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Trekking in Tasmanien Faszinierende Wildnis "under down under"

Im Südosten von Australien wüten derzeit die schlimmsten Buschbrände seit vielen Jahrzehnten, auch rund um die Millionenmetropole Sydney. Viele Festlands-Australier flüchten daher nicht nur in den Ferien nach Tasmanien, sondern auch jetzt in dieser Ausnahmesituation. Tasmanien ist „safe“ und - obwohl es zu Australien gehört - doch ein ganz eigenes Land: „under down under“, also „unter ganz unten“ sagen die Einheimischen mit einer gehörigen Portion Selbstironie.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 21.11.2019

Tasmanien: Der Cradle Mountains Huts Walk gehört zu den Great Walks of Australia | Bild: Tourism Tasmania

Die herzförmige Insel am Südwestende des australischen Kontinents ist so groß wie Bayern bzw. die Schweiz, hat aber nur 500.000 Einwohner. Fünf Nationalparks umfassen 40 Prozent der Landfläche. Und es gibt immer noch ein paar Regionen, die bis heute kein Mensch betreten hat. Bergsteiger und Wanderer lockt Tasmanien, wo jetzt der Frühling beginnt, mit viel unberührter Wildnis, mit einem gut ausgebauten Wegenetz und mit sehr speziellen Wildtieren wie Wombats, Wallabys und dem Tasmanischen Teufel.

Der einzigartige Dove Lake beim Cradle Mountain

Wer nachts im Busch den Tasmanteufel schreien hört, bekommt schnell eine Gänsehaut. Sie machen „einen schrecklichen Lärm“, sagt der Geologe Hans Hook, und der Name Teufel kommt daher nicht von ungefähr. Der Tasmanteufel ist ein Beutelwolf, dessen Beutel sich nach hinten öffnet. Als Aasfresser erfüllt er eine wichtige Aufgabe sozusagen als Gesundheitspolizist. Sein Gebiss ist so kräftig, dass beim Fressen sofort die Knochen knacken. Kein Wunder, dass auch der Holländer Abel Tasman, der 1642 das dann nach ihm benannte Tasmanien entdeckt hat, einen gehörigen Schrecken bekam. Ansonsten aber ist das Land „under down under“ teuflisch schön und himmlisch rein, denn es hat nachweislich die beste, da reinste Luft der Welt, erklärt Cat Carey von „Tourism Tasmania“. Zwischen der Antarktis und Tasmanien liegt keine Landmasse und die Luftströmung der „Roaring Forties“ ist frei von Luftverschmutzung, wie auch der Regen.

Januar und Februar sind in Tasmanien Wanderhochsaison, es gibt Trekkingtouren von einem halben Tag Dauer bis zu einer ganzen Woche in nahezu unberührter Wildnis. Für die berühmteste Route, den 65 Kilometer langen Overland Track im Cradle Mountain Nationalpark, gibt es klare Regeln, um Overtourism zu vermeiden. So darf man den fünftägigen Track von Oktober bis April nur in einer Richtung begehen und muss sich anmelden. Es finden auch Kontrollen durch die Nationalpark-Ranger statt, damit die sensible Tier- und Pflanzenwelt keinen Scahden erleidet.

Dove Lake am Cradle Mountain aus der Vogelperspektive

Der Cradle Mountain Nationalpark besteht seit 1922 - dank Gustav Weindorfer. Der gebürtige Österreicher war von der einzigartigen Flora und Fauna im tasmanischen Hochland so begeistert, dass er am Cradle Mountain eine kleine Hütte für Naturfreunde errichtet hat: das Waldheim-Chalet – Keimzelle des Nationalparks und noch heute zu besichtigen. Nach dem Uluru, dem Ayers Rock, ist der 1545 Meter hohe Cradle Mountain der bekannteste Berg Australiens. Der Doppelgipfel besteht aus rund 160 Millionen Jahre alten Basaltgestein.

Nicht nur für Irland, erst recht für Tasmanien gilt: An einem Tag kann es vier Jahreszeiten haben. Die Roaring Forties lassen grüßen. An 340 Tagen im Jahr regnet oder schneit es im tasmanischen Bergland. Für Bergsteiger und Wanderer gibt es mittlerweile gut ausgebaute Unterkünfte in allen Kategorien – von der einfachen unbewirtschafteten Hütte bis hin zur luxuriösen Lodge. Komforttrekking oder kernige Wildnistour - jeder wie er‘s mag.

Wallabys, Cradle Mountain

Die großartige Landschaft mit dem gemäßigten Regenwald lässt wohl keinen kalt. Man wandert zwischen 12 Meter hohen Pandani-Bäumen, Baumorchideen und der honigsüß duftenden Lumatia polymorpha, oder man streift durch braunroten Buttongrasland, durch Moor- und Heidelandschaft. Dazu kommen die bizarren Eukalyptus-Wälder, deren verdorrte Äste wie knochenbleiche Finger in den Himmel ragen. Unterwegs trifft man schon mal auf behäbige Wombats, auf das Große Graue Waldkänguru oder die kleinen quirligen Verwandten wie das Bennett-Wallaby oder das Pademelon-Wallaby. Pademelon ist ein Name der Aborigines und heißt „kleiner Großfuß“. Nur den katzengroßen Tasmanteufel, dessen Ohren sich bei Aufregung blutrot färben, wird man eher nicht zu Gesicht bekommen - und das ist auch gut so. Inzwischen ist die Population wieder stabil und die gesichtszerfressende Tumorerkrankung der Tasmanteufel eingedämmt. Darüber hinaus gibt es dann ja noch den legendären Tasman-Tiger, der bereits ausgestorben sein soll, was man angesichts der vielen völlig undurchdringlichen Waldwildnisgebiete, die noch kein Mensch betreten hat, aber nicht so genau weiß ...

Mehr Informationen über Tasmanien und zum Wandern und Bergsteigen im Land „under down under“ gibt es unter www.discovertasmania.com.au

Karte: Tasmanien

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Tasmanien


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