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Spätherbst im Ammergebirge Ein Streifzug durch den Bergwald am Laber

Der Bergwald hat viele Funktionen: Klimaschutz, Lebensraum für Tiere, Erholungsbereich für Menschen, Rohstofflieferant und Schutzwald vor Lawinen und Muren. Wie wichtig der Bergwald für die Bewohner ist, davon zeugen auch die jüngsten Ereignisse in Kärnten, der Steiermark und in Südtirol. Weitaus geringer sind dagegen zum Glück die Schäden, die ein Föhnsturm vor einer Woche im Landkreis Garmisch-Partenkirchen angerichtet hat.

Von: Angela Braun

Stand: 21.11.2019

Spätherbst im Ammergebirge: Holzarbeit im Nebel zwischen Aufacker und Laber | Bild: BR/Angela Braun

Viele Bäume wurden umgeworfen und Stromleitungen abgerissen. Jetzt heißt es aufräumen, zum Beispiel auch am Laber oberhalb von Oberammergau.

Anton Burkhardt, Förster (li.) und Dominik Rödel, Berufsjäger der Privatwaldgemeinschaft Oberammergau

In etwa 1300 Metern Höhe hat es „ein Eck geworfen“, wie es der Förster Anton Burkhart beschreibt. Er arbeitet für die Privatwaldgemeinschaft Oberammergau, eine in dieser Form einzigartige Waldgenossenschaft, die bei Ettal und Oberammergau etwa 1800 Hektar Wald bewirtschaftet. 300 bis 400 Festmeter Holz liegen dort kreuz und quer im Hang und auf dem Forstweg. „Wir hatten das Glück, dass wir einen Harvester vor Ort hatten, der den Normalschlag machen sollte. Jetzt arbeiten wir das auf, was am Boden liegt, bevor der Winter kommt“, resümiert der Forstmann.

Vom Sturm geknickte Fichten werden geschlagen und abtransportiert

Es herrscht dichter Nebel und am Hang zwischen Laber und Aufacker liegt Schnee. Die Maschinen der Holzarbeiter hört man schon von weitem. Der Harvester fällt und schneidet die Baumstämme. Dann werden sie mit einem Kran auf den Hänger gehoben und am Holzplatz aufgestapelt oder gleich ins Tal transportiert. Für Wanderer ist dieser Forstweg gesperrt. Anton Burkhart appelliert an die Wanderer, sich unbedingt an Sperrungen zu halten. Denn wo Bäume gefällt und abtransportiert werden, ist es sehr gefährlich.

Wir stapfen durch den Schnee weiter zu einem eingezäunten Bereich im Bergwald. Dort wachsen junge Tannen, Fichten und Buchen. Sie sollen den Bergwald, der hier noch meist aus Fichten besteht, verjüngen. Auch außerhalb des Zaunes wachsen kleine Tannen – für den Förster und für den Berufsjäger Dominik Rödel ein gutes Zeichen, dass das Verhältnis Wald und Wild passt. Hirsch und Reh werden jetzt noch gejagt. Erst wenn richtig Schnee fällt, endet die Jagd auf das Schalenwild, wie es bei den Jägern heißt. Der Dachs hält bereits Winterruhe, während andere Waldbewohner ganz aktiv sind. Der Fuchs zum Beispiel ist recht umtriebig, schnürt in die Nähe von Ortschaften und sucht dort seine Nahrung. Zudem ist jetzt ist Paarungszeit bei Füchsen - „Ranzzeit“ heißt das in der Fachsprache der Berufsjäger. Auch das Gamswild steckt in der Paarungszeit.

Tannennachwuchs

Für die meisten anderen Waldbewohner ist dagegen Ruhe angesagt. Auerwild und Birkhuhn versuchen, mit Nadeln als Nahrung über den Winter zu kommen. Auch sie dürfen auf keinen Fall gestört werden, betonen Förster und Jäger, da sie den Stoffwechsel im Winter minimieren und jede Flucht enorm viel Energie kosten würde. Im vergangenen Jahr gab es Probleme mit Hunden, die nicht angeleint waren und Rehe gejagt hatten. Hunde müssen zum Schutz des Wildes deshalb unbedingt an die Leine, und die Wanderer sollten auf den vorgegebenen Wegen bleiben. 

Die Tiere im Bergwald bereiten sich gerade auf die Kälte vor. Wichtig ist dabei auch der Winterspeck, sagt Förster Anton Burkhart: „Die fressen sich einen Feist an, eine Speckschicht. Im letzten Jahr haben wir orakelt, dass es einen harten Winter geben wird, weil die Rehe an brutalen Feist hatten und tatsächlich war es auch so.“ Und heuer? Ganz ähnlich, meint Burkhart, die Eichhörnchen sammeln wie verrückt, weil sie vorsorgen müssen. 

Auf den Forstwegen am Laber sind auch im Spätherbst noch E-Biker unterwegs, und so gibt es nur noch wenig Ruhestunden für die Natur, denn Elektroradfahrer fahren auch noch in der Dämmerung auf den Berg, wie Anton Burkhart beobachtet hat. „Die Zeit, in der die Leute unterwegs sind, ist länger geworden und reicht von 5 Uhr früh bis 22 Uhr abends.

Vor Lawinen- und Muren-Abgängen kann nur ein gesunder Bergwald schützen. Ein Szenario wie in Osttirol oder Kärnten ist auch bei uns vorstellbar, meint Förster Burkhart, da es mit Kalkgestein und Flysch zwei geologisch instabile Schichten gibt. Wichtig ist daher, dass der Wald gemischt ist, denn selten haben alle Baumarten das gleiche Problem. Wenn im Bergmischwald eine Baumart ausfällt, dann können die anderen Baumarten den Wald als solchen und somit die Schutzfunktion erhalten.

Karte: Oberammergau

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Karte: Oberammergau


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