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Mit dem „Waldsepp“ unterwegs zwischen Bayern und Böhmen Schneeschuhtour zur Donau-Moldau-Wasserscheide

Auf leisen Sohlen geht es auf einsamen Wegen durch den Winterwald.

Von: Christoph Thoma

Stand: 23.03.2019

Mit dem „Waldsepp“ unterwegs zwischen Bayern und Böhmen | Bild: BR; Christoph Thoma

Aus der Bayerwald-Feriengemeinde Eschlkam im Oberpfälzer Landkreis Cham stammt der berühmte Maximilian Schmidt, genannt „der Waldschmidt“, einst einer der Lieblingsschriftsteller von König Ludwig II. und 1890 visionärer Begründer des Bayerischen Fremdenverkehrsverbandes. Heute ist über den Landkreis hinaus, auch in der Tschechischen Republik, Josef „Sepp“ Altmann bekannt, seit 1994 Tourismusbeauftragter des Marktes und „Wanderpapst“. Zum 25. und letzten Mal führt der „Waldsepp“, sozusagen ein Outdoor-Urgestein, heuer Gruppen durch seine Heimat, bevor er im Herbst in Ruhestand geht. Eine seiner Lieblingstouren verläuft entlang der Europäischen Hauptwasserscheide Donau-Moldau auf stillen Wegen hinein nach Böhmen.  

Bis 1990 war am Osser die Welt zu Ende, erinnert sich Sepp Altmann, heute liegt der Markt Eschlkam mitten in Europa. Wanderwege, Loipen und Schneeschuhrouten führen wie selbstverständlich auch über die Grenze. Treffpunkt für Winterwanderer, Langläufer und Schneeschuhgeher ist das Wintersportzentrum Neurittsteig, nur fünf Kilometer von der Bergbahn auf den Hohen Bogen entfernt.

Kein Gedränge auf den Loipen

Rittsteig hat seinen Namen von den historischen Handelsverbindungen zwischen Bayern und Böhmen. Die Route von Regensburg bzw. Straubing nach Klatovy (Klattau) gehört zu den sogenannten „Deutschen Steigen“ und ist weniger bekannt als die „Goldenen Steige“ für die Salzsäumer in Richtung Prachatitz. Der Pass, zwei steile Serpentinen, gleich hinter dem Marienwallfahrtsort Neukirchen beim Heiligen Blut, war schon im Mittelalter eine Herausforderung für schwer beladene Gespanne und Saumpferde.

Das Langlaufzentrum nahe dem Hohen Bogen mit 21 km Loipen im Kerngebiet ist ein Geheimtipp, durchaus anspruchsvolle „Verlängerungen“ bringen die Geübten und Konditionsstarken sogar bis zum Schwarzen See im Tschechischen, ein landschaftliches Kleinod direkt unter dem Großen Arber, dem König des Bayerischen Waldes.  

Hohlweg zum Grenzkamm - tief verschneit

Wir steigen in den Wanderweg NK 24 ein, der gleichmäßig ansteigend auf dem Harschdeckel des tief verschneiten Forstwegs eine gute Stunde lang bergauf führt. Wir stapfen zuerst an der sorgfältig gespurten Langlaufloipe entlang, passieren den Rastplatz am „Taferl“ links des Weges und erreichen dann den deutlich markierten Abzweig hinauf zum sonnenbeschienenen Kamm. Tier-Holzskulpturen des Motorsägekünstlers Rudi Mühlbauer fügen sich "natürlich" in die Landschaft ein. Am "Taferl" findet man an einem Baum einen Bildstock mit dem "Heiland in der Rast". Für uns Wanderer gibt es hier auch einen Unterstand. In einer weiteren halben Stunde erreichen wir den sanften, welligen Höhenrücken des Künischen Gebirges und damit die Europäische Hauptwasserscheide Donau-Moldau. Im Mittelalter wurden hier von der Krone gezielt die Künischen Freibauern als Grenzwächter angesiedelt. "Die Königlichen" waren als freie Bauern mit einer Reihe von Privilegien wie zum Beispiel der freien Gerichtsbarkeit ausgestattet, die sie stolz in dem Leitspruch "Niemands Herr und niemands Knecht, das ist künisch Bauernrecht" ausdrückten. Die Glockentürme auf den Dächern ihrer Bauernhäuser symbolisierten diese Sonderrechte. Bald erreichen wir den Taubenbrunn am Grenzstein Nr. 18. Hier verläuft auch die Europäische Hauptwasserscheide. Schnee, der hier taut, landet einerseits in der Nordsee, über Moldau und Elbe, und andererseits über Regen und Donau im Schwarzen Meer.

An der Grenze. Personalausweis gehört in den Rucksack

Würden wir uns jetzt links halten, könnten wir weiter „grenzenlos“ zum 1293 Meter hohen Großen Osser und zum 20 Meter höheren Zwercheck gelangen. Weißblaue Stangen markieren den Grenzverlauf. Die markanten Trittsiegel im Schnee hat unzweideutig im Morgengrauen ein scheuer Luchs hinterlassen. Wir sind im Auerhahn-Schutzgebiet und dürfen die markierte Route entlang der Grenze nicht verlassen. Dass sich Schneeschuhgeher an die ausgewiesenen Routen halten, ist ein mittlerweile allgemein akzeptiertes Agreement zwischen einsichtigen Wintersportlern und dem Naturschutz. Unser Ziel ist das Zwieseleck, ein Felsplateau mit Gipfelkreuz. Zwei Stunden haben wir für die 250 Höhenmeter gebraucht. Die Aussichten bei der verdienten Rucksack-Brezen-Brotzeit sind bestens: ganz links der Großen und der Kleine Osser, direkt voraus der Großen Arber und auf der rechten Seite der Hohen Bogen. Vom 1054 Meter hoch gelegenen Zwieseleck kehren wir in einer knappen Stunde auf anderer Route zurück nach Neurittsteig. Wurzelwerk und Blockgestein unterm Schnee verlangen bis zum Roten Kreuz, einem rot bemalter Bildstock, noch einmal etwas Konzentration.

In der Morgensonne über den Grenzkamm

Josef „Sepp“ Altmann, der Tourismusbeauftragte von Eschlkam, ist ein Pionier, was grenzüberschreitende Wanderungen angeht. 1990 waren Wanderer noch Exoten, und der „Prophet“ wurde auch im eigenen Land ausgelacht und als „berufsmäßiger Spaziergänger“ verspottet. Heute gilt „der Waldsepp“ als Vorreiter mit Fans in Bayern und Böhmen, als einer, der die Völkerverbindung maßgeblich vorangebracht hat. Über 25.000 Menschen – Feriengäste und immer mehr auch Einheimische - sind in einem viertel Jahrhundert mit ihm durch den Bayerwald und den Böhmerwald gewandert. Er gilt als der „1000-Touren-Kenner“ unter dem „Grünen Dach Europas“.

Übrigens - in Eschlkam an der Pfarrkirche St. Jakob beginnt der ostbayerische Zweig des Jakobswegs. Am Grenzübergang Eschlkam/Vseruby zeigt ein Wegweiser mit der Jakobsmuschel nach Santiago de Compostela in Nordspanien: 2825 Kilometer. Aber das ist dann eher eine Sommergeschichte. Informationen über die Schneeschuhtour entlang der europäischen Hauptwasserscheide Donau-Moldau gibt es unter www.markt-eschlkam.de  und  www.ostbayern-tourismus.de

Karte: Eschlkam

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Karte: Eschlkam


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