3

König des Apennin Der Gran Sasso in den Abruzzen

Er gilt als der "König des Apennin" und dürfte wohl der bekannteste Berg in den Abruzzen sein: der Gran Sasso. Markant und majestätisch ragt er am Nordrand des Campo Imperatore auf, 1523 wurde er erstmals bestiegen.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 30.05.2019

Gran Sasso | Bild: picture-alliance/dpa

Höchster Gipfel des Gran-Sasso-Massivs ist der Corno Grande mit 2912 Meter Höhe. Lohnend ist aber auch eine Umrundung des Gran Sasso. Ausgangspunkt ist Prati di Tivo an der Nordseite des Gran Sasso. Von hier führt der gut markierte Weitwanderweg „Sentiero Italia“ durch das wilde Val Maone auf den Passo della Portella und südseitig hinab auf den Campo Imperatore.

Das helle Kalkgestein des Gran-Sasso-Massiv erinnert eher an die Alpen

Es könnte auch irgendwo in den Lechtaler Alpen sein oder in den Dolomiten, denn das helle Kalkgestein des Gran-Sasso-Massivs erinnert eher an die Alpen als an den Apennin. Gleich zu Beginn gilt es, sich den Weg durch eine grasende Schafherde zu bahnen. Einst war die Schafzucht der landwirtschaftliche Haupterwerb in den Abruzzen, heute betätigen sich vor allem Hirten aus Rumänien oder Albanien als Hüter der Tiere – zusammen mit den Pastore abruzzesi, den schneeweißen, kalbgroßen Hütehunden.

Einer von ihnen begleitet uns ein Stück hinein ins Val Maone, zählt dann aber wieder seine Schäfchen. Ständiger Begleiter bleibt dagegen der heftige Wind, denn das Gran-Sasso-Massiv ist eine Barriere zwischen dem Mittelmeer und der Adria. Böen bis zu 140 km/h sind keine Seltenheit und eine Herausforderung für den Wanderer standhaft zu bleiben. Eine Augenweide ist dagegen die Flora im Val Maone: verschiedene Enzian-Arten, Königskerzen, Küchenschellen, Orchideen und das Majella-Veilchen, das dem Alpenveilchen ähnelt.

Schafe am Gran Sasso

Überwuchert von Brennessel-Gestrüpp tauchen am Ende des Val Maone die Fundamente alter Steinhäuser auf. Die „Antiche capanne della Val Maone“ wurden bereits um 900 von Schäfern zum Schutz vor Unwettern errichtet und jüngst von der Region Abruzzen restauriert. Auch für den Wanderer ist hier Zeit zum „Restaurieren“ bei einer Brotzeit fern jeder Hütte. Nicht weit entfernt von hier befindet sich allerdings das Bergdorf Amatrice. Aus diesem Ort stammt die berühmte Pasta all’amatriciana mit der deftigen Sauce aus Tomaten, Speck und Zwiebeln. Statt Pasta gibt es bei der Brotzeit unterm Gran Sasso Pecorino und eine grandiose Aussicht, unter anderem auf den Intermesoli, einen Berg mit Kletterrouten bis zum 6. Schwierigkeitsgrad.

Auf den Corno Grande, den Hauptgipfel des Gran Sasso führen drei verschiedene Routen, der direkte Aufstieg verläuft durch Schutt und Geröll und erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Gutes Kartenmaterial für Wanderer und Bergsteiger ist in den Abruzzen kaum vorhanden, oft sind es veraltete Militärkarten, und die meisten Steige sind zudem nicht markiert – mit Ausnahme des Sentiero Italia, auf dem es jetzt ebenfalls durch Geröll und Kalkschutt, aber gut markiert hoch geht auf den Passo della Portella - knapp 1000 Höhenmeter.

Panoramablick

Von der Passhöhe aus ist L’Aquila zu sehen, die noch immer erdbeben-traumatisierte Hauptstadt der Abruzzen. Der Abstieg auf den Campo Imperatore führt an die Südseite des Gran Sasso-Massivs und zum Berghotel Campo Imperatore. Hier gibt es nach dem böigen Gebirgswind zuletzt noch einen Hauch von Mussolini - und Gänsehaut. Denn in dem pseudofuturistischen, scheußlichen Bau wurde Benito Mussolini 1943 zwei Monate lang festgesetzt und dann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von den Deutschen befreit. Sein luxuriöses Appartement mit goldenen Wasserhähnen ist noch heute zu besichtigen und wird auch an Gäste vermietet – ein vielleicht irritierendes Beispiel für den lockeren, aber typisch italienischen Umgang mit der Geschichte.

Karte: Gran Sasso

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Gran Sasso


3