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Weißer Zauber auf baumfreien Weiden im Bayerwald Mit Schneeschuhen auf den Lindberger Schachten

Was ein Schacht ist, weiß man. Aber wer weiß, was Schachten sind? Die Schachten sind eine Besonderheit in den Hochlagen des Bayerischen Waldes. Ähnlich den Almen der Alpen handelt es sich um baumfreie Waldweiden, die früher für das Vieh genutzt wurden.

Von: Christoph Thoma

Stand: 27.01.2018

Weißer Zauber auf baumfreien Weiden im Bayerwald | Bild: BR; Christoph Thoma

Heute ist zum Beispiel der Lindberger Schachten ein beliebtes Ziel für Wanderer im Sommer als auch im Winter. Wunderschön und interessant ist eine Schneeschuhtour von der im Schnee versunkenen Ortschaft Buchenau bei Zwiesel hinein in die Kernzone des Nationalparks Bayerischer Wald. Unterwegs mit dem erfahrenen Nationalpark-Ranger Mario Schmid erfährt man, dass es hier wegen einer bedeutenden Auerhahn-Population besonders wichtig ist, auf den markierten Routen und Steigen zu bleiben.

Sanfter Aufstieg im Hochwald

Los geht es am Wanderparkplatz Buchenau. Hohe Schneewälle liegen rechts und links, hinter dem Gasthof Latschensee führt eine für den Verkehr gesperrte Forststraße stetig ansteigend am Buchenauer Schloss vorbei, das in früherer Zeit von einem Glasbaron bewohnt wurde, immer weiter waldwärts. Wir haben gut 400 Höhenmeter vor uns, tauchen gleich in den tief verschneiten Hochwald ein und finden einen sanft, aber kontinuierlich ansteigenden Pfad entlang einer alten Holz-Drift - ideal für das gleichmäßige, rhythmische Gehen mit den Schneeschuhen. Nach einer halben Stunde stoßen wir auf einen wunderlichen Wegweiser, dessen sechs Arme fünf Mal nach Buchenau zeigen. Der Grund dafür ist die Vielzahl der Wege und Varianten. Jede Winterwanderung kann nach Belieben, Kraft und Kondition verkürzt oder verlängert werden. 

Auf dem Lindberger-Schachten

Nach einer guten Stunde sind wir bereit für einen ersten kurzen Steilaufschwung. Gelegentlich geht es auch durch Gräben oder über Wurzelwerk, doch mit den leichten Schneeschuhen an den Füßen ist das Gelände problemlos zu bewältigen. Einige Geländestufen weiter, nach etwa 90 Minuten, lichtet sich vor uns der Wald und wir nähern uns dem Ziel, einer Insel im winterlich grün-weißen Waldmeer. Lindberger Schachten heißt, dass hier schon im späten Mittelalter Bauern aus der Ortschaft Lindberg Weiderechte hatten. Um 1600 wurden durch königlichen Erlass die Waldweiden angelegt. Heute sind die Rodungsflächen mitten in der Kernzone des Nationalparks absolute Ausnahmen. Ganz bewusst greift hier der Mensch ein, um die freien Hochflächen mit den windzerzausten Einzelbäumen als Kulturgut zu erhalten. Die Nationalparkverwaltung hat dafür sogar Betreuungspatenschaften mit verschiedenen Waldvereinssektionen geschlossen. 

Diensthütte der Nationalpark-Ranger

Über das zu unseren Füßen wabernde Wolkenmeer könnten Mario Schmid und ich vermeintlich ganz einfach zum Brotjacklriegel und zum Kleinen und Großen Rachel hinübergehen, die ihre Gipfel Wärme suchend in die Sonne strecken. Wir steigen auf einem alten Schmuggler-Pfad noch eine Viertelstunde weiter auf bis zu einer versteckten Forstdiensthütte – eine Ranger-Station. Mario Schmid hat den Schlüssel. Solarpaneele sorgen für Licht. Man sieht einen Holzhauer-Schlitten, Bilder von der Holzabfuhr in früherer Zeit und eine interessante Dokumentation zum Thema Auerhahn.

Bildtafeln zum Thema Auerhahn

500 Auerhähne und Auerhennen gibt es noch oder wieder im Bayerischen Wald. Das ist der unterste Rand einer gesunden Population. Skitourengeher oder Wanderer – mit Schneeschuhen oder auch  ohne – stören die scheuen Tiere nicht, wenn sie auf den ausgewiesenen Wegen und Pfaden bleiben. Ansonsten kostet jede erzwungene Flucht aus dem Einstand die Tiere so viel Energie, dass ihr Überleben im Hochwinter gefährdet ist. Wir gehen auf dem Aufstiegspfad zurück zur Forststraße und in einer Schleife zurück nach Buchenau. Begegnet ist Mario Schmid und mir während der vierstündigen Schachtentour – ganz nebenbei bemerkt - kein Mensch!

Die winzige Ortschaft Buchenau ist übrigens bequem mit dem ÖPNV erreichbar. Der Nationalpark-Bus startet zum Beispiel um 10.01 h am Bahnhof Zwiesel und kommt um 10.14 Uhr direkt am Startpunkt der Wanderung zum Lindberger Schachten an. Weiter Informationen gibt es unter www.nationalpark-bayerischer-wald.de sowie www.arberland-regio.de

Lindberger Schachten


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