2

Im Großen Walsertal Echowand und Himmelsatem

Es liegt ein wenig abseits und ist genau deshalb noch ein echter Geheimtipp für Skitourengeher, Winter- und Schneeschuhwanderer: das Große Walsertal. Ortsnamen wie Fontanella, Faschina, Marul und Raggal erinnern an die rund 700jährige Siedlungsgeschichte in diesem Tal.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 21.03.2019

Seit bald zwei Jahrzehnten ist das Große Walsertal auch ein Biosphärenpark, eine Lebensraum-Reserve, mit der man sorgsam und nachhaltig umgeht. Bergbahnen und Lifte gibt es daher nicht allzu viele, dafür aber unzählige Wandermöglichkeiten zu jeder Jahreszeit.

Schneeschuhwanderen zur Echowand | Bild: Andrea Zinnecker

Die Schneegrenze ist erreicht

Während auf der Sonnenseite schon alles ausgeapert ist, liegt auf der Nordseite, also der Schattenseite des Tals, noch genug Schnee, um zu Fuß oder mit Schneeschuhen zu wandern - zum Beispiel zur Echowand.

Von Sonntag-Stein schwebt die schon fast nostalgisch kleine Gondelbahn rund 200 Meter hoch über dem Talgrund hinüber auf die andere Talseite. Von der Bergstation geht es dann auf markierten Winterwanderwegen in Richtung Echowand. Der Blick schweift hinüber nach Damüls mit der markanten Mittagsspitze und weiter hinein in den Bregenzer Wald, ebenso zur Blasenka und zum Zafernhorn und den Walserkamm hinaus in Richtung Rheintal.

Monika Bischof von Walsertal-Tourismus ist Schneeschuhexpertin und Wanderführerin. Sie kennt nicht nur das prächtige Panorama, sondern auch die geologischen Besonderheiten der Region. So ist die Europäische Wasserscheide nicht weit entfernt und an der Blasenka befindet sich auch eine geologische Scheide zwischen der so genannten Arosa-Zone, dem Kalkgestein des Lechquellengebirges, und dem Flysch.

Schneeschuhwanderen zur Echowand | Bild: Andrea Zinnecker

Geruhsam durch den Schnee

Schritt für Schritt geht es im lichten Bergwald bergauf. Bald schon ist die Wandfluh zu erkennen, ein langgestreckter bewaldeter Felsrücken, der nordseitig über 200 Meter tief abbricht. Diese senkrecht abfallende, schattige Felswand ist als Echowand bekannt. Zu ihren Füßen befindet sich ein hölzerner Balkon, sozusagen eine „Sendeplattform“, von der aus sich die Probe aufs Exempel machen lässt. Große Trichter sollen das Echo besser hörbar machen. Voraussetzung ist allerdings klares und trockenes Wetter und möglichst wenig Schnee. Schnee auf der Echowand und im Wald rundherum schluckt den Echoruf. Aber probieren geht bekanntlich über studieren …!

Durch sogar noch leicht pulvrigen Schnee geht es nun hinauf zur Alpe Unterpartnom und hinaus ins freie Gelände und in die Sonne. Wenig später ist die über 300 Jahre alte Alpe Oberpartnom erreicht und da wird es dann musikalisch - beim „Grenadiermarsch“ auf der 1680 Meter hoch gelegenen Breithornhütte. Hüttenwirtin Martha Bickel serviert diese deftige Spezialität aus Nudeln, Kartoffeln, Wurst, Speck, Zwiebeln und Spiegelei in einer großen Pfanne. Aber auch die hausgemachte Gulaschsuppe sowie das Hirschgulasch sind nicht zu verachten. Im Winter werden die rustikalen Ferienwohnungen in den Gebäuden der Alpe Oberpartnom vermietet, und wer will kann bei Martha Bickel Halbpension mit Frühstück und Abendessen buchen.

Schneeschuhwanderen zur Echowand | Bild: Andrea Zinnecker

Zeit für die Brotzeit

Vor allem Stammgäste lassen sich auf der Breithornhütte verwöhnen und genießen die Sonnenmuße an der Holzwand sowie den Blick aufs Breithorn. Das Alpdorf ist ein schöner und ein sagenreicher Fleck, soll hier oben doch der Lagutzerbutz sein Unwesen herumgeistern und gerade im Winter die Bewohner der einsamen Alphütten erschrecken und mit ihnen Schabernack treiben.

Schneeschuhwanderen zur Echowand | Bild: Andrea Zinnecker

Noch richtiger Winter

Von der Alpe Oberpartnom aus ist auf der anderen Talseite auch das Dorf Blons zu erkennen. Im Winter 1954 hat sich hier eine schreckliche Lawinenkatastrophe ereignet. Zwischen dem 10. und 12. Januar gingen insgesamt 13 Lawinen vom Falvkopf ab, 57 Menschen fanden den Tod. Der österreichische Musiker und Schriftsteller Reinhold Bilgeri hat dieses Ereignis verfilmt und die Lawinenkatastrophe von Blons in Oberpartnom nachgestellt. So wurde aus dem Alpdorf zeitweilig ein echtes Filmdorf für Bilgeris Film „Der Atem des Himmels“.

Die Abhängigkeit der Menschen vom Willen der Natur ist bis heute zu spüren im Großen Walsertal. Das verraten auch die alten Wetterregeln. So heißt es, dass es erst Frühling wird, wenn die Wangleue, also die Lawine vom Wank einem Berg im Talschluss des Großen Walsertals, abgegangen ist.


2