmal hier oben an schönen Wochenenden, angezogen von einer Art Freizeitpark am Berg, zwar nicht besonders groß, aber ein markanter Eingriff und trotzdem kein Widerspruch zum Naturpark Ammergauer Alpen, sagt Konrad Gerold, einer der Mitgesellschafter. Wie die meisten seiner Kollegen in der Aktiv-Arena Kolbensattel ist auch Konrad Gerold Landwirt. So behutsam wie möglich hätten sie die Freizeitattraktionen in den vergangenen knapp zehn Jahren auf den Berg installiert.

Gegenüber am Hörnle würde Hüttenwirt Martin Bierling jeden größeren Ausbau strikt ablehnen. Viel los ist an diesen beliebten Ausflugsbergen um Oberammergau ohnehin - und am Hörnle auch ganz ohne Zusatzattraktion. Rindviecher und Pferde, Käfer oder Rehe faszinieren die Kinder ganz natürlich und sind gerade deswegen auch ein wertvoller Gegenpol zum sonst üblichen Freizeitkonsum. Wie aktuell das Thema ist, zeigen auch die Diskussionen um den Grünten im Allgäu, der ebenfalls bald zum „Gaudiberg“ werden könnte. Das Ergebnis ist noch offen.

Eine Beobachtung, wie der Sommertourismus am Hörnle und Kolben abläuft, zeigt das BR-Fernsehen am Samstag, 7. September, um 17.45 Uhr in der Sendung „Zwischen Spessart und Karwendel“.

Karte: Ammergebirge

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Karte: Ammergebirge


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