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Alpenflora und Almwirtschaft im Spannungsfeld Eine Exkursion zur Schönleitenalm im Mangfallgebirge

Es ist ein ganz besonderes Gebiet, das der "Verein zum Schutz der Bergwelt" für eine Exkursion ausgesucht hat: die Schönleitenalm. Sie liegt östlich des Risserkogels im Mangfallgebirge und ist eine der wenigen Almen, die nicht erschlossen sind, das heißt, es führt kein Fahrweg zur Alm hinauf.

Von: Angela Braun

Stand: 30.08.2018

Eine Exkursion zur Schönleitenalm im Mangfallgebirge | Bild: BR; Angela Braun

Knapp 30 Wanderer haben an der Exkursion teilgenommen, um die Besonderheiten der Hänge und Bergwiesen zu erleben.

Die Valeppalm am Bernauer Bach im Risserkogelgebiet

Der "Verein zum Schutz der Bergwelt e.V."  ist übrigens der älteste internationale alpine Schutzverband. Er wurde im Jahr 1900 aus dem Deutschen und  Österreichischen Alpenverein heraus gegründet, und zwar mit dem  Ziel, die Natur und Landschaft in den Bergen vor zerstörerischen Eingriffen zu schützen. Bei der almwirtschaftlichen Exkursion  ging es auch um das "miteinander reden" – so waren die Naturschützer zusammen mit Almbauern unterwegs.

Neubau der unteren Schönleitenalm, die seit kurzen in Privatbesitz ist

Schon die ersten Meter entlang des Bernauer Baches erinnern an eine Bilderbuchlandschaft. Ein paar dunkle Holzhütten stehen inmitten saftiger Wiesen und vor uns  schlängelt sich der Wildbach. Wenn es viel regnet, dann überschwemmt der Bach die  Auen. Dadurch wachsen hier ganz besondere Pflanzen, sagt Sabine Rösler vom "Verein zum Schutz der Bergwelt": Pionierpflanzen, die genauso gut in den Hochlagen vorkommen und sich mit ihren kleinen, aber tiefen Wurzeln im Schotter festkrallen, flach am Boden bleiben  nicht  weggespült werden. So findet sich zum Beispiel die Polstersegge, der blau-grüne Steinbrech, der so wunderschön weiß hier blüht, und Pioniergehölze wie die Lavendelweide mit silbrig grauen Blättern.

Blau-grüner Steinbrech, der weiß blüht

Es geht weiter hinein ins Bernauer Tal und dann balancieren wir auf Steinen über den Bach in Richtung Schönleiten-Alm durch lichten Bergmischwald. Wir kommen vorbei an einer neu gebauten Hütte. Ein Privatmann hat das Almgelände gekauft. Der Pfad führt jetzt steil hinauf durch eine Almwiese, die Georg Mayr, den Vorsitzenden des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, ins Schwärmen bringt, weil solche offenen Flächen, die gemäht werden, eine große Artenvielfaltbesitzen. Die Gräser werden kurzgehalten und seltene Pflanzen haben die Chance zu überleben. Einzelne alte Buchen, Bergahorne und Fichten stehen auf dieser Almwiese und bieten Schutz und Schatten für das Jungvieh.

Auf diesen lichten Weideflächen leuchten Blumen in vielen Farben, die auch den Botaniker Alfred Ringler begeistern – 40 Gefäßpflanzen auf einem Quadratmeter, dazu  Moose und Flechten, botanisch gesehen eine der artenreichsten Flächen in ganz Bayern.

Leiter Josef Fass erklärt die geologischen Besonderheiten im Bernauer Tal

Für diesen Artenreichtum ist auch die Almwirtschaft verantwortlich, sagt der Naturschutzexperte aus dem Chiemgau. Hier gedeiht vieles, weil nicht gedüngt wird und der Boden auch nicht eben ist, sondern steinig, tiefgründig und kalkreich. „Akkumulierte Diversität" heißt das im Fachjargon. Und davon profitieren nicht nur die Pflanzen. Alfred Ringler befasst sich seit Jahrzehnten mit den Almen in den Alpen. Er weiß, dass die Artenvielfalt auch Einfluss nimmt auf die Tierwelt und einen idealen Lebensraum und ein Aufzuchtshabitat bietet für Auerhuhn, Birkhuhn, spezielle Singvögel wie den Zitronengirlitz, der einzelne Fichten braucht, oder den Berglaubsäger sowie für viele Schmetterlingsarten.

Aufmerksame Zuhörer vom Verein zum Schutz der Bergwelt

Die Schönleitenalm im Risserkogel-Gebiet gehört zu den zehn Prozent der bayerischen Almen, die nicht erschlossen sind und ohne Fahrweg zurechtkommen müssen. Georg Dold ist seit 13 Jahren Pächter, seine Sennerin versorgt 25 Stück Jungvieh, eine Kuh und ein paar Schafe. Der Almbauer ist Idealist, denn wirtschaftlich gesehen bringt die Alm kaum etwas, fordert aber die ganze Familie.

Die Teilnehmer überqueren den Bernauer Bach

Ob die jüngere Generation diese Leidenschaft auch künftig aufbringt - das fragt sich  auch Georg Mayr, der Sprecher  der oberbayerischen  Almbauern. Ziel ist natürlich, dass die bestehenden Almen und Flächen erhalten bleiben, dazu aber gehört viel Idealismus – und dafür müssten die Almbauern mehr Geld bekommen! Schließlich fällt und steht die Almwirtschaft mit der so genannten “non-food-function“, der ideellen Funktion.

Karte: Die Schönleitenalm

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Die Schönleitenalm


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