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Die DAV-Bergunfall-Statistik 2019 Weniger Unfälle, mehr Tote und Blockierungen

In diesem Jahr zieht der DAV eine positive Bilanz, denn seit 25 Jahren ist hinsichtlich der Anzahl der Bergunfälle der niedrigste Wert zu verzeichnen. Einerseits also weniger Unfälle im vergangenen Jahr, dagegen aber mehr Todesfälle.

Von: Elisabeth Tyroller

Stand: 07.08.2020

Bergwacht Grainau | Bild: DAV/C. Vogg

Bereits sieben Jahre nach dem 2. Weltkrieg, 1952, hat der Deutsche Alpenverein zum ersten Mal seine Bergunfallstatistik veröffentlicht. Bis heute umfasst diese jährliche Dokumentation ausschließlich verunglückte DAV-Mitglieder und zeigt auf, wie sich das Unfallgeschehen im Bergsport entwickelt. In diesem Jahr zieht der DAV eine positive Bilanz, denn seit 25 Jahren ist hinsichtlich der Anzahl der Bergunfälle der niedrigste Wert zu verzeichnen. Einerseits also weniger Unfälle im vergangenen Jahr, dagegen aber mehr Todesfälle.

54 DAV-Mitglieder sind im vergangenen Jahr im Alpenraum ums Leben gekommen. Das sind 23 mehr als im Jahr zuvor. Von einem Trend zu mehr Leichtsinn in den Bergen will der Deutsche Alpenverein aber nicht sprechen. Laut Stefan Winter, zuständig für das Ressort Sportentwicklung und selbst Bergführer, kommt diese hohe Zahl deshalb zustande, weil es 2019 zwei Unfälle mit größeren Gruppen gab – zwei Unfälle mit jeweils vier Toten, was dann entsprechend zu Buche schlägt.

Viele der tödlichen Unfälle sind Herz-Kreislauf-bedingt, wobei hier vor allem männliche Bergsportler über 60 Jahre besonders gefährdet sind. Sie überfordern sich häufiger am Berg und wissen oft nicht, dass sie bereits Vorerkrankungen wie zum Beispiel Bluthochdruck haben, die sich am Berg fatal auswirken können.

Insgesamt aber geht die Zahl der Unfälle trotz steigender Mitgliederzahlen zurück – das ist die gute Nachricht. 2019 gab es nur 877 Unfälle und damit 100 weniger als im Vorjahr. Das hat auch mit dem Katastrophenwinter 2019 zu tun. Weil Dächer freigeschaufelt und Straßen freigeräumt werden mussten, hatten viele einfach weniger Zeit für den Bergsport, resümiert Stefan Winter. Die meisten Bergunfälle passieren jedoch nicht im Winter, sondern beim Bergwandern – immerhin 85 Prozent aller Unfälle. Ein dabei typischer Fall: Eine Wandergruppe geht in die bayerischen Voralpen, kehrt auf einer Hütte ein, das Wetter ist gut, aber die Tour dauert noch lang. Beim Abstieg bzw. Rückweg werden die Leute müde, sie knicken um oder stolpern aus Müdigkeit und verletzen sich dabei.

Canyoning-Rettung der Bergwacht Sonthofen

Allerdings müssen auch unverletzte Bergsportler immer häufiger gerettet werden. „Blockierungen am Berg“ heißt dieses Phänomen. Den Alpenverein beschäftigt das Thema schon seit Anfang der 1990er-Jahre. Das Problem: Bergsportler müssen unverletzt die Bergrettung rufen, weil sie sich verlaufen haben oder zu erschöpft sind, um weiter oder zurück zu gehen. Die Betroffenen sind überfordert und nicht mehr in der Lage, die Tour fortzusetzen. Oft könnte eine genaue und gute Tourenplanung solche Blockierungen verhindern. Dabei gilt es sich anhand der Karte, analog oder digital, zu überlegen, welche Weg-Alternativen oder welche Gefahren es gibt und Zeitreserven einzuplanen. Und nicht zuletzt ist der Mut zur Umkehr ein wichtiger Wegweiser anstatt mit aller Gewalt den Gipfel noch erreichen zu wollen.


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