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Altmühltaler Schafe als Landschaftspfleger Unterwegs in der Wacholderheide vor dem Schafabtrieb

Landschaften verändern sich, auch wenn der Mensch nichts dazu beiträgt. Ein gutes Beispiel dafür ist das Altmühltal. In weiten Teilen bestehen die Talhänge aus Wacholderheide mit niedrigen Sträuchern, vielen verschiedenen Gräsern und einer großen Vielfalt an Blumen. Dazwischen befinden sich bizarre Felsformationen aus Kalkstein, die typisch sind für das Altmühltal.

Von: Bernd-Uwe Gutknecht

Stand: 21.09.2019

Unterwegs in der Wacholderheide vor dem Schafabtrieb | Bild: BR; Bernd-Uwe Gutknecht

Allerdings wäre diese Landschaft durch Büsche und Bäume zugewachsen, wenn nicht eingegriffen wird. Um die offene, parkähnliche Landschaft zu erhalten, muss viel geschnitten werden oder man lässt die natürlichsten Landschaftspfleger „arbeiten“: Schafe und Ziegen.

Alfred Eichhorn, ein Kollege, zwei Hunde und ein paar Ziegen sind oft den ganzen Tag zusammen unterwegs

Auf geht`s für 300 Schafe und ein Dutzend Ziegen. Schäfer Alfred Eichhorn und sein Kollege öffnen den Pferch in der Nähe von Dollnstein, wo die Tiere – vor Wölfen geschützt durch einen Elektrozaun – übernachten. Wölfe legen in einer Nacht schon mal 80 Kilometer zurück, wurden bereits in Hohenfels und im Feldensteiner Forst gesichtet und könnten auch bald hier auftreten. Die Sommerweiden liegen rund um Dollnstein, am Obereichstätter Hang, bei Schernfeld und Eberswang. Von Ende April bis Ende September sind hier die Schafe und Ziegen, danach geht es auf die Herbstweide oder auch schon auf die Winterweiden bei Abensberg und Siegenburg. Mit Schafen muss man ja keine Kilometer machen, sondern nur soweit ziehen bis sie satt sind. Die Tiere zupfen und rupfen nachwachsende Busch-und Baumtriebe ab und unterstützen so die Landschaftspflege - und weil sie den ganzen Tag hungrig sind, brauchen sie die großen Flächen der Wacholderheide. Für diese „Gärtnerarbeit“ gibt es finanzielle Hilfe. Das Geld können die Schäfer gut gebrauchen, denn reich machen Fleisch, Fell und Wolle keinesfalls. Der Beruf des Schäfers muss Berufung sein, meint Alfred Eichhorn, schließlich müssen die Schafe 365 Tage im Jahr versorgt werden, man muss das Draußen-Sein mögen, auch bei schlechtem Wetter.

Schäfer-Familie Eichhorn im Stall in Schernfeld. Auch die Töchter und Söhne helfen bei der Schäferei mit

Alfred Eichhorn, dem Schäfer aus Schernfeld, helfen auch seine beiden Töchter bei der Arbeit. Katharina war sogar schon mal Altmühltaler Lammkönigin. Im Vorstellungsgespräch muss man sein Wissen über die Vierbeiner unter Beweis stellen: Wie lange ein Schaf trächtig ist oder wie alt ein Lamm sein muss, damit man es schlachten kann. Tochter Barbara ist dagegen die Managerin der Schäferei - und manchmal auch die Schlachtmeisterin. Mitleid mit den süßen Lämmern darf sie dabei nicht haben. Schafe sind schließlich Nutztiere.

Die Wacholderheide zeichnet wenig Bewuchs durch Büsche aus. Ohne Schafe würde die Landschaft aber schnell „verbuschen“ und „verwalden“

Für die Schafe, aber auch für die Wanderer hat das Altmühltal seinen besonderen Reiz. Die Landschaft ist abwechslungsreich und hügelig, die Grillen zirpen und die Schmetterlinge fliegen umher. Die Schafe suchen sich von selbst die Flecken, wo es das feinste Futter gibt, und das wiederum freut zum Beispiel Franz Singer, den Küchenchef im Gasthof zum Hirschen im nahegelegenen Wasserzell. Die Kräuter der Wacholderheide geben dem Lammfleisch ein besonderes Aroma. Verarbeitet wird das ganze Lamm zu Braten, Schnitzel und Eintopf. Eine besondere Spezialität ist das Lammbeuscherl mit Lunge und Herz, ebenso das Lammbries. So schließt sich der Kreis auch für Schäfer Alfred Eichhorn. Er beliefert das Lokal und kommt nach getaner Arbeit gerne zum Essen. Auf dem Teller liegen dann die Lammkoteletts aus seiner eigenen Herde. Die schönsten Schafe aber gehen in die Weiterzucht, damit sich die Anlagen vererben. Zum Schönheitsideal gehören ein langer breiter Rücken sowie ein langes und breites hängendes Ohr.

Im Frühjahr zum Lammauftrieb und im Spätsommer zum Lammantrieb gibt`s Lamm-Feste im Altmühltal. Besonders begehrt sind dabei die Lammfelle

Nächstes Wochenende am 28. und 29. September findet übrigens in Böhming im Altmühltal der „Lammabtrieb“ statt. Mehr Informationen dazu gibt es unter www.naturpark-altmuehltal.de/veranstaltungen

Karte: Dollnstein

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Karte: Dollnstein


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